Blog Auf welchem Pferd sitzen Sie?

Aus dem ZEN-Buddhismus kommt eine Geschichte, die mich mal wieder zum Nachdenken angeregt hat:

In einem schönen friedlichen Dorf irgendwo sitzen ein paar Bewohner friedlich zusammen. Sie entspannen in der Sonne, genießen die Ruhe, die Sonne lacht, die Vögel zwitschern. Da kommt ein Reiter auf einem Pferd angaloppiert. In einem rasenden Tempo. Der Reiter kann sich gerade so auf dem Pferd halten. Er rutscht links und rechts immer wieder vom Sattel runter und klammert sich mit letzter Kraft an die Mähne des Tieres. Im Galopp hetzt das Pferd durchs Dorf und an den Dorfbewohnern vorbei. Die rufen dem Reiter zu, wohin er denn so eilig wolle. Als Antwort erhalten sie: „Keine Ahnung. Fragt doch mal das Pferd.“

Na, erkennen Sie sich selbst ein wenig in dieser Geschichte? Galoppieren Sie auch immer mal wieder auf einem Rennpferd durchs Leben ohne genau zu wissen, wohin es in diesem rasanten Tempo eigentlich geht?

Wie lange wollen Sie noch so reiten? Bis das Pferd Sie abwirft? Oder sie einfach keine Kraft mehr haben, sich festzuhalten und vom Pferd fallen? Wäre es nicht klug, vorher abzusteigen? Absteigen, eine Pause einlegen und überlegen, auf welchem Pferd Sie eigentlich reiten wollen. Soll es wirklich immer ein Rennpferd sein? Oder wäre Ihnen ein gemütlicher Haflinger nicht ab und an lieber? Und wenn es so wäre: was hält Sie davon ab, auf einen Haflinger umzusteigen?

Bewegen Sie diese Fragen in Ihrem Kopf und in Ihrem Bauch:

Auch welchem Pferd möchten Sie in welcher Geschwindigkeit wohin reiten?

Reiten Sie so rasant, weil Sie gerade mit voller Energie Projekte voran treiben und Spaß dabei haben? Oder reiten Sie so schnell, weil Sie das Pferd tatsächlich nicht mehr unter Kontrolle haben? Oder reiten Sie im Galopp vor etwas davon?

Beantworten Sie als ersten Schritt einfach nur ganz ehrlich diese Frage. Und wenn Sie fest stellen, dass Sie eigentlich gern langsamer unterwegs wären, dann beantworten Sie sich folgende Frage:

Woran würde ich bemerken, dass ich langsamer reite?

Und woran noch?

Und wenn Ihnen das, was bei der Beantwortung der letzten Fragen raus kommt, gefällt, dann sollten Sie umsatteln. Wie?

Mal angenommen, Sie bemerkten, dass Sie auf einem langsamen Pferd weniger Stress hätten und besser gelaunt wären, dann fragen Sie sich:

Woran würde ich bemerken, dass ich besser gelaunt bin und weniger Stress habe?

Und woran noch?

So beschreiben Sie Ihr Ziel. Das, was raus kommt, wenn Sie langsamer unterwegs wären. Das ist wichtig, um wissen, warum Sie umsatteln sollen. Warum es sich lohnt, das Pferd zu wechseln.

Ich habe mich übrigens auch gerade umentschieden. Denn mir wurde mein Rennpferd der letzten Monate viel zu schnell. Als ich das jetzt merkte, stieg ich um. Und zwar gleich auf einen Esel. Mit ihm möchte ich die nächste Zeit mal ganz langsam und gemütlich unterwegs sein. Um mal wieder in Ruhe über meine Ziele nachdenken und um mal wieder im Hier und Jetzt die „Landschaft“ um mich herum wahr nehmen und genießen zu können.

Also wundern Sie sich nicht, wenn Sie mich in diesem Spätsommer irgendwo mit einem Maulesel sehen.

Ihnen wünsche ich beim „Umsatteln“ – sei es für immer oder nur für eine bestimmte Zeit – viel Erfolg.

 

 

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