Die beste To-Do-Liste der Welt

To-Do-Listen sind meistens etwas furchtbar Nerviges. All die Dinge, die man tun MUSS. Schreibtisch aufräumen, Bluse nähen, Kündigung für das Abo schreiben. Spaß macht das meistens nicht. Ich habe eine To-Do-Liste, die genau das Gegenteil von diesen spaßbefreiten Listen ist. Es ist eine Liste, die Dir Zufriedenheit und Lebensfreude bringt. Diese Liste habe ich als Postkarte für mein Buch „NOW! Am liebsten geht es mir gut“ anfertigen lassen und verteile sie bei meinen Lesungen. Letzte Woche hat eine liebe Bekannte diese Karte bei Facebook gepostet und das hat mich auf die Idee gebracht, diese Liste und die Gedanken, die sich dahinter verbergen, mit allen zu teilen, die die Freutagsgedanken lesen.

Der erste Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet:

Auf meinen Bauch hören.

Mein Coach-Ausbilder, der Psychologe Dr. Klaus Biedermann sagte einmal während der Ausbildung „Der Kopf ist ein guter Ratgeber, wenn es darum geht, Rechnungen zu bezahlen. Ansonsten hört Ihr besser auf Euren Bauch.“ Zu diesem Zeitpunkt war ich noch skeptisch, denn ich habe lange Kopfentscheidungen getroffen. Dabei ist der Bauch der bessere Ratgeber in so vielen Fällen. Wenn ich schon früher auf meinen Bauch gehört hätte, wäre mir so manches erspart geblieben und ich hätte tatsächlich auch einiges gespart. In den Minuten, in denen ich den Vertrag für den Kauf der T-Aktien unterschrieben hatte, schrie mein Bauch ganz laut: „Lass es“. Aber mein Kopf schrie noch lauter dagegen: „Ich kann doch jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Wie soll ich das der netten Frau von der Bank erklären? Außerdem haben ALLE gesagt, dass das ein totsicheres Geschäft ist. Also halte jetzt die Klappe“. Und mein Bauch schwieg. Wie es ausging, wissen Sie. Vielleicht haben Sie mit den T-Aktien auch Geld verloren. Der Bauch ist aber vor allem der richtige Ratgeber, wenn es um wichtige Entscheidungen geht wie „Welchen Beruf soll ich erlernen“, „Wem soll ich vertrauen“ oder „Soll ich wirklich das Haus auf dem Land kaufen?“ Der Bauch weiß, was uns glücklich macht. Das Gehirn nicht. Das schaut nach dem, was es von den Eltern gelernt hat und schielt zudem danach, die Eitelkeit oder Gier zu befriedigen. Mein Kopf und mein Bauch haben viele Jahre Kämpfe ausgefochten. Weil mich mein Kopf ehrgeizig nach vorne trieb, während mein Bauch gern etwas bequemer stehen geblieben wäre. Seitdem ich gelernt habe, auf meinen Bauch zu hören und danach zu entscheiden, ob mich das glücklich macht oder nicht, bin ich deutlich ausgeglichener und zufriedener.

Dass der Bauch ein guter Ratgeber ist, muss mittlerweile sogar die Wissenschaft zugeben. In unserem Bauch sitzt ein sogenanntes zweites Gehirn, das quasi ein Abbild des Kopfhirns ist – Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sollen exakt gleich sein.  Man kann dort mehr als 100 Millionen Nervenzellen finden. Das sind mehr Neuronen als im gesamten Rückenmark zu finden sind. So sind psychische Prozesse und das Verdauungssystem miteinander gekoppelt. Das heißt, das Bauchhirn spielt eine große Rolle, wenn es um Gefühle wie Freude, Trauer oder Wut geht. Leider haben viele von uns verlernt, auf den Bauch zu hören. Sodass der immer leiser und leiser wurde. Man kann das Bauchgefühl aber mit ein bisschen Übung und Achtsamkeit wieder lauter werden lassen. Trainiere es, indem Du abends den Tag noch einmal durchgehst und nachfühlst, an welcher Stelle Dein Bauch sich gemeldet hat, aber noch zu leise war. Je mehr Du Dir bewusst wirst, dass sich Dein Bauchgefühl gemeldet hast, desto eher kannst Du es hören und beachten – bis es laut genug geworden ist.

