Das gute Glück – wie geht das eigentlich?

Vor einigen Jahren hatte ich einen Mann kennengelernt, der mich zutiefst beeindruckte. Dabei war dieser Mann gar nicht besonders attraktiv, groß, jung oder reich. Und dennoch hinterließ er einen bleibenden Eindruck bei mir. Warum? Weil er vor mir saß und einen Satz sagte, den so zuvor noch nie jemand zu mir gesagt hatte: „Ich bin ein rundherum glücklicher Mensch.“ Das war der Moment, in dem ich anfing, herauszufinden, was man für ein rundherum glückliches Leben braucht. Seitdem treffe ich immer mal wieder Menschen, die den gleichen Weg gehen. Und so freute ich mich sehr, als ich vor einigen Jahren eine der führenden Glücksforscherinnen in Deutschland kennenlernen durfte: Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry. Sie unterrichtet und forscht an der Universität Trier. Gerade eben hat sie ein neues Buch veröffentlicht – ihr bisher persönlichstes. Ein Buch, das ich jedem empfehlen möchte, der auf der Suche nach einem gelingenden Leben ist. Das Buch ist für mich ein guter Aufhänger, um Michaela Brohm-Badry nach ihrer Glücksformel zu fragen. Ihre Antworten heute in den Freutagsgedanken.

Als Glücksforscherin kennen Sie die Basis für ein gelingendes Leben. Was sind denn die wichtigsten Bausteine für ein glückliches Leben?

Michaela Brohm-Badry: 

Wir können das aus wissenschaftlicher Sicht recht genau sagen, denn wir kennen die „glücklichen Fünf“ für das Leben genau: Es sind

  • positive Gefühle, also zum Beispiel auf das Gute hoffen, dankbar, neugierig und freundlich sein, liebevoll leben
  • engagiert und motiviert für etwas sein
  • gute, tiefe, vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und halten
  • einen Sinn finden im Leben und
  • so handeln, dass wir das Gefühl haben, wirksam, also erfolgreich zu sein. Das bedeutet oft, die Dinge wirklich zu Ende zu bringen und nicht mittendrin aufzugeben

Das Allerwichtigste um glücklich zu sein, ist jedoch wohl die Perspektive, die wir auf unser Leben wählen. Die Welt ist nicht so oder so, unsere Perspektive auf die Welt macht sie so oder so. Negative Menschen fokussieren sich auf das, was sie in ihrem Leben ablehnen. Frohe Menschen auf das, was sie an ihrem Leben lieben. Und die Freiheit, diese Perspektive selbst wählen zu können, ist eine innere Freiheit, die unabhängig vom Lebenskontext existiert.

Kann denn tatsächlich jeder Mensch aus eigener Kraft für ein glückliches Leben sorgen?

Rund die Hälfte unseres Glücksempfindens scheint genetisch bedingt zu sein. Also zum Beispiel spielt eine große Rolle, wie viele Rezeptoren wir an den Synapsen haben, um die günstigen Neurotransmitter („Glückshormone“) im Gehirn zu verarbeiten – wie und wie stark also zum Beispiel Dopamin und Serotonin aufgenommen und weitergegeben werden. Weitere 40 % des Glücks hängen von unserem eigenen Verhalten ab und die übrigen 10 % von unserer Umwelt. Und unser Verhalten und unsere Umwelt können wir ja oft selbst beeinflussen. Glück hängt also zu einem starken Anteil von uns selbst ab.

Ihr neues Buch heißt “Das gute Glück” – was ist gutes Glück und gibt es auch schlechtes Glück?

Mit „schlechtem Glück“ meine ich, dass wir biochemisch oder durch unsere Persönlichkeit immer wieder dazu getrieben werden, mehr zu schaffen. Das kann in zerstörerischem Disstress (negativem Stress), Burnout und Depression enden. Das „gute Glück“ ist ein viel ruhigeres, beständigeres. Es wird durch die volle Entfaltung der eigenen Talente und Fähigkeiten erfahren. Ein stimmiges in sich Ruhen, sozusagen.

Ich bin der Meinung, Glück ist nichts, was uns allzeit umgeben kann. Glück gibt es nur Hand in Hand mit Unglück – als zwei Seiten ein- und derselben Medaille.

Wie sehen Sie das?

Viele von uns haben ja im Leben schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Wenn man mal ein tiefes Leid erfahren hat, wie eine unerwartete Trennung des geliebten Menschen, den Tod des Partners oder der Eltern, Gewalt, eine schwere Krankheit oder andere Ängste, dann, so sagt die Traumaforschung, dass viele Menschen hinterher berichten, sie würden das Glück in ihrem Leben stärker wahrnehmen und als Person empfinden sie oft Wachstumsschübe. Das bedeutet aber nicht, dass wir Leid erfahren müssen, um glücklich zu sein. Aber die Chance auf Glück ist oft auch nach einer schmerzhaften Erfahrung durchaus da. Und bei sehr schmerzhaften Erfahrungen können wir uns professionelle Hilfe holen. Wie auch immer: Wir können begründet hoffen, dass es uns besser gehen wird. Das zu wissen, ermutigt uns in dunklen Zeiten.

Das pure Glück fühlt sich sehr leicht an – wie leicht oder schwer ist es, ein glückliches Leben zu führen?

Wir müssen nicht immer glücklich sein. Angst, Trauer, Ekel und Wut – also negative Gefühle – sind genauso wichtig und gehören genauso zu unserem Leben wie die positiven. Nur übertreiben wir es manchmal damit, denn wir haben eine natürliche negative Verzerrung in der Wahrnehmung, die uns in der Menschheitsentwicklung oft geschützt hat. Wenn wir uns diese negative Verzerrung klar machen, fällt es leichter, eine aufbauende Perspektive dagegen zu setzen. An jedem halbleeren Glas findet sich etwas Gutes.

Als Glücksforscherin müsste man die meiste Zeit des Tages glücklich sein – wie sehr ringen Sie jeden Tag um ein glückliches Leben?

Ich nehme es oft, wie es kommt, nur sind die Themen, mit denen ich mich beschäftige, hochgradig ansteckend. Wer viel über Freude, menschliche Wärme, Lernen, Motivation und Wohlbefinden liest, hat kaum eine Chance, schlecht drauf zu sein.

Und was macht Sie glücklich?

Schreiben, Cello spielen, forschen, hoffen, Bach, Leidenschaft, Kanada, lernen, Musik, wachsen, Vorträge halten, neue Gedanken, Motivation, Huskys, lieben und noch viel mehr.

Wenn ich Sie um einen einzigen Tipp für ein gelingendes Leben bitte – welcher wäre das?

Dann würde ich Ihnen raten: Lesen Sie mein neues Buch 😉

Weitere Impulse für ein gelingendes Leben findest Du hier:

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