Das Geheimnis einer glücklichen, langen Beziehung

Das Geheimnis einer glücklichen, langen Beziehung

Ich kam diese Woche gerade vom Zahnarzt nach Hause, als mein Mann die Einkäufe für den Feiertag vom Auto ins Haus schleppte. Er war damit so beschäftigt, dass er mir null Beachtung schenkte. Deswegen sagte ich: „Ich brenne mit meinem Zahnarzt durch.“ Er: „Was ist mit dem Zahnarzt?“ Ich: „Ich brenne mit ihm durch.“ Er: „Aha, wie kommt’s?“ Ich: „Es ist ein neuer Zahnarzt. Er ist sehr jung, sehr gut aussehend und sehr nett.“ Er: „Ach so.“ Mehr Aufmerksamkeit war in diesem Moment nicht von ihm zu bekommen. Vielleicht wäre irgendein anderer Mann eifersüchtig geworden. Meiner nicht. Für mich war dieses kleine Geplänkel der Auslöser, darüber nachzudenken, was es braucht, um eine glückliche Beziehung über lange Jahre führen zu können.

Ist eine glückliche Beziehung vor allem Glückssache?

Mein Mann und ich sind seit 29 Jahren zusammen. Wir hatten unendlich viele gute Zeiten, aber auch einige ganz tiefe Täler. Aber wir haben bis heute immer unsere Liebe wiederfinden können. Nur Glück? Ich glaube nicht. Ich glaube, wie hatten neben Glück beide das Einsehen, dass wir nicht den jeweils anderen ändern müssen, sondern vor allem an uns selbst arbeiten sollten – jeder für sich und wir zusammen.

Um mich herum sind gerade viele Menschen Ende 40/ Anfang, Mitte 50 und es trennen sich Paare, von denen ich mir tausend Prozent sicher war, dass sie bis zum Ende ihrer Tage zusammen bleiben. Es gibt ganz unterschiedliche Gründe dafür, aber einer der Hauptgründe ist immer wieder, schlechte und mangelnde Kommunikation.

So wird es nichts mit der glücklichen Beziehung

Zu Beginn meiner Beziehung zu meinem Mann ging es mir bei Streits darum, ihn so zu verletzten, wie er mich verletzt hatte. Das konnte ich erreichen, indem ich auf unnahbar schaltete, nicht mehr mit ihm redete und ihn eiskalt abblitzen ließ. So ging ich nach einem Streit auch ins Bett. Dummerweise litt ich die ganze Nacht fürchterlich und machte kein Auge zu. Damit verletzte ich mich selbst zusätzlich.

Und natürlich immer dieselben Anklagen: „Du tust NIE….“ oder „Du machst IMMER…“ Irgendwann wollte ich diese Art von Streits, die einfach nichts nachhaltig verändern, nicht mehr. Und ich durchbrach mein Streitmuster, indem ich aufhörte, ihn zurück verletzten zu wollen. Denn mein Mann verletzte mich ja nicht mit Absicht, aber ich tat es dann im Gegenzug. Und wir vereinbarten, dass wir nicht mehr im Bösen ins Bett gehen. Sondern dass wir den Streit beilegen, bevor das Licht ausgeht. Das waren schon ganz gute Maßnahmen.

Das sind die Geheimnisse einer glücklichen Beziehung

In den vergangenen Jahren haben wir unsere Streitkultur weiter verbessern können. Durch viele kleine Schritte:

1. Ich kehre nicht mehr wochenlang Ärger und Frust unter den Teppich, bis dann ein blödes Wort reicht, damit ich explodiere. In meinen Augen explodierte ich zu Recht, denn das Fass war voll und über gelaufen. Nur leider wusste mein Mann gar nichts von dem immer voller werdenden Fass und reagierte Angesichts meiner Ausbrüche entsprechend konsterniert. Heute spreche ich Dinge, die mich stören, rechtzeitig an. Und das geht dann auch ganz ruhig – ohne Explosion.

2. Ich versuchte immer mal wieder, auch seine Sicht der Dinge zu sehen. Ich frage mich bei Streitigkeiten, warum er nicht meiner Meinung ist und versuche, seine Meinung nachzuvollziehen und nicht grundsätzlich doof zu finden.

3. Ich versuche mich ihm zu erklären. Ihm ruhig (also in meinen Augen „ruhig“, für meinen Mann ist es vermutlich bestenfalls „sehr engagiert“) klar zu machen, warum ich etwas gut oder schlecht finde. Oder warum ich mich verletzt fühle. Oder warum ich mich über ihn ärgere. Das führt oft zu einer Einsicht seinerseits. Aber genauso oft erkenne ich, dass mein Mann einfach nur einen wunden Punkt bei mir getroffen hat, mit dem er eigentlich nichts zu tun hat.