Der zweite Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Meine Erfolge feiern

Diesen Punkt habe ich von der Designerin des Jahres 2017 Anja Gockel übernommen. Sie erzählte mir mal, dass sie sich früher bei ihren Modeschauen immer furchtbar verrückt gemacht habe. Viele Monate habe sie auf diesen Moment der Schauen hingearbeitet und dann konnte sie keine Sekunde genießen, weil sie sich total verrückt gemacht habe. Im Laufe der Jahre habe sie das verändert. Heute tanzt sie hinter den Kulissen und feiert ihre Erfolge. Eine tolle Einstellung, die ich aber erst durch Anja Gockel gelernt habe. Früher kam bei mir das Feiern der Erfolge viel zu kurz. Am Tag meiner letzten mündlichen Prüfung meines Studiums hatte ich direkt im Anschluss mein Casting beim Südwestrundfunk. Ich eilte also aus dem Unigebäude, fuhr in Windeseile von Frankfurt nach Mainz, und da es damals weder Navi noch Handy gab, verfuhr ich mich total. Ich kam über eine Stunde zu spät an, doch man hatte auf mich gewartet. So wurde ich in einen mir völlig unbekannten Fernsehbetrieb geschubst und ich gab alles. Am Ende des Tages hatte ich mein Studium mit „cum laude“ beendet und den Job beim SWR. Und was machte ich? Nichts. Ich habe nicht mal eine Flasche Sekt geöffnet. Das würde mir heute nicht mehr passieren. Heute feiere ich meine Erfolge. Die kleinen und die großen. Letztens habe ich bei einem sehr langen Telefonat nebenbei die gesamte Nähwäsche meiner Familie gestopft und genäht. So etwas ist für mich durchaus ein Erfolg, den ich auch feiern kann. Mit einem Glas Sekt. Mit einem besonderen Essen. Oder mit einer kleinen Auszeit, die ich mir dann gönne.

Der dritte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Öfter man Nein sagen

Damit haben viele Menschen Probleme. Ich auch. Wie oft denke ich „nein“ und dann mache ich den Mund auf und heraus fällt ein „ja“. Hier helfen mir ein paar kleine Tricks. Zum Beispiel verschaffe ich mir bei Anfragen, ob ich eine bestimmte Aufgabe übernehmen könne, immer einen Aufschub, indem ich behaupte, dass der Termin schon für etwas anderes reserviert sei, ich aber nachfragen werde, ob es tatsächlich dabei bleibe. Das verschafft mir die Zeit, nachzudenken, ob ich diese Aufgabe wirklich übernehmen möchte. Bei einer Absage halte ich mich an den Tipp meines sehr geschätzten Redner-Kollegen René Borbonus. Der meint: Begründe niemals ein nein, denn sonst geht es nur noch um die Begründung und nicht um das nein. Wenn jemand etwas von Dir will und Du willst nicht, dann sage 1. Freundlich, aber bestimmt ab. 2. Bedauern kannst Du es. 3. Nenne eine gute Alternative. Wenn Dich also jemand fragt, ob Du ihn nach der Arbeit mitnehmen kannst, weil sein Zuhause ja fast auf Deinem Weg liegt, Du es aber eilig hast und ihn nicht mitnehmen willst, dann schlage freundlich ab, gerne mit einem Bedauern und rate ihm dann, sich an Kollegen XY zu wenden. Der hat nämlich exakt den gleichen Weg. Ich will hier nicht grundsätzlich raten, niemanden mehr einen Gefallen zu tun. Aber wenn der Gefallen oder die Aufgabe nur gut für den anderen ist und man selbst dadurch vor allem belastet wird, darf man ohne schlechtes Gewissen laut und deutlich auch mal „nein“ sagen.

