Warum ich mich einmische

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte einmal zu mir, dass sie jeden Tag an sich arbeite – immer mit dem Gedanken „welcher Mensch willst du sein?“ Ich würde diesen Gedanken gern erweitern um den Aspekt „welcher Mensch willst du sein und in welcher Welt willst du leben?“ Das ist der Grund, warum ich mich einmische. In meinem Alltag, in meinem Umfeld, bei lieben Freunden, aber auch bei völlig Unbekannten – oft zum Leidwesen meiner Kinder, die mich dann furchtbar peinlich finden. In welcher Welt willst Du leben und was kannst Du dafür tun? Ein lästiges Thema – ich weiß. Es ist Graubrot und keine Sahneschnitte. Aber es ist so wichtig – für Deine Zukunft und für uns alle. Die Freutagsgedanken heute – mischen sich ein.

Warum ich mich einmische? Weil es miteinander besser geht.

Wenn ich sage, „ich mische mich ein“, dann meine ich nicht die so beliebten Posts in den sozialen Netzwerken, in denen der Eine dem Anderen öffentlich seine Meinung vorkotzt. Meistens in wenigen und wenig netten Worten. Wenn ich sage „ich mische mich ein“, meine ich, dass ich auf der Straße Menschen frage, ob alles ok ist, ob sie Hilfe benötigen, wenn ich den Eindruck habe, hier kollabiert gleich einer. Wenn ich sage „ich mische mich ein“, dann meine ich, dass ich mich nicht blind stelle, wenn ich das Gefühl habe, dass gerade jemand Unterstützung benötigt. Ja, das ist manchmal anstrengend und kommt oft ungelegen. Aber was ist die Alternative? Dass wir alle nur noch an den eigenen Belangen interessiert sind. Und in einer solchen Welt möchte ich nicht leben.

Warum ich mich einmische? Weil ich anderen damit helfen kann.

Ich musste in den letzten Jahren auch lernen, dass Einmischung gerade bei Menschen mit Handicap wichtig und sogar erwünscht ist. Hier ist es oft kein Egoismus, dass man Menschen mit Handicap aus dem Weg geht, sondern Unsicherheit. Viele sind so unsicher, wie man mit Menschen mit Handicap umgehen soll. Seitdem ich einen 100 Prozent behinderten Schwager habe, weiß ich, dass ich mich bei ihm so verhalten soll wie bei anderen auch. Zugegeben: das ist schwierig, weil mein Schwager nach einem Schlaganfall nicht mehr reden kann. Und in der Anfangszeit bin ich nach wenigen Minuten immer geflüchtet. Heute weiß ich, dass er sich sehr freut, wenn ich neben ihm sitze, seine Hand halte und einfach nur erzähle. Sein Schlaganfall ist 18 Jahre her – von den alten Freunden hat ihn seit Jahren keiner mehr besucht. Sicherlich aus Unsicherheit und nicht aus Ignoranz. Aber das hilft ihm auch nicht weiter.

Warum ich mich einmische? Weil unsere Welt Einmischer braucht.

Ich werde mich auch am Sonntag einmischen, denn natürlich werde ich zur Wahl gehen. Ich habe noch nie eine Wahl versäumt. Denn ich möchte auch weiterhin in einer Welt leben, in der Werte wie Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Reisefreiheit, Frieden, Demokratie und soziale Marktwirtschaft unantastbar sind. Bevor ich am Sonntag beim Bäcker die Brötchen fürs Sonntagsfrühstück hole, mache ich einen Abstecher in die Turnhalle, um meine Stimme abzugeben. Ich mische mich gern ein – aber nicht, um anderen meine Meinung aufzudrücken, sondern um diese Welt ein bisschen netter, gerechter und liebenswerter zu machen. Und dafür nehme ich auch in Kauf, dass mich meine Kinder totpeinlich finden.

Hast Du schon etwas von der Aktion #makeacross gehört? Interessant für alle, die am Sonntag ihr Kreuz machen.

Hier geht es zur Aktion #makeacross

Foto: pixabay/geralt

Was kommt jetzt noch?

Gestern traf ich eine liebe Freundin zum Abendessen. Im Laufe des Essens kamen wir auf ein Thema, das in der Hektik des „wir müssen uns auf den neusten Stand bringen, was alles die letzten Wochen, in denen wir uns nicht gesehen haben, passiert ist“ oft untergeht: wir sprachen über Wünsche, die in uns schlummern und über Träume, die wir uns noch erfüllen wollen. Lustigerweise war genau dieses Thema bestimmend am Abend zuvor, als ich einen Freund, den ich nur ein paarmal im Jahr sehe, traf. Was kommt jetzt noch? Mit Anfang, Mitte, Ende fünfzig? Über den Wunsch, noch einmal „einen Berg zu besteigen“ – beruflich oder privat – geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Was kommt jetzt noch? Der Aufstieg auf den Berg oder die Ruhe im Tal?

Fast aus dem Nichts kam meine Freundin gestern mit der Geschichte, dass sie tief in sich dieses Gefühl trage, noch einmal etwas anderes machen zu wollen. Sie wisse leider gar nicht, was das sein könne, aber in ihr sei diese Gewissheit, dass es das noch nicht war. Ziemlich genau das Gegenteil hörte ich am Abend zuvor von einem Freund. Er würde mit seiner Frau wohl nochmal umziehen – aus dem Haus auf dem Land in eine Wohnung in der Stadt, weil das im Alter bequemer sei, aber das wäre es dann. Mehr an Veränderung würde wohl nicht mehr kommen. Zwei Menschen in meinem Freundeskreis mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen. Zu welcher Gruppe gehörst Du? Willst Du noch einen Berg besteigen, bist Du bereit, nochmal ein Abenteuer einzugehen oder sitzt Du gedanklich schon im Tal und freust Dich auf Ruhe und Beschaulichkeit?

Was kommt jetzt noch? Der Sehnsucht folgen!

Wenn Du das Gefühl in Dir hast, dass da noch etwas kommen müsse, dann möchte ich Dich ermutigen, dem nachzuspüren. Solche Gefühle sind unerfüllte Sehnsüchte. Finde heraus, was es ist und wenn es irgendwie geht, stille die Sehnsucht. Denn am Ende des Lebens bereuen die Menschen meistens nicht das, was sie getan haben, sondern das, was sie nicht getan haben.

Ich spüre dieses Gefühl, noch einmal „unentdecktes Land erkunden“ zu wollen, auch in mir. Dabei habe ich beruflich in den vergangenen zehn Jahren einen Berg bestiegen, der mich sehr glücklich macht. Neben meinem Fernsehjob, den ich immer noch mit Begeisterung mache, habe ich inhaltlich Neuland als LebensWandlerin betreten. Ganz andere Themen, eine ganz neue Herangehensweise an Herausforderungen (die ich als Journalistin immer als Problem bezeichnen würde), Perspektivenwechsel von problemorientiert zu lösungsorientiert, neben den Moderationen im Minutentakt nun auch Bücher, die in die Tiefe gehen. Ich schätze es sehr, dass ich nun auf zwei Hochzeiten tanzen darf. Und dennoch ist diese Sehnsucht in mir.

Was kommt jetzt noch? Ich weiß es nicht, aber…..

Ich weiß noch nicht, wohin mich dieses Gefühl bringen wird. Vielleicht auf eine Reise in ein Land, das ich bislang noch gar nicht auf dem Zettel habe. Vielleicht zu einem neuen Hobby oder einer neuen Sportart. Ich weiß nur, dass ich dieses Gefühl aufmerksam beobachten werde und es nicht verdrängen werde. Ich werde es nicht zur Seite schieben mit dem Gedanken, dass ich keinen Raum/ keine Nerven/ keine Zeit/ kein Geld für etwas Neues habe. Ich werde es aufmerksam beobachten und es wachsen lassen. Und wenn ich mehr darüber weiß, wohin mich diese Sehnsucht führen möchte, dann werde ich sondieren, ob ich mir den Wunsch erfüllen kann.

