Bist Du auch urlaubsreif?

Bist Du auch urlaubsreif?

Ein Freund der Familie hat sich einen Bänderriss zugezogen. Er ist jetzt krank geschrieben. Das erzählte er mir, als er schnell auf einen Kaffee bei mir vorbeischaute. Etwas später am Tag beim Abendessen erzählte ich es meinem Mann und wir wunderten uns darüber, warum er denn krank geschrieben sei, wäre doch seine Haupttätigkeit, am Schreibtisch zu sitzen und zu telefonieren. Mein Mann und ich sind beide selbständig. Natürlich wären wir mit einem Bänderriss nicht krank geschrieben. Daraufhin sagte unsere Tochter: „Ich will später auch mal fest angestellt sein.“ Ich antwortete, dass man dann aber auch nicht der Chef sei. Ihre Eltern könnten zumindest Aufträge, die sie nicht machen wollten, ablehnen. Daraufhin meinte unser Sohn: „Ich werde fest angestellter Chef“.

Da musste ich an die vielen „festangestellten Chefs“ denken, die ich kenne und die nicht sehr glücklich sind mit dem, was sie tun. Sie bekommen Druck von oben, von den Chef-Chefs und von unten, von unzufriedenen Mitarbeitern. Letzte Woche fragte ich einen Bekannten, der Abteilungsleiter in einem großen deutschen Unternehmen ist, wie es ihm ginge. Seine Antwort: „Ich geh in drei Wochen in Urlaub. Bis dahin halte ich es aus.“ So geht es vielen Arbeitnehmern. Zwei Klientinnen von mir legen sich ihren Urlaub so, dass sie dazwischen maximal zwei Monate am Stück an ihrem Arbeitsplatz sind. Sie meinen, es wäre länger nicht zu ertragen.

Viele sind urlaubsreif, können aber nicht mehr richtig abschalten

Viele fiebern jetzt – kurz vor den Sommerferien – einer Auszeit entgegen. Für den Großteil der gut 44 Millionen Berufstätigen in Deutschland ist der Sommerurlaub die wichtigste Erholungsphase. Doch dann wird die freie Zeit nicht genutzt, um Körper und Geist zu erholen. Für viele sind die Ferien nur noch eine Arbeitsunterbrechung. Das geht aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervor. Demnach geben drei von zehn ArbeitnehmerInnen an, auch während des Urlaubs nicht richtig abschalten zu können. Weitere 30 Prozent müssten für ihren Job ständig erreichbar sein. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass sich fast die Hälfte der über 40-jährigen abgearbeitet und verbraucht fühlen.

Dabei ist Abschalten und Erholung elementar wichtig. So wie der Körper nach einer anstrengenden Phase Erholung braucht, benötigt auch unser Hirn Auszeiten. In den Momenten, in denen die Gedanken vorbeifliegen dürfen, regeneriert es. Damit stellst Du sicher, dass es lange gut arbeiten kann. Jetzt könnte man ja der Meinung sein, dass mal eben Mails checken oder ein Telefonat zu führen, keine Arbeit und schon gar kein Stress bedeuten. Das mag Dir im Moment vielleicht so erscheinen. Aber die Ruhe ist dadurch dennoch gestört. Die Distanz zur Arbeit hat sich einem Telefonat oder dem Lesen von Mails auf Null reduziert. Und gerade der zeitliche Abstand zu den beruflichen Herausforderungen ist das, was Du zur Erholung brauchst.

Wenn Du wirklich der Meinung bist, dass es keine Wochen möglich ist, Deine Mails nicht zu checken, dann lasse Dich doch mal auf einen Kompromiss ein: Du liest jeden 3. Tag die Mails und begrenzt die Zeit strikt auf eine Stunde. Dann hast Du wenigstens eine kleine Chance, Deinem Hirn ein wenig Ruhe zu gönnen. Besser wäre es natürlich, Du würdest die gesamte Urlaubszeit nutzen, um auszuspannen.

Urlaubsreif? So erholst Du Dich wirklich

Wie das geht? Das haben tatsächlich viele bereits verlernt. Fang einfach mal damit an, Dein Handy auf Flugmodus zu stellen. Und dann stopp den Hamster in seinem Gedankenkarussell, indem Du ganz bewusst wahrnimmst, was um Dich herum passiert. Schmeckt die Pizza im Urlaubsland anders als zu Hause? Ist der Himmel blauer? Welche Pflanzen wachsen dort und wie riechen sie? Schau Dir die Menschen, mit denen Du unterwegs bist, genau an. Wie haben sie sich seit dem letzten Sommerurlaub verändert? Wie groß sind die Kinder geworden? Hör bei einer Unterhaltung mal wieder richtig zu – ohne dabei an etwas anderes zu denken.

Solch kleine Übungen können Dir dabei helfen, Dich selbst gesund zu erhalten. Oder möchtest Du zu den vielen gehören, die aufgrund psychischer Erkrankungen ausfallen? Laut des TK-Gesundheitsreports von 2017 hat sich der Anteil der Anteil der Fehlzeiten aufgrund von Angst- und Belastungsstörungen in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Fast jeder sechste Fehltag in Deutschland hat psychische Erkrankungen als Ursache.

Statt urlaubsreif lieber: Selbst.Bewusst.Leben!

Wenn Du jetzt also auch kurz vor den Sommerferien stehst, dann nutze die Zeit. Nutze sie für den wichtigsten Menschen in Deinem Leben: für DICH! Wenn Du im Job den ganzen Tag viel sitzt, dann werde nun ein wenig aktiver. Aber vielleicht bist Du beruflich körperlich auch sehr belastet, dann nutze die Ferien, um mit gutem Gewissen faul zu sein. 

Ich werde die Ferien auch nutzen, um alle Akkus wieder auszuladen. Und so verabschiede ich mich mit den Freutagsgedanken in eine kreative Pause. Ab August bin ich mit frischer Kraft zurück.

Ich wünsche Dir einen wundervollen, erholsamen Sommer voller Lebendigkeit und Lebensfreude. Und denke daran: Selbst.Bewusst.Leben!

Noch viel mehr Impulse zum Abschalten und Zu-sich-finden gibt es in meinem Buch – auch als Urlaubslektüre empfehlenswert.

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