Der vierte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Gut auf mich achten

Das heißt, nicht immer alle eigenen Bedürfnisse ganz hinten anstellen. Bei vielen Menschen sind die Bedürfnisse des Partners, der Kinder, der Kollegen, der Kunden immer wichtiger als die eigenen. Das macht auf Dauer aber unglücklich und kann sogar krank machen. Gut auf sich achten, bedeutet, dass man seine eigenen Bedürfnisse kennt und sich diese auch regelmäßig erfüllt. Bei mir gab es Zeiten, in denen ich so viel beim SWR zu tun hatte, dass ich mir neben der Arbeit keinerlei Freiräume zugestand. Wenn ich abends aus der Sendung kam, hatte ich ab und an das Gefühl, mal eben noch auf die Schnelle ein Glas Wein am Rhein trinken zu wollen. Aber mein schlechtes Gewissen war dagegen. Es flüsterte mir ein, dass ich all die Zeit, die ich nicht für den SWR benötigte, gefälligst für meine Familie da sein müsse. Und so arbeitete ich und war für meine Familie da. Meine eigenen Bedürfnisse hielt ich für nicht wichtig genug. Am Ende war ich nicht nur unzufrieden, sondern wurde durch massive Schlaflosigkeit auch krank. Gut auf sich zu achten, bedeutet aber auch, auf ausreichend, guten Schlaf, auf gute, gesunde Ernährung und auf Bewegung zu achten. Mit diesen vier Punkten halten wir unsere Seele im Gleichgewicht.

Der fünfte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Spaß haben

Wie oft haben wir keinen Spaß, weil wir uns Sorgen machen müssen. Glauben wir. Es gibt ein schönes Zitat aus dem Film „Kingsman: The Golden Circle“. Da fragt der eine den anderen: „Machen Sie sich Sorgen?“ Und der antwortet: „Würde das was nutzen?“ Eine super Antwort, denn in der Tat nutzt es meistens gar nichts, wenn wir uns Sorgen machen. Denn von all dem, worüber wir uns Sorgen machen, tritt nur ein kleiner Prozentsatz wirklich ein. Wenn wir uns weniger Sorgen machen, haben wir mehr Platz für Spaß. Wenn ich also nicht über etwas grübel und mir vorstelle, was alles passieren könnte, sondern mit allen Sinnen im Hier und Jetzt bin, dann kommt die Freude oft von alleine. Und damit komme ich direkt zum nächsten Punkt auf meiner To-Do-Liste:

Der sechste Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Achtsam im Alltag sein

Wie oft laufen wir durch den Tag und bekommen gar nicht wirklich mit, was um uns herum passiert. Weil wir mit den Gedanken ganz woanders sind. Immer läuft eine Nebenfestplatte, die Dinge denkt, die mit dem Moment überhaupt nichts zu tun haben. Wenn wir es schaffen, achtsam durchs Leben zu gehen, wenn wir riechen, was in der Luft liegt, wenn wir die Farbe des Himmels sehen und die Blümchen am Straßenrand bemerken, wenn wir auf das achten, was um uns herumgeht und was in uns selbst abgeht, dann haben wir einen riesigen Schritt für ganz viel Lebensfreude getan.

Der siebte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Das Positive suchen

Gemeinsames Klagen scheint uns alle irgendwie sehr stark zu verbinden. Wenn man fünf Menschen, die sich nicht kennen, in einen Raum sperrt, worüber reden die? Meist erst über das miese Wetter. Dann über die unfähigen Politiker. Und ab einem gewissen Alter auch gern über Krankheiten. Selten sprechen die Menschen gleich darüber, was eigentlich gut läuft. Als ob man sich dafür schämen müsste, wenn man nichts zu beklagen hat. Ich kann das Jammern ehrlich gesagt nicht mehr hören. Denn ganz oft jammern wir auf sehr hohem Niveau. Das bedeutet nicht, dass ich kein Ohr für echte Beschwerden habe. Im Gegenteil. Wir alle haben unsere Päckchen zu tragen. Kleine und große. Und es tut so gut, wenn jemand empathisch zuhört und nicht gleich mit Patentrezepten daher kommt. Aber oft geht es nicht um echte Probleme, sondern nur darum, etwas schlecht zu finden. Das fällt uns offensichtlich leichter als etwas gut zu finden. Aber das „schlecht finden“ und das „schlecht reden“ hat Auswirkungen auf unsere Psyche.