Was kommt jetzt noch? Vielleicht Gesundheit und Glück.

Ich glaube nämlich, dass wir alle viel gesünder und zufriedener wären, wenn wir unseren Bauchgefühlen mehr Raum einräumen würden. Wenn wir nicht immer nur den logischen Schlussfolgerungen unseres Kopfes folgten, sondern bevorzugt den (durchaus auch mal unlogischen) Stimmen unseres Bauches.

Was kommt jetzt noch? Das entscheidest Du.

Ein anderer Freund von mir hat es getan. Er ist seinem Herzen gefolgt und hat seine Festanstellung als Vertriebsdirektor einer Bausparkasse gekündigt und sich als Coach selbständig gemacht. Es ist kein einfacher Weg, denn die Aufträge flattern nicht wie verrückt ins Haus. Er muss viel mehr arbeiten als früher, dennoch ist er viel zufriedener. In seinem Fall konnte er diese Herzensentscheidung treffen, weil er als Single nur sich selbst versorgen muss. Wenn eine Familie ernährt werden muss, spielen oft andere Faktoren eine Rolle. Dennoch sollten wir sehr hellhörig sein für die Wünsche und Sehnsüchte in uns. Denn sie sind der Wegweiser zu einem glücklichen Leben. Und auch wenn wir manchmal nicht die ganz große Entscheidung zu unseren Gunsten treffen können, so ist doch jeder Schritt in die von uns gewünschte Richtung ein Schritt ins Glück.

Foto: pixabay/Pexels

Weg damit?

Marie Condo ist in aller Munde und auch ich habe natürlich bereits von der Ausmist-Supergöttin gehört, auch wenn ich noch keine Folge ihrer erfolgreichen „Das-muss-alles-weg“-Serie gesehen habe. Aber ich weiß, dass man sich bei seinen Sachen, die man entsorgt, bedanken soll, um dann das, was bleiben darf (und bleiben darf nur das, was einen glücklich macht), zu rollen und stehend in den Schrank zu packen (hier versagt meine Phantasie, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie meine T-Shirts im Fach des Kleiderschranks zum Stehen kommen. Ich muss wohl doch mal in die Serie reinschauen). Warum ich am Ostermontag um sieben Uhr aufgestanden bin, um auszumisten, hat nun allerdings nichts mit Marie Condo zu tun, sondern mit einem ganz anderen Erlebnis. Darüber, was Ausmisten mit der Seele macht und wo wir meiner Meinung nach viel zu schnell „weg damit“ sagen – darum geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Ausmisten? Fehlanzeige! Das ganze Haus war vollgestopft mit Sachen

Vor einigen Monaten ist meine Schwiegermutter gestorben. An Ostern trafen sich die Geschwister noch einmal in ihrem Haus, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Was geschieht mit dem Haus und vor allem, was passiert mit dem Inhalt? Während die Geschwister diskutierten, durften meine Kinder und ich durch das Haus laufen mit der „Aufgabe“, mitzunehmen, was gefällt. Für meine beiden Kids ein tolles Event. Statt Ostereier suchen, Schätze suchen. Und Schätze gab es genug. Auf drei Etagen. Meine Schwiegermutter war ein sehr großzügiger Mensch. Sie schenkte immer reichlich und sammelte offensichtlich auch gern. Denn das ganze Haus war vollgestopft mit Sachen aus 50 Jahren, die sie in diesem Haus verbracht hatte. Unzählige Dinge fanden den Weg ins Haus und nur ganz wenige wieder raus. Nach ihrem Tod was es nun die Aufgabe der vier Kinder das Haus auszumisten. Meine Hilfe war ehrlich gesagt gering, denn ich hatte gleich zu Beginn der „Schatzsuche“ sehr deutlich gemacht, dass jedes meiner Kinder nur ein Stück mitnehmen dürfe (wohl wissend, dass sie mich auf mindestens drei pro Kind hoch treiben werden, was dann auch der Fall war). Beim Durchlaufen der einzelnen Zimmer, beim Betrachten der vielen Erinnerungsstücke, beim Sichten der unzähligen Tassen, Gläser, Teller, Vasen, Flaschen, Krügen, Schüsseln und ich weiß nicht was alles beschlich mich Beklemmung und ich meinem Kopf formte sich ein einziger Satz: „Das will ich meinen Kindern nicht zumuten, wenn ich mal nicht mehr bin.“

Aufstehen und ausmisten

Das war das ausschlaggebende Moment, warum ich am Ostermontag, nachdem wir wieder zu Hause waren, um sieben Uhr in der Früh aufstand und anfing auszumisten. Meine Küche ist ohnehin nicht groß, aber selbst dort hatte ich es geschafft, Geschirr zu lagern, das ich seit Jahren nicht mehr in der Hand hatte. Nicht das schöne Geschirr meiner Mutter, sondern alles mögliche Zeug, das „man mal nehmen könnte, wenn wir chinesisch, spanisch oder sonst was kochen“. Wir haben zwischenzeitlich durchaus chinesisch oder spanisch gekocht, aber dann doch immer das Alltagsgeschirr genommen, weil es viel zu aufwändig war, das andere Geschirr von hinten, oben, untern rauszusuchen und vorher nochmal zu spülen. Also habe ich mich von all dem getrennt. Und von der halben Hausbar auch. So viele geschenkte Flaschen Spirituosen, die meine Familie und auch kein Gast, den wir bislang hatten, trinken wollte. Das Ausmisten an sich ist nicht die Arbeit, die fängt in meinen Augen immer erst danach an. Denn ich kann diese ganzen Dinge, die ja an sich noch völlig in Ordnung sind, nicht einfach in den Müll schmeißen. Das sind alles Ressourcen, die auf dem Müll absolut nichts zu suchen haben. Da mir die Zeit fehlt, solche Sachen zB bei Ebay einzustellen, verschenke ich mittlerweile alles. Die besonders guten Dinge wie den nie genutzten Pizzaofen oder die Kristallgläser an Oxfam, alles andere bekommt eine Stelle hier in Mainz, die sich über Geschirr genauso freut wie über Kleider, Bücher oder Schuhe. Nur die Spirituosen stehen immer noch bei uns rum.

Ausmisten befreit die Seele

Was für eine Befreiung, wenn man mal wieder für Platz und Ordnung gesorgt hat. Wenn man Schränke aufmacht und einem nicht alles gleich entgegenpurzelt. Wenn man aufräumen kann ohne alles irgendwie in einen Schrank reinstopfen zu müssen. Diese Ruhe, die sich damit im Raum ausbreitet, hat auch Auswirkungen auf meine Seele. Ich fühle mich wirklich befreiter.

Man kann auch zu viel ausmisten

Das ist die eine Seite. Doch es gibt auch eine andere Seite. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und alles, was nicht mehr funktioniert, wird ganz schnell entsorgt. Und an diesem Punkt habe ich meine Probleme. Denn viele Dinge könnte man problemlos reparieren. Doch wozu, wenn heutzutage der Neukauf billiger ist als die Reparatur? Ich freue mich über die Repair-Cafes, die es mittlerweile in vielen Städten gibt. Ich plädiere für reparieren statt wegschmeißen – weniger aus finanziellen Gründen, viel mehr aus Gründen der Nachhaltigkeit.

Freundschaften ausmisten? Undenkbar!