Eine glückliche Beziehung durch Gewaltfreie Kommunikation

Doch am meisten hat unsere Beziehung gewonnen, als ich angefangen habe, in einem Streit nicht mehr gewinnen zu wollen, sondern mich um Lösungen bemühe. Ganz im Sinne der „Gewaltfreien Kommunikation“ von Marshall Rosenberg. In seinem Modell geht es darum, einander wirklich zuzuhören und sich aufrichtig mitzuteilen. Die Gewaltfeie Kommunikation – kurz GFK – wird auch die Sprache des Herzens genannt.

Bist Du Giraffe oder Wolf? Das ist wichtig für eine glückliche Beziehung

Rosenberg sieht es als einen Prozess, der zunächst dafür sensibilisiert, was Worte ausrichten können. Im Guten wie im Bösen. Ein Satz kann Beziehungen zerstören. Ein Satz kann aber auch Abgründe überwinden. Als Symbole für diese unterschiedlichen Arten der Kommunikation hat Marshall Rosenberg die Giraffe und den Wolf eingeführt. Die Giraffe symbolisiert ein mitfühlendes, freundliches, aber auch kraftvolles und ehrliches Verhalten, das in Verbindung mit dem Gegenüber ist. Der Wolf steht für ein aggressives, gewaltvolles Agieren, das Menschen eher trennt als verbindet. Wenn du wertschätzend kommunizieren möchtest, sprichst du über deine Beobachtungen, berichtest von deinen Gefühlen, deinen Bedürfnissen und äußerst Bitten. Ein Wolf hingegen bewertet und kritisiert, (ver)urteilt, interpretiert und fordert.

Dem anderen zuhören und sich selbst ehrlich mitteilen

Wenn du in Konflikten deine Worte achtsam und bewusst wählst, wenn es dir nicht darum geht, den anderen zu verletzen, bist du auf dem besten Weg, wertschätzend zu kommunizieren. Diese Art der Kommunikation ist natürlich nicht nur für Konfliktsituationen reserviert. Dem anderen aufrichtig zuzuhören und sich selbst ehrlich mitzuteilen, ist grundsätzlich eine gute Basis für jedes Gespräch.

Bei meinem Mann und mir führt diese neue Art „zu streiten“ dazu, dass wir uns nach Auseinandersetzungen immer noch verbundener fühlen. Weil wir gemeinsam auf gute Weise ein Problem gelöst haben. Und damit hat ein Streit dann endlich auch einmal etwas Gutes.

Weitere Impulse für eine gute Beziehung findest Du hier:

Und wenn Du Dich für die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg interessierst: Es gibt in vielen Städten Kurse, in denen Du den Prozess lernen kannst. Hier gibt es weiterführende Informationen:

https://www.fachverband-gfk.org/  und hier:

 

Bild: Pixabay/Anita_Morgan

2 Kommentare
  1. Bernhard Simon sagte:

    Liebe Patricia, ich lebe bereits seit mehr als 40 Jahren mit meiner Ehefrau zusammen. Auch bei uns gab es extreme Höhen und Tiefen während dieser vielen Ehejahre.
    Mein Motto ist:
    Unser aller Lebenszeit ist viel zu kurz, um sich mit Streitereien jeglicher Art das ohnehin nicht immer leichte tägliche Leben weiter zu erschweren. In jungen Jahren geht es wirklich oft um Rechthaberei, aber wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, sollte man öfter mal darüber nachdenken, ob sich ein Streit wirklich lohnt. Ich bin jedenfalls zu der Erkenntnis gekommen, dass viele Auseinandersetzungen absolut überflüssig sind. Sei es ein Streit mit dem Nachbarn wegen irgendwelcher Lappalien oder weil sich beim Bäcker ein Kunde vor gedrängelt hat. Auch hierbei geht es wie auch im Eheleben oft ausschließlich um Rechthaberei. Für mich ist das pure Lebenszeitverschwendung. Es lohnt sich, darüber einmal intensiv nachzudenken.
    Herzliche Grüße
    B.Simon

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    • Patricia Küll sagte:

      Lieber Bernhard,

      ich würde nicht grundsätzlich jedem Streit aus dem Wege gehen, dafür sind mir manche Dinge dann doch zu wichtig. Aber streiten im Sinne von “Lösungen suchen”. Rechthaberei kostet zu viel Energie – da hast Du völlig Recht.
      Herzliche Grüße
      Patricia

      Antworten

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