Probiere einmal folgendes kleines Experiment aus: Wenn Du morgen Menschen triffst und die Dich fragen, wie es Dir geht, dann antworte sehr verzweifelt „Schlecht. Es geht mir sehr schlecht“. Was glaubst Du, wie es Dir abends geht, wenn Du das tagsüber einige Male entsprechend überzeugend gesagt hast? Am Tag drauf sagst Du auf die Frage, wie es Dir geht, genau das Gegenteil. Nämlich, dass es Dir super geht. Und Du wirst sehen, dass es Dir im Laufe des Tages tatsächlich besser geht. Unsere Gedanken haben Auswirkungen auf unsere Worte und die haben Auswirkungen auf unsere Taten. Dabei geht es mir nicht darum, sich alles schön zu reden. Aber oft sehen wir das viele Positive nicht, weil wir so sehr auf das Negative fixiert sind. Seinen Blick auf das Positive kann man trainieren. Weil es gut tut. Und deswegen steht es auch auf der schönsten To-Do-Liste der Welt.

Der achte und letzte Punkt auf meiner To-Do-Liste lautet: Mich selbst lieb haben

Damit haben viele Menschen Probleme und das ist so schade. Denn wie kann man jemanden anderen aufrichtig lieb haben, wenn man es bei sich selbst nicht hinbekommt? Schon in der Bibel steht: „Liebe den anderen wie Dich selbst“. Das heißt, ich muss erst mich lieben, damit ich andere genauso lieben kann. Leider haben das viele nicht gelernt. Wenn man sich selbst lieb hat, geschieht Punkt vier auf meiner To-Do-Liste „gut auf mich achten“ übrigens ganz von selbst. Doch wenn man sich selbst nicht lieb hat, dann achtet man natürlich nicht darauf, dass es einem gut geht. Dann geht man beständig über seine Grenzen – solange es die Gesundheit mitmacht. Menschen, die sich selbst nicht lieb haben, überfordern sich häufig. Eigentlich kein Wunder, dass es über kurz oder lang zu psychischen und physischen Problemen kommt.

Es gibt viele Möglichkeiten, zu lernen, sich selbst lieb zu haben. Meine Lieblingsübung ist: Wenn ich mich nach dem Duschen eincreme, dann mache ich das ganz bewusst und sage dabei jedem Körperteil, wie toll es ist und welche fantastischen Leistungen es jeden Tag erbringt. Meistens cremen wir uns unbewusst nebenbei ein und wenn wir es doch mal bewusst machen, dann denken wir eher Sätze wie „Dieser Bauch/ Beine/Po sind so schwabbelig. Eklig“. Denke so etwas nicht mehr, sondern sei stolz auf Deinen Körper. Selbst wenn er keine Modelmaße besitzt. Er leistet dennoch jeden Tag Unglaubliches. Seinen Körper und sich selbst zu lieben, sehen manche als lächerlich an. Vermutlich diese Eincreme-Übung auch. Das kann jeder halten, wie er will. Aber dann darf man auch nicht erwarten, dass man von anderen geliebt wird und Wertschätzung erhält. Denn wenn ich es mir nicht mal selber geben kann, wieso sollten dann andere in der Lage sein, es mir zu geben?

Du findest vielleicht nicht alle Punkte auf dieser To-Do-Liste so toll, als dass Du sie jeden Tag tun wolltest. Dann ersetze sie gegen Deine persönlichen Dinge, die Dich glücklich machen. Es wäre klasse, wenn Du an einigen jeden Tag ein Häckchen setzen könntest. Denn mit dieses To-Does tust Du etwas für den wichtigsten Menschen in Deinem leben: für DICH!

Weitere Anregungen zu diesen Themen findest Du in meinen Büchern „NOW! Am liebsten geht es mir gut“, das Du für EUR 17,90 (Porto übernehme ich) und „Ab heute singe ich unter der Dusche“ (EUR 24,90 bzw als Hörbuch) auch direkt bei mir bestellen kannst. Dann schicke ich Dir die To-Do-Liste als Postkarte gleich mit.

Hier noch ein Tipp, wie Du Dich ohne viel Aufwand lecker und gesund ernähren kannst:

 

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