Das gilt übrigens auch für Freundschaften. Wenn ich sehe, wie mancher mit Freundschaften umgeht, bin ich sprachlos. Wenn Freunde aus irgendwelchen Gründen nicht mehr ins Leben passen oder anstrengend werden, werden sie aussortiert. Meinem Mann und mir ist das selbst vor zwei Jahren so ergangen. Mein Mann ist häufiger gesundheitlich angeschlagen und dem einen Freundespaar waren wir wohl einmal zu oft unpässlich – schwupp dich, nach einem gemeinsamen Urlaub, in dem mein Mann nicht „einsetzbar“ war, wurden wir aus der Freundesliste gestrichen und einfach nicht mehr um Treffen angefragt. Glücklicherweise hatte ich dies irgendwie schon im Urlaub gespürt, sodass mich das Nicht-mehr-melden nicht völlig unerwartet getroffen hat. Das Aussortieren von Freunden ist dank der Sozialen Netzwerke ja auch so einfach gewesen. Ein Häckchen entfernen– zack – entfreundet. Ich kann und will das nicht nachvollziehen. Ja, Freunde sind manchmal anstrengend. Ja, manchmal entwickelt man sich auch in unterschiedliche Richtungen. Ja, manchmal will man lieber seine Ruhe als klärende Gespräche. Aber anders als Tassen oder alte Schuhe sortiere ich Freunde nicht einfach so aus, weil sie mir nicht mehr in den Kram passen. Gerade aktuell kämpfe ich wieder mit einer Freundin, die mich schon lange begleitet. In letzter Zeit wurde es schwierig mit uns. Die Zeit fehlt für schöne Treffen, die Lust oft auch, die Leben driften irgendwie immer mehr auseinander. Aber eine alte Freundin kann man nicht einfach gegen eine neue austauschen. Auch wenn das viel so tun, wenn die alte zu anstrengend wird. Ich plädiere auch hier für reparieren. Und oft geht eine Freundschaft aus einem Streit und einem klärenden Gespräch strahlender und gefestigter hervor. Ausmisten hat seine Grenzen. Und alles, was gucken, atmen und essen kann, hat einen anderem Umgang verdient.

Foto: pixabay/bogitw

Von achtsamen Momenten und dem Glück des Augenblicks

Gestern war ich viel Im Auto unterwegs. Von Mainz in den Westerwald und von dort nach Trier. Drei Stunden Autofahrt, die mir nicht lange wurden, weil ich durch herrliche Landschaften fahren durfte. Überall grünte und blühte es. Was für eine Pracht. Und als ich dann abends Richtung Trier fuhr, strahlte das Licht so unglaublich schön über diese Frühlingslandschaft – ein Traum. Doch oft nehmen wir den blauen Himmel und die Blumen am Straßenrand gar nicht richtig wahr. Dabei ist es genau diese Art von Achtsamkeit, die die Lebensfreude von ganz allein wachsen lässt. Über achtsame Augenblicke und vom Glück des Augenblicks geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Ich zähle täglich meine Sorgen

Vor ein paar Wochen bekam ich von einem lieben Bekannten ein Büchlein geschenkt. „Das Glück des Augenblicks“. Es ist ein ganz schmales Büchlein mit nur wenigen Seiten. Diese aber sind voller schöner Impulse und Gedanken. Und voller schöner Bilder. Bilder von Blumenwiesen, reifen Tomaten und Wolkengebilden. In diesem Büchlein zu blättern, ist wie eine kleine Auszeit. Eine Pause im hektischen Alltag. Eigentlich braucht man dafür kein Büchlein, es gibt genügend Schönes um uns herum. Doch oft nehmen wir die Schönheiten links und rechts des Weges nicht wahr, weil wir so mit anderen Gedanken beschäftigt sind. Weil wir mit Sorgen-machen beschäftigt sind. Gestern habe ich im Westerwald einen Vortrag vor 60 Frauen gehalten, in dem es um den leichten Umgang mit schweren Zeiten geht. Darin geht es auch um Menschen, die nach dem Motto Leben: „Ich fang schon mal an, mir Sorgen zu machen. Die Details werden ganz bestimmt folgen“. Menschen, die sich Sorgen machen, weil man vielleicht irgendwann mal seinen Job verlieren könnte oder weil der merkwürdige amerikanische Präsident den roten Knopf drücken könnte oder weil das Kind das Abitur nicht schaffen könnte. Obwohl das Kind erst in der 6. Klasse ist.

Nur 2 Prozent aller Sorgen treten wirklich ein

Wenn man sich ständig Sorgen macht, kann man vor lauter grauen Gedanken das Schöne und Bunte in der Welt leider gar nicht sehen. Deswegen möchte ich Dich heute beruhigen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass von all den Sorgen, die wir uns machen und auf die wir wirklich Einfluss haben, nur 2 Prozent eintreten werden. In 98 Prozent aller Fälle, in denen wir uns sorgen, sorgen wir uns also völlig umsonst.

Achtsam leben bedeutet, die Sorgen wie einen vergrauten Vorhang zur Seite zu schieben

Wenn Du es schaffst, Deine Aufmerksamkeit statt auf Sorgen auf die Dinge und die Menschen um Dich herum zu legen, wirst Du das Leben viel stärker spüren. Es ist, als würde man einen vergrauten Vorhang zur Seite schieben. Achtsamkeit erhöht die Lebensfreude und macht das Leben bunter. Also sorge Dich weniger und sei dafür lieber mit allen Sinnen bei dem, was Du gerade tust. Jeder Augenblick, den wir mit unnötigen Sorgen verstreichen lassen, ist unwiederbringlich weg. In dem Büchlein, das ich geschenkt bekam, hat es der Autor in folgende, schöne Worte gepackt:

Der Zauber des Augenblicks


Der Augenblick ist ein geheimnisvolles Etwas.
Da kommt ein Stück Zeit, schwebt an mir vorbei,
erfüllt mit den Möglichkeiten meines Lebens,
voll gepackt mit den Geschenken des Universums an mich,
Sperre und Tür gleichzeitig,
und doch nur ein Stück Zeit – ein Moment.

Der Moment berührt mich – ich kann ihn vorbeisegeln lassen,
ihn einreihen in die anderen Momente,
die schon den ganzen Tag an mir vorbeihuschen.
Ich kann ihn übersehen, einsortieren, abhaken
Und ihn nur als ein Stück Zeit,
als das Ticken der Uhr abtun.

Aber was wäre, wenn ich diesem Moment
Meine unentwickelte Zukunft verborgen wäre,
wenn er entscheidend beitrüge
zu dem Sinn meines Lebens?
Gibt es da nicht nur eins, ihn zu erfassen?

Aus „Das Glück des Augenblicks“ von Ulrich Schaffer

Ich wünsche Dir, dass Du heute, morgen, übermorgen und an allen folgenden Tagen ganz viele Momente erfassen kannst und zu einem unvergesslichen machst.

Die nächsten zwei Wochen genieße ich die Augenblicke mit meiner Familie und melde mich Ende des Monats mit neuen Freutagsgedanken.

Falls Du auch ein paar Tage Urlaub machst, hier einige Impulse, damit Dein Urlaub wirklich erholsam wird:

Foto: pixabay/Shell_ghostcage

Da hast Du mich falsch verstanden

„Da hast Du mich falsch verstanden.“ Sagst Du das auch häufiger oder hörst es häufiger? Ich arbeite in einem Kommunikationsberuf, und dennoch höre ich das bei mir im Büro erstaunlich oft. Ich würde bei Kommunikationsproblemen eher sagen „Da habe ich mich falsch ausgedrückt“, denn wenn mein Gegenüber das, was ich gesagt habe, nicht richtig versteht, liegt das ja wohl eher am Absender als am Empfänger. Und selbst wenn nicht, ist der Fortgang des Gesprächs immer leichter, wenn man nicht dem anderen „die Schuld“ zuschiebt, sondern sie auf die eigene Kappe nimmt (wenn man hier überhaupt von „Schuld“ reden möchte). Leider höre ich ein „Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt“ nur sehr selten. Dabei kann man mit Ich-Botschaften jedes schwierige Gespräch, jede Diskussion ganz schnell entkrampfen. Beruflich wie privat. Wie Du Dir mit Ich-Botschaften das Leben ein Stückchen leichter machst – darum geht es heute in den Freutagsgedanken.

Ich-Botschaften nehmen den Dampf aus dem Kessel

Am letzten Wochenende war ich übermüdet (ich hasse die Zeitumstellung) und daher etwas dünnhäutig. Nach einigen lieblosen Antworten meiner Teenagertochter bekam ich auch noch eine ziemlich unzufrieden-stellende Antwort von meinem Mann, sodass ich wutschnaubend das Wohnzimmer verließ. Mein Mann mir hinterher – etwas verstört, weil er nicht wusste, was er falsch gemacht hatte. Früher hätte ich hier das große Fass aufgemacht: „Du tust NIE….“ oder „Du reagierst IMMER….“ Du kennst diese fruchtlosen, energieraubenden, ins Nichts führende Diskussionen bestimmt. Doch nach all den Ausbildungen und Reflektionen in den vergangenen Jahren diskutieren wir heute anders. Denn ich konnte ihm (immer noch etwas aufgebracht) sagen, dass ICH mir gewünscht hätte…., dass es bei MIR so und so ankam…., dass ICH jetzt das und das brauche. Ich-Botschaften haben den großen Vorteil, dass der andere nicht angegriffen und verletzt wird und man seine eigenen Bedürfnisse formulieren kann. Das ist deutlich zielführender. Nach wenigen Minuten hatte ich erklärt, was ich brauche, mein Mann hatte Verständnis dafür, weil er selbst nicht verletzt wurde. Nach zehn Minuten war der Vorfall durchgesprochen, die Emotionen raus, das Ganze vergessen. Ich-Botschaften machen Gespräche persönlicher und nehmen in der Regel den Dampf aus dem Kessel.

Mit Du-Botschaften kann man ein Gespräch eskalieren lassen

Doch leider sind Du-Botschaften privat wie beruflich weitaus verbreiteter. „Was bist Du denn heute so aggressiv?“, „Du könntest ruhig ein bisschen freundlicher sein“, „Du vergisst ständig etwas“. Du-Botschaften folgen oft nach einer Enttäuschung. Wir haben vom anderen eine bestimmte Reaktion oder ein bestimmtes Verhalten erwartet. Wenn das nicht kommt, dann lassen wir der Enttäuschung freien Lauf, indem wir den anderen mit einer Du-Botschaft kritisieren, abwerten oder auf die Weise eine Schuldzuweisung formulieren. Dabei tun wir so, als sei unsere Meinung die einzig Richtige. Dahinter steckt oft, dass man selbst verletzt wurde und nun will man zurück verletzen. Und das funktioniert oft auch recht gut. Denn kaum jemand reagiert auf Du-Botschaften offen und kooperativ. Im Gegenteil. Der andere geht dann oft selbst in die Offensive, reagiert mit Gegenangriff oder mit dem anderen Extrem: mit Rückzug und Schweigen. Mit Du-Botschaften kann man ein Gespräch in kürzester Zeit so richtig schön eskalieren lassen.

Ich-Botschaften wirken deeskalierend

Wenn Du also Interesse daran hast, dass ein Gespräch oder eine Diskussion mit Sinn und Ziel geführt wird, wenn Du willst, dass Deine Botschaften ankommen und wenn es nicht nur darum geht, Dein Gegenüber zu verletzten, dann probiere es einmal mit Ich-Botschaften. Denn Ich-Botschaften wirken eher deeskalierend. Mit Ich-Botschaften verurteilt man den anderen nicht, man greift ihn nicht an oder beschuldigt ihn. Dennoch kann man dem anderen mitteilen, wie sein Verhalten bei einem ankommen. Mit dem großen Unterschied, dass man bei einer Ich-Botschaft klar macht, dass diese Meinung subjektiv ist. Somit kann der Andere die Kritik annehmen oder eben auch nicht. Du-bist-Sätze sind zudem Zuschreibungen und machen die Person als Ganzes klein.

Wie formuliert man echte „Ich-Botschaften?

„Ich finde, Du könntest mehr Rücksicht auf mich nehmen“, ist keine echte Ich-Botschaft. Also wie formuliert man „echte“ Ich-Botschaften? Indem Du Deine Gefühle, Gedanken, Empfindungen und Bedürfnisse ausdrückst. Und zwar wirklich DEINE. Eine Aussage wie „Ich fühle mich von Dir missverstanden“ hört sich an wie ein Gefühl, ist aber eine Interpretation, denn woher weiß der Absender, ob der Empfänger einen wirklich missverstanden hat? Besser wäre: „Ich bin mit nicht sicher, ob ich das richtig rübergebracht habe“ oder „ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig ausgedrückt habe“.

Von der Du- zur Ich-Botschaft

Von der Du- zur Ich-Botschaft kommt man in wenigen kleinen Schritten. Als Erstes kommt es drauf an, seine Beobachtung auszudrücken – ohne sie zu bewerten. Wenn also zwei quatschen während man selbst einen Vortrag hält, könnte man sagen: „Euch hat mein Vortrag gar nicht interessiert.“ Wie wirkt das wohl auf die anderen? Man könnte aber auch sagen „Wenn Ihr Euch unterhaltet, während ich rede, wirkt das auf mich, als hättet Ihr kein Interesse“. Hört sich gleich ganz anders an, oder? Hier ist es außerdem sehr hilfreich, wenn man Zusätze wie „immer“, „nie“ oder „ständig“ vermeidet, denn Verallgemeinerungen helfen in kritischen Situationen nicht wirklich weiter.

Nach den Beobachtungen geht es um die eigenen Gefühle. Wie fühlt man sich, wenn der Andere sich verhält, wie er sich verhält? Hier ist es von Vorteil, wenn man tatsächlich Gefühle wie Unsicherheit, Irritationen oder Frust benennen kann. Hier gibt es viele fiese Fallen, denn angebliche Gefühl wie „missverstanden“, „täuschen“ oder „missbrauchen“ bewerten eher den Empfänger als dass sie die Gefühle des Absenders beschreiben.

Als Nächstes geht es darum, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken. Denn wenn die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt werden, entstehen negative Gefühle. Die negativen Gefühle entstehen nicht, weil sich der Andere so verhält, wie er sich verhält. Also nicht „Ich bin sauer, weil Ihr quatscht, während ich hier rede“, sondern: „Ich bin sauer, weil ich Eure Unterstützung und Aufmerksamkeit brauche, um den Vortrag richtig gut halten zu können.“

Abschließend gilt es eine „Brücke“ zu bauen, um die Kommunikation mit dem Anderen fortführen zu können. Diese „Brücke“ kann eine Bitte sein – besser keine Forderung. Also „bitte schenkt mir Eure Aufmerksamkeit, damit ich hier mein Bestes abliefern kann“.

Je häufiger wir Ich-Botschaften formulieren, desto leichter fallen sie uns

Manchmal braucht man für Ich-Botschaften auch Mut, denn man offenbart seine eigenen Gefühle. Dafür ist man aber auch offener für die Gefühle und Perspektiven des Gegenübers. Das nährt Vertrauen und schafft Nähe. Dennoch gebe ich zu, dass Ich-Botschaften nicht immer ganz leicht sind. Aber die Übung macht den Meister. Je häufiger wir Ich-Botschaften formulieren, desto leichter fallen sie uns.

Um von Du- zu Ich-Botschaften zu kommen, braucht es etwas Achtsamkeit. Wie du die lernen kannst, liest Du hier:

 

Die beste To-Do-Liste der Welt

To-Do-Listen sind meistens etwas furchtbar Nerviges. All die Dinge, die man tun MUSS. Schreibtisch aufräumen, Bluse nähen, Kündigung für das Abo schreiben. Spaß macht das meistens nicht. Ich habe eine To-Do-Liste, die genau das Gegenteil von diesen spaßbefreiten Listen ist. Es ist eine Liste, die Dir Zufriedenheit und Lebensfreude bringt. Diese Liste habe ich als Postkarte für mein Buch „NOW! Am liebsten geht es mir gut“ anfertigen lassen und verteile sie bei meinen Lesungen. Letzte Woche hat eine liebe Bekannte diese Karte bei Facebook gepostet und das hat mich auf die Idee gebracht, diese Liste und die Gedanken, die sich dahinter verbergen, mit allen zu teilen, die die Freutagsgedanken lesen.

Der erste Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet:

Auf meinen Bauch hören.

Mein Coach-Ausbilder, der Psychologe Dr. Klaus Biedermann sagte einmal während der Ausbildung „Der Kopf ist ein guter Ratgeber, wenn es darum geht, Rechnungen zu bezahlen. Ansonsten hört Ihr besser auf Euren Bauch.“ Zu diesem Zeitpunkt war ich noch skeptisch, denn ich habe lange Kopfentscheidungen getroffen. Dabei ist der Bauch der bessere Ratgeber in so vielen Fällen. Wenn ich schon früher auf meinen Bauch gehört hätte, wäre mir so manches erspart geblieben und ich hätte tatsächlich auch einiges gespart. In den Minuten, in denen ich den Vertrag für den Kauf der T-Aktien unterschrieben hatte, schrie mein Bauch ganz laut: „Lass es“. Aber mein Kopf schrie noch lauter dagegen: „Ich kann doch jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Wie soll ich das der netten Frau von der Bank erklären? Außerdem haben ALLE gesagt, dass das ein totsicheres Geschäft ist. Also halte jetzt die Klappe“. Und mein Bauch schwieg. Wie es ausging, wissen Sie. Vielleicht haben Sie mit den T-Aktien auch Geld verloren. Der Bauch ist aber vor allem der richtige Ratgeber, wenn es um wichtige Entscheidungen geht wie „Welchen Beruf soll ich erlernen“, „Wem soll ich vertrauen“ oder „Soll ich wirklich das Haus auf dem Land kaufen?“ Der Bauch weiß, was uns glücklich macht. Das Gehirn nicht. Das schaut nach dem, was es von den Eltern gelernt hat und schielt zudem danach, die Eitelkeit oder Gier zu befriedigen. Mein Kopf und mein Bauch haben viele Jahre Kämpfe ausgefochten. Weil mich mein Kopf ehrgeizig nach vorne trieb, während mein Bauch gern etwas bequemer stehen geblieben wäre. Seitdem ich gelernt habe, auf meinen Bauch zu hören und danach zu entscheiden, ob mich das glücklich macht oder nicht, bin ich deutlich ausgeglichener und zufriedener.

Dass der Bauch ein guter Ratgeber ist, muss mittlerweile sogar die Wissenschaft zugeben. In unserem Bauch sitzt ein sogenanntes zweites Gehirn, das quasi ein Abbild des Kopfhirns ist – Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sollen exakt gleich sein.  Man kann dort mehr als 100 Millionen Nervenzellen finden. Das sind mehr Neuronen als im gesamten Rückenmark zu finden sind. So sind psychische Prozesse und das Verdauungssystem miteinander gekoppelt. Das heißt, das Bauchhirn spielt eine große Rolle, wenn es um Gefühle wie Freude, Trauer oder Wut geht. Leider haben viele von uns verlernt, auf den Bauch zu hören. Sodass der immer leiser und leiser wurde. Man kann das Bauchgefühl aber mit ein bisschen Übung und Achtsamkeit wieder lauter werden lassen. Trainiere es, indem Du abends den Tag noch einmal durchgehst und nachfühlst, an welcher Stelle Dein Bauch sich gemeldet hat, aber noch zu leise war. Je mehr Du Dir bewusst wirst, dass sich Dein Bauchgefühl gemeldet hast, desto eher kannst Du es hören und beachten – bis es laut genug geworden ist.

Der zweite Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Meine Erfolge feiern

Diesen Punkt habe ich von der Designerin des Jahres 2017 Anja Gockel übernommen. Sie erzählte mir mal, dass sie sich früher bei ihren Modeschauen immer furchtbar verrückt gemacht habe. Viele Monate habe sie auf diesen Moment der Schauen hingearbeitet und dann konnte sie keine Sekunde genießen, weil sie sich total verrückt gemacht habe. Im Laufe der Jahre habe sie das verändert. Heute tanzt sie hinter den Kulissen und feiert ihre Erfolge. Eine tolle Einstellung, die ich aber erst durch Anja Gockel gelernt habe. Früher kam bei mir das Feiern der Erfolge viel zu kurz. Am Tag meiner letzten mündlichen Prüfung meines Studiums hatte ich direkt im Anschluss mein Casting beim Südwestrundfunk. Ich eilte also aus dem Unigebäude, fuhr in Windeseile von Frankfurt nach Mainz, und da es damals weder Navi noch Handy gab, verfuhr ich mich total. Ich kam über eine Stunde zu spät an, doch man hatte auf mich gewartet. So wurde ich in einen mir völlig unbekannten Fernsehbetrieb geschubst und ich gab alles. Am Ende des Tages hatte ich mein Studium mit „cum laude“ beendet und den Job beim SWR. Und was machte ich? Nichts. Ich habe nicht mal eine Flasche Sekt geöffnet. Das würde mir heute nicht mehr passieren. Heute feiere ich meine Erfolge. Die kleinen und die großen. Letztens habe ich bei einem sehr langen Telefonat nebenbei die gesamte Nähwäsche meiner Familie gestopft und genäht. So etwas ist für mich durchaus ein Erfolg, den ich auch feiern kann. Mit einem Glas Sekt. Mit einem besonderen Essen. Oder mit einer kleinen Auszeit, die ich mir dann gönne.

Der dritte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Öfter man Nein sagen

Damit haben viele Menschen Probleme. Ich auch. Wie oft denke ich „nein“ und dann mache ich den Mund auf und heraus fällt ein „ja“. Hier helfen mir ein paar kleine Tricks. Zum Beispiel verschaffe ich mir bei Anfragen, ob ich eine bestimmte Aufgabe übernehmen könne, immer einen Aufschub, indem ich behaupte, dass der Termin schon für etwas anderes reserviert sei, ich aber nachfragen werde, ob es tatsächlich dabei bleibe. Das verschafft mir die Zeit, nachzudenken, ob ich diese Aufgabe wirklich übernehmen möchte. Bei einer Absage halte ich mich an den Tipp meines sehr geschätzten Redner-Kollegen René Borbonus. Der meint: Begründe niemals ein nein, denn sonst geht es nur noch um die Begründung und nicht um das nein. Wenn jemand etwas von Dir will und Du willst nicht, dann sage 1. Freundlich, aber bestimmt ab. 2. Bedauern kannst Du es. 3. Nenne eine gute Alternative. Wenn Dich also jemand fragt, ob Du ihn nach der Arbeit mitnehmen kannst, weil sein Zuhause ja fast auf Deinem Weg liegt, Du es aber eilig hast und ihn nicht mitnehmen willst, dann schlage freundlich ab, gerne mit einem Bedauern und rate ihm dann, sich an Kollegen XY zu wenden. Der hat nämlich exakt den gleichen Weg. Ich will hier nicht grundsätzlich raten, niemanden mehr einen Gefallen zu tun. Aber wenn der Gefallen oder die Aufgabe nur gut für den anderen ist und man selbst dadurch vor allem belastet wird, darf man ohne schlechtes Gewissen laut und deutlich auch mal „nein“ sagen.

Der vierte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Gut auf mich achten

Das heißt, nicht immer alle eigenen Bedürfnisse ganz hinten anstellen. Bei vielen Menschen sind die Bedürfnisse des Partners, der Kinder, der Kollegen, der Kunden immer wichtiger als die eigenen. Das macht auf Dauer aber unglücklich und kann sogar krank machen. Gut auf sich achten, bedeutet, dass man seine eigenen Bedürfnisse kennt und sich diese auch regelmäßig erfüllt. Bei mir gab es Zeiten, in denen ich so viel beim SWR zu tun hatte, dass ich mir neben der Arbeit keinerlei Freiräume zugestand. Wenn ich abends aus der Sendung kam, hatte ich ab und an das Gefühl, mal eben noch auf die Schnelle ein Glas Wein am Rhein trinken zu wollen. Aber mein schlechtes Gewissen war dagegen. Es flüsterte mir ein, dass ich all die Zeit, die ich nicht für den SWR benötigte, gefälligst für meine Familie da sein müsse. Und so arbeitete ich und war für meine Familie da. Meine eigenen Bedürfnisse hielt ich für nicht wichtig genug. Am Ende war ich nicht nur unzufrieden, sondern wurde durch massive Schlaflosigkeit auch krank. Gut auf sich zu achten, bedeutet aber auch, auf ausreichend, guten Schlaf, auf gute, gesunde Ernährung und auf Bewegung zu achten. Mit diesen vier Punkten halten wir unsere Seele im Gleichgewicht.

Der fünfte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Spaß haben

Wie oft haben wir keinen Spaß, weil wir uns Sorgen machen müssen. Glauben wir. Es gibt ein schönes Zitat aus dem Film „Kingsman: The Golden Circle“. Da fragt der eine den anderen: „Machen Sie sich Sorgen?“ Und der antwortet: „Würde das was nutzen?“ Eine super Antwort, denn in der Tat nutzt es meistens gar nichts, wenn wir uns Sorgen machen. Denn von all dem, worüber wir uns Sorgen machen, tritt nur ein kleiner Prozentsatz wirklich ein. Wenn wir uns weniger Sorgen machen, haben wir mehr Platz für Spaß. Wenn ich also nicht über etwas grübel und mir vorstelle, was alles passieren könnte, sondern mit allen Sinnen im Hier und Jetzt bin, dann kommt die Freude oft von alleine. Und damit komme ich direkt zum nächsten Punkt auf meiner To-Do-Liste:

Der sechste Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Achtsam im Alltag sein

Wie oft laufen wir durch den Tag und bekommen gar nicht wirklich mit, was um uns herum passiert. Weil wir mit den Gedanken ganz woanders sind. Immer läuft eine Nebenfestplatte, die Dinge denkt, die mit dem Moment überhaupt nichts zu tun haben. Wenn wir es schaffen, achtsam durchs Leben zu gehen, wenn wir riechen, was in der Luft liegt, wenn wir die Farbe des Himmels sehen und die Blümchen am Straßenrand bemerken, wenn wir auf das achten, was um uns herumgeht und was in uns selbst abgeht, dann haben wir einen riesigen Schritt für ganz viel Lebensfreude getan.

Der siebte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Das Positive suchen

Gemeinsames Klagen scheint uns alle irgendwie sehr stark zu verbinden. Wenn man fünf Menschen, die sich nicht kennen, in einen Raum sperrt, worüber reden die? Meist erst über das miese Wetter. Dann über die unfähigen Politiker. Und ab einem gewissen Alter auch gern über Krankheiten. Selten sprechen die Menschen gleich darüber, was eigentlich gut läuft. Als ob man sich dafür schämen müsste, wenn man nichts zu beklagen hat. Ich kann das Jammern ehrlich gesagt nicht mehr hören. Denn ganz oft jammern wir auf sehr hohem Niveau. Das bedeutet nicht, dass ich kein Ohr für echte Beschwerden habe. Im Gegenteil. Wir alle haben unsere Päckchen zu tragen. Kleine und große. Und es tut so gut, wenn jemand empathisch zuhört und nicht gleich mit Patentrezepten daher kommt. Aber oft geht es nicht um echte Probleme, sondern nur darum, etwas schlecht zu finden. Das fällt uns offensichtlich leichter als etwas gut zu finden. Aber das „schlecht finden“ und das „schlecht reden“ hat Auswirkungen auf unsere Psyche.

Probiere einmal folgendes kleines Experiment aus: Wenn Du morgen Menschen triffst und die Dich fragen, wie es Dir geht, dann antworte sehr verzweifelt „Schlecht. Es geht mir sehr schlecht“. Was glaubst Du, wie es Dir abends geht, wenn Du das tagsüber einige Male entsprechend überzeugend gesagt hast? Am Tag drauf sagst Du auf die Frage, wie es Dir geht, genau das Gegenteil. Nämlich, dass es Dir super geht. Und Du wirst sehen, dass es Dir im Laufe des Tages tatsächlich besser geht. Unsere Gedanken haben Auswirkungen auf unsere Worte und die haben Auswirkungen auf unsere Taten. Dabei geht es mir nicht darum, sich alles schön zu reden. Aber oft sehen wir das viele Positive nicht, weil wir so sehr auf das Negative fixiert sind. Seinen Blick auf das Positive kann man trainieren. Weil es gut tut. Und deswegen steht es auch auf der schönsten To-Do-Liste der Welt.

Der achte und letzte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Mich selbst lieb haben

Damit haben viele Menschen Probleme und das ist so schade. Denn wie kann man jemanden anderen aufrichtig lieb haben, wenn man es bei sich selbst nicht hinbekommt? Schon in der Bibel steht: „Liebe den anderen wie Dich selbst“. Das heißt, ich muss erst mich lieben, damit ich andere genauso lieben kann. Leider haben das viele nicht gelernt. Wenn man sich selbst lieb hat, geschieht Punkt vier auf meiner To-Do-Liste „gut auf mich achten“ übrigens ganz von selbst. Doch wenn man sich selbst nicht lieb hat, dann achtet man natürlich nicht darauf, dass es einem gut geht. Dann geht man beständig über seine Grenzen – solange es die Gesundheit mitmacht. Menschen, die sich selbst nicht lieb haben, überfordern sich häufig. Eigentlich kein Wunder, dass es über kurz oder lang zu psychischen und physischen Problemen kommt.

Es gibt viele Möglichkeiten, zu lernen, sich selbst lieb zu haben. Meine Lieblingsübung ist: Wenn ich mich nach dem Duschen eincreme, dann mache ich das ganz bewusst und sage dabei jedem Körperteil, wie toll es ist und welche fantastischen Leistungen es jeden Tag erbringt. Meistens cremen wir uns unbewusst nebenbei ein und wenn wir es doch mal bewusst machen, dann denken wir eher Sätze wie „Dieser Bauch/ Beine/Po sind so schwabbelig. Eklig“. Denke so etwas nicht mehr, sondern sei stolz auf Deinen Körper. Selbst wenn er keine Modelmaße besitzt. Er leistet dennoch jeden Tag Unglaubliches. Seinen Körper und sich selbst zu lieben, sehen manche als lächerlich an. Vermutlich diese Eincreme-Übung auch. Das kann jeder halten, wie er will. Aber dann darf man auch nicht erwarten, dass man von anderen geliebt wird und Wertschätzung erhält. Denn wenn ich es mir nicht mal selber geben kann, wieso sollten dann andere in der Lage sein, es mir zu geben?

Du findest vielleicht nicht alle Punkte auf dieser To-Do-Liste so toll, als dass Du sie jeden Tag tun wolltest. Dann ersetze sie gegen Deine persönlichen Dinge, die Dich glücklich machen. Es wäre klasse, wenn Du an einigen jeden Tag ein Häckchen setzen könntest. Denn mit dieses To-Does tust Du etwas für den wichtigsten Menschen in Deinem leben: für DICH!

Weitere Anregungen zu diesen Themen findest Du in meinen Büchern „NOW! Am liebsten geht es mir gut“, das Du für EUR 17,90 (Porto übernehme ich) und „Ab heute singe ich unter der Dusche“ (EUR 24,90 bzw als Hörbuch) auch direkt bei mir bestellen kannst. Dann schicke ich Dir die To-Do-Liste als Postkarte gleich mit.

Hier noch ein Tipp, wie Du Dich ohne viel Aufwand lecker und gesund ernähren kannst:

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Bau Dir Deine Zukunft

Die Zukunftsbauerin Silvia Ziolkowski hat mich eingeladen, Gast in ihrem Podcast zu sein. Diese Einladung nahm ich sehr gerne an. Denn ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, in denen mein Leben überhaupt nicht so lief, wie ich es mir vorstellte. Die Zeiten, in denen der Lebensfreudezwerg bei mir eingezogen war.

Wie aus Lebensfrust wieder nachhaltige Lebensfreude wurde, wie ich es geschafft habe, mein Leben so zu gestalten, dass ich heute rundherum glücklich bin, darüber habe ich mit Silvia Ziolkowski genauso gesprochen wie über das Thema Selbstführung. Außerdem ging es im Interview darum: Warum wir Disziplin mit unserer Lebensfreude brauchen? Warum wir Flexibilität in der Zukunft noch stärker brauchen? Wie man die Chance der Weiterentwicklung ergreift? Getreu meinem Credo: Achtet auf euch selbst – nur wer sich selbst glücklich machen kann, kann andere glücklich machen.

Hier geht es zum Podcast “Am liebsten geht es mir gut”. Zukunftsbauerin Silvia Ziolkowski im Gespräch mit LebensWandlerin Patricia Küll

Mach es nicht so wie ich diese Woche

Am Montag hat es nicht gezwickt, weil ich Sport gemacht habe. Am Donnerstag auch nicht, weil ich mich zu 15 Minuten Yoga aufraffen konnte. Den Rest der Woche hat es gezwickt, weil ich zu viel am Schreibtisch saß und mich zu wenig bewegt habe. Ich rede von Rückenschmerzen. Heute ist Tag der Rückengesundheit. „Super“, sagte mein Mann eben, der seit 10 Tagen an einem schmerzhaften Ischias leidet, „dann wird mein Rücken heute also von alleine gesund.“ Wenn es so einfach wäre. Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Deswegen heute in meinen Freutagsgedanken ein paar gesunde Gedanken und ein leckeres und gesundes Rezept, das Du in 3 Minuten gemacht hast. Denn unser Essen beeinflusst unsere Gesundheit viel mehr als sich das viele vorstellen können.

Sitzen schadet der Gesundheit – Sitzen ist das neue Rauchen

Eine der häufigsten Gründe, warum wir Deutschen krank geschrieben werden, sind Rückenprobleme. Zum Teil kommt das vom vielen Sitzen. Sitzen sei das neue Rauchen, sagen dann auch schon Mediziner. In der Tat sitzen viele von uns den überwiegenden Teil des Tages und am Abend sitzen wir natürlich auch. Entweder irgendwo nett beieinander oder vor dem Fernseher. Auch ich sitze in meinem normalen Alltag oft 10 Stunden am Schreibtisch. Täglich. Und wenn ich viel zu tun habe, dann wird auch bei mir das Sportprogramm als Erstes gestrichen. Immerhin versuche ich, einen Ausgleich im Alltag zu schaffen. Ich stelle also meinen Schreibtisch öfter mal nach oben. Dann kann ich – während ich etwas lese oder telefoniere – die Venenpumpe aktivieren, indem ich mich auf die Zehenspitzen stelle, den Fuß über den Fußballen bis zur Ferse abrolle und zurück auf die Zehenspitzen rolle. Das kann man jederzeit ein paar Minuten machen. Das kannst Du auch genau jetzt machen, während Du die Freutagsgedanken liest. Außerdem nehme ich bis zur 4. Etage grundsätzlich keinen Aufzug mehr. Ein paar Minuten Bewegung schinde ich raus, indem ich mein Auto ganz bewusst nicht so nah wie möglich dort parke, wo ich hin möchte, sondern immer ein paar Gehminuten weiter weg. Das ist das Bewegungsminimum für Tage, an denen ich sehr viel zu tun habe und mein Energielevel ganz weit unten ist. An besseren Tagen schaffe ich 15 Minuten Yoga. An noch besseren Tagen laufe ich 60 Minuten. In durchschnittlichen Wochen schaffe ich so einen bunten Mix an Bewegung und ich merke, wie gut mir das tut. Denn das, was ich diese Woche gemacht habe – zu viel Arbeit, zu wenig Bewegung – tut meinem Rücken und meiner Seele nicht gut. Deswegen achte ich sehr darauf, dass sich solche Wochen nicht allzu oft wiederholen.

Gut essen für unsere Gesundheit

Wenn ich mich aber nun schon wenig bewege, dann achte ich wenigstens doppelt auf das, was ich esse. Denn oft bringen wir uns selbst in einen Teufelskreislauf. Wir sind zu müde, um uns zu bewegen, und belohnen uns für anstrengende Tage mit Süßem oder Fettigem oder Beidem. In der Kombi von nicht-bewegen und süß-essen schlafen wir schlecht und haben am nächsten Tag noch weniger Energie. Leider haben wir in Stresswochen aber viel zu wenig Zeit, um gesund zu kochen, deswegen schwöre ich auf ein Rezept, das in 3 Minuten gemacht ist und wovon ich die ganze Woche zehre. Ich nehme es mit ins Büro und oft auch mit auf Reisen. Das Rezept findest Du im Video.

Gesundheit made in Spain

Gerade habe ich gelesen, dass die Menschen in Spanien gesünder leben als alle anderen auf der Welt. Das liegt auch an ihrer Ernährungsweise. Spanier essen viel Olivenöl, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Genau die Zutaten, die Du für mein Rezept benötigst.

Gesundheit kannst Du selbst machen

Ich wünsche Dir einen gesunden Tag der Rückengesundheit. Wir können nicht immer verhindern, dass wir krank werden, aber wir können doch einiges selbst tun, damit es uns gut geht. Gesundheit ist nicht alles, aber wenn einem ständig etwas weh tut, dann hat es die Lebensfreude schwer, zu wachsen. Deswegen sorge ich gut für mich, achte auf ein wenig Bewegung täglich und gesundes Essen. Dann geht es mir gut und ich kann gut für andere sorgen.

 

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Als der berühmte Publizist in mein Dekolleté griff – MeToo und meine persönlichen Erfahrungen damit

Während Sie diese Zeilen lesen (vorausgesetzt Sie lesen sie am Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr), bin ich im rheinland-pfälzischen Familienministerium zu einem Frühstück mit Presse eingeladen. Nicht als Journalistin, sondern als Botschafterin. Als Botschafterin für die Kampagne der Familienministerin Anne Spiegel „laut+stark“. In dieser Kampagne ruft die Familienministerin alle auf, sich mit den Opfern sexueller Gewalt zu solidarisieren. Warum ich diese Kampagne unterstütze? Weil ich selbst als junge Frau zweimal dreiste männliche Übergriffe ertragen musste und lange darüber nachdachte, wie ich meine eigene Tochter davor schützen kann.

Welche Männer ihre Finger nicht bei sich behalten konnten und was ich meiner Tochter mit auf den Weg geben möchte – darum geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Botschafterin werden, damit die MeToo-Debatte weitergeht

Als ich gefragt wurde, ob ich Botschafterin für die Kampagne „laut+stark“ werden möchte, sagte ich spontan zu. In diesem Moment hatte ich die MeToo-Debatte und meine Tochter vor Augen. Die Übergriffigkeiten der beiden Männer fielen mir erst später wieder ein.

Bei der Bambiverleihung kam es zur ersten MeToo-Begegnung

Eigentlich war ich nie der Typ, der in der Disco ununterbrochen angequatscht wurde. Im Gegenteil. Meistens traute sich keiner an mich ran. Ein guter Freund meinte einmal, ich hätte eine so unnahbare Aura. Wohl deswegen war ich total perplex als mir ein berühmter Autor und Publizist bei der Bambiverleihung 1989 in München erst die Wange streichelte und mir dann ins Dekolleté griff. Es ging alles so schnell, dass ich überhaupt nicht reagieren konnte. Die Situation war folgende: ich hatte mit diesem Mann ein kurzes Interview für die Radiostation, für die ich damals arbeitete, gemacht. Dabei saß der ältere Herr auf einem Stuhl und ich beugte mich zu ihm runter. Was ich als 22-jährige nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass dieses „Runterbeugen“ offensichtlich einen tiefen Einblick in mein Dekolleté zuließ. Doch nur Gucken reichte ihm nicht, am Ende des kurzen Interviews kam es zu oben beschriebener Szene. Eigentlich hätte ich ihm eine runterhauen sollen, aber ich war zu jung, zu gut erzogen, zu perplex, zu respektvoll – einfach unmöglich in einer solchen Situation mitten unter all der Prominenz adäquat zu reagieren.

Die zweite MeToo-Begegnung hatte ich als Studentin

Die zweite übergriffige Handlung war ein paar Jahre später. Deutlich drastischer. In der Form, aber auch im Abhängigkeitsverhältnis. Es war ein Professor an der Uni, an der ich studierte. Ich war in seinem Büro, um die Inhalte für eine Hausarbeit abzuklären, als er plötzlich völlig aus dem Nichts seine Hände überall an meinem Körper hatte. Ich wehrte mich nach Kräften – mit Erfolg – auch als er ein zweites Mal mit den Worten „vielleicht ist ja eine Bastion zu erstürmen“ angriff. Auch hier reagierte ich völlig falsch. Denn ich wehrte ihn zwar ab, aber anstatt das Büro zu verlassen und die Situation der Unileitung zu melden, beendete ich das Gespräch mit der Absprache für die Hausarbeit. Ich brauchte nur noch diesen einen Schein, um das Studium zu beenden. Und da ich mir das Studium komplett selbst finanzierte, wollte ich kein weiteres Semester dranhängen für diesen letzten Schein. Heute würde ich anders reagieren, aber hinterher ist man immer klüger.

Laut+Stark, die MeToo-Kampagne von Ministerin Anne Spiegel

Und nun kommt Anne Spiegel mit ihrer Aktion. Sie meint, man müsse jede Gelegenheit nutzen, die MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe weiterzuführen. “Die Verknüpfung der Adjektive ‘laut’ und ‘stark’ zeigt: Es geht um Mut und Selbstbewusstsein”, so die Ministerin. Mit ihrer Anfrage, ob ich Botschafterin ihrer Kampagne sein möchte, kamen die beiden Ereignisse, die nun schon bereits über 24 Jahre zurückliegen, in mein Gedächtnis zurück und ich überlegte mir, wie wohl meine nun 17-jährige Tochter in solchen Situationen reagieren würde. Ich kam zu dem Schluss, dass sie sich vermutlich auch nicht adäquat wehren würde. Denn auch sie ist eine sehr gut erzogene junge Frau mit viel Respekt vor anderen Menschen. Und ich dachte darüber nach, was ich tun könnte, damit sie sich im Fall des Falles doch wehren würde. Dieser Gedanke war noch nicht lange in meinem Kopf, als ich merkte, dass dies die völlig falsche Denkweise ist. Nicht meine Tochter soll ihr Verhalten verändern müssen, sondern die Menschen, die ungefragt übergriffig werden. Und ich schreibe hier mit Absicht „Menschen“, denn es werden ja nicht nur Männer übergriffig. Nicht nur Frauen werden Opfer sexueller Gewalt. Auch wenn sie in der Überzahl sind.

Die MeToo-Debatte muss weitergeführt werden

Die Fortführung der MeToo-Debatte ist äußerst wichtig, damit unsere Kinder, aber auch jüngere KollegInnen vor sexuellen Übergriffen zukünftig geschützt werden. Das, was mir passiert ist, ist vergleichsweise harmlos. Ich konnte es sehr gut verarbeiten. Es geht hier aber auch nicht um große oder kleine Vorfälle. Es geht hier darum, dass ein für alle Mal allen klar ist, dass jeder seine Griffel bei sich zu behalten hat – so lange es nicht im gegenseitigem Einverständnis passiert. Ich bin mir darüber bewusst, dass es auf diesem Weg viele Unsicherheiten geben wird – auch bei all denjenigen, die nichts damit zu tun – Männer und Frauen. Und so träume ich jetzt schon von einer Zeit, in der ein Kollege eine Kollegin wieder einfach in den Arm nehmen kann, wenn sie Trost bedarf – ohne verunsichert zu sein, ob man ihm das falsch auslegen könnte.

MeToo am internationalen Frauentag

Heute ist internationaler Frauentag. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Es geht um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Er fand erstmals am 19. März 1911 statt. Heute können wir diesen Tag nutzen, um Kampagnen wie  „laut+stark“ der Presse vorzustellen. Und dann haben wir 364 Tage im Jahr, um für unsere Rechte zu kämpfen. Damit sollten wir nicht aufhören, bis der/die letzte begriffen hat, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind.

Das hilft ganz schnell bei Erschöpfung

Diese Woche erzählte eine Kollegin, ihr Fitnesstracker spüre sogar, wann sie Stress hätte und würde sie dann auffordern, zu atmen. Ich kann gar nicht sagen, wie bescheuert ich sowas finde, denn viele von uns haben sowieso keinen Zugang mehr zu ihren Gefühlen und zu ihrem Körper, können gar nicht mehr spüren, wie es ihnen geht und was sie gerade brauchen und ein solches Gadget vergrößert die Distanz zu sich noch mehr. So spüren wir auch selten, wenn unser Körper mal eine Pause bräuchte bzw. wenn wir es spüren, setzen wir uns oft darüber hinweg. Deswegen heute in den Freutagsgedanken eine kleine Übung für zwei kleine, schöne, fleißige Teile unseres Körpers, die echte Hochleistungssportler sind.

Vor sich hinstarren hilft auch schon bei Erschöpfung

Den ganzen Tag werden wir berieselt, man könnte auch sagen bombardiert mit Sinneseindrücken. Und 80 Prozent aller Sinneseindrücke und Informationen nehmen unsere Augen auf. Sie sind echte Hochleistungssportler. Sie sind die Fenster zur Welt. Ihnen wird auch immer mehr abverlangt. Was glaubst Du, wie viele Minuten Pause hast Du in dieser Woche Deinen Augen gegönnt? Wann bist Du das letzte Mal irgendwo gesessen oder gestanden und hast nur vor Dich hin gestarrt? Früher haben wir wenigstens im Bus mal die Augen geschlossen, doch heute gibt es für die Augen keine Sekunde Pause während des Tages, denn selbst wenn es mal eigentlich gar nichts zum Gucken gibt, wird aufs Handy geschaut und die Augen müssen weitere tausende (und meist unnütze) Informationen aufnehmen.

Augenpausen helfen ganz schnell bei Erschöpfung

Deswegen möchte ich Dich heute auffordern: gönne Deine Augen ab und an mal eine Pause. Damit gönnst Du Deinem ganzen Organismus eine Auszeit. Gerade wenn Du viel zu tun hast und gestresst bist, entspannen Dich kleine Augen-Pausen ganz schnell. Und das Beste: Du kannst diese kleine Augenpause jederzeit (fast) überall machen:

Setze dich dazu aufrecht am Rand deines Bürostuhls (oder irgendeines Stuhls) hin.

1.         Atme ruhig in deinen Bauch.

2.         Reibe deine Handflächen fest aneinander.

3.         Schließe nun die Augen und halte die warmen Handflächen schützend über deine Augenlider.

4.         Wiederhole das Reiben und Auflegen mehrfach hintereinander.

Gönne Dir diese kleine Augenpause mehrfach täglich.

Energie statt Erschöpfung

Diese Übung ist besonders gut für alle, die täglich viele Stunden am Computer sitzen. Aber auch alle anderen sperren mit dieser kleinen Übung für einen Moment die Außenwelt aus und kommst zur Ruhe. Ab und zu mal die Augen schließen und ganz bewusst in den Bauch atmen – egal ob Du im Aufzug bist, im Bus sitzt oder im Supermarkt in der Schlange stehst – und nicht jede Sekunde „Langeweile“ mit dem Blick aufs Handy töten, bringt Dir Energie, die Du für den Alltag garantiert gut gebrauchen kannst.

Weißt Du eigentlich, wie wichtig es ist, dass Du Dir selbst regelmäßig etwas Gutes tust und sei es nur eine kleine Augenpause? Hier ein Impuls, wie Du Dir selbst eine gute Fee werden kannst:

Foto: pixabay/mary1826