DIY

DIY – genau das richtige Maß

„Warum machst du das eigentlich noch selbst?“ Diese Frage stellte mir unlängst eine Freundin. Und in diesem Moment war mir klar: sie weiß nichts davon. Sie hat keine Ahnung und damit konnte sie mir fast ein wenig leid tun. Denn sie kennt es nicht: das süße Glück des Heimwerkers.

DIY: so macht schwitzen Spaß

Vor dieser Frage hatte ich ihr erzählt, dass ich den warmen April genutzt hatte, um ein ca 10 qm Stück Wiese in einen kleinen Klostergarten umzugestalten. Der Rasen war nie wirklich gut gewachsen. Es war zu schattig an der Stelle und regelmäßig gemäht wurde er auch nicht (was in der Familien-Arbeitsteilung nicht mein Job war). Auf jeden Fall war dieses kleine Stück Grün ausschließlich ein visuelles Ärgernis und völlig unnütz. Deswegen hatte ich schon im letzten Sommer beschlossen, dass er weg musste. Nur hatte ich im letzten Sommer keine Zeit und auch keine Ideen. Als dann aber auch noch der Rasenmäher das Zeitliche segnete, sah ich das als ein Zeichen, dass nun auch die letzten Quadratmeter Wiese aus unserem kleinen Garten weichen mussten. Der schöne Frühling war wie gemacht für meine Pläne. Nachdem ich einige Gartenzeitschriften und mich selbst ein paar Nächte grübelnd hin- und her gewälzt hatte, wusste ich, was ich wollte und legte los. Gut, dass ich vorher nicht so genau wusste, was da auf mich zukam. Denn so wenig, wie dieser Rasen vorher wachsen wollte, so wenig wollte er sich jetzt von mir trennen. Es war ein hartes Stück Arbeit, ihn Schicht für Schicht abzuschälen. Und auch das Loch für den Brunnen zu graben, war abenteuerlich, denn in den Gärten von Neubaugebieten wird der gesamte Bauschutt vergraben und das schon ab 20 cm Tiefe. Ich habe Kiloweise Steine aus diesem kleinen Stück Land ausgegraben. Dieses kleine Projekt hat mich echt Schweiß und Muskelkraft gekostet. Erst am Ende erfuhr ich bei einem Besuch im Baumarkt, dass ich den Rasen mit einer elektrischen Harke auch einfach hätte unterpflügen können. Das weiß ich jetzt fürs nächste Mal.

DIY oder lässt Du andere für Dich arbeiten?

Als ich diese Geschichte meiner Freundin erzählte, kam die eingangs erwähnte Frage. Ich konnte gar nicht adäquat antworten, denn man muss wohl einfach ein Heimwerker sein, um zu verstehen, warum einem Schweiß, Anstrengung und Dreck so unglaublich glücklich machen kann.

Egal, ob man im Garten werkelt, ein Beet anlegt oder ein Baumhaus baut, egal, ob man eine Wohnzimmerwand anstreicht oder einen Schal strickt, egal, ob man Postkarten bastelt oder eine Torte backt – am Ende hat man etwas in der Hand, das man anschauen, anfassen, bestaunen kann. Das habe ich selbst gemacht. Wow. Viele von uns arbeiten tagein, tagaus am Computer und haben am Ende eines langen Arbeitstags nichts, was sie sehen können. Da ist das Heimwerken ein toller Ausgleich. Es geht nicht darum, dass man Geld für einen Gärtner oder Maler sparen möchte (zumindest geht es nicht nur darum). Es geht um dieses sensationelle Gefühl, wenn etwas, was man mit eigenen Händen geschaffen hat, am Ende tatsächlich gut aussieht.

DIY kann aber auch ganz schön frustrieren

Zugegeben, es gibt auch die andere Seite. Der Frust des Heimwerkers, wenn man sich mal wieder vermessen und versägt hat. Wenn die Farbe, die man nach langer Überlegung ausgesucht hat, an der großen Fläche einfach scheußlich aussieht oder wenn der gestrickte Pulli trotz mehrfacher Anprobe viel zu groß ist. Aber wer dann an dieser Stelle aufgibt, ist halt nur ein Warmduscher-Heimwerker. Ein echter Heimwerker leckt nach einem misslungenen Projekt seine Wunden und startet neu durch. Denn das Gefühl, das man erlebt, wenn etwas gelingt, ist einmalig.

DIY macht soooo glücklich

Mein kleiner Garten sieht so schön jetzt aus – der Anblick macht mich jeden Tag glücklich. Und auch wenn ich ansonsten selten so richtig stolz auf mich bin: bei Heimwerker-Projekten, die gelungen sind, kann ich mir aus vollem Herzen lobend auf die Schulter klopfen. Und nicht nur das: egal, ob ich eine Terrasse baue, das Dach des Gartenhäuschens repariere oder einen kleinen Klostergarten anlege: während ich da rumwerkel, kann ich alle Sorgen vergessen. Weil ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren muss. Heimwerken macht also nicht nur durch eine gelungene Arbeit glücklich, sondern schon bereits während der Arbeit. Deswegen sollte es Heimwerker-Projekte eigentlich auf Krankenschein geben.

Vielleicht nutzt Du die Pfingsttage auch, um mal wieder ein Projekt anzufangen. Oder um es überhaupt einmal auszuprobieren. Du wirst sehen: die Chance, in den Flow zu kommen, und Raum und Zeit zu vergessen, ist groß.

Noch besser, als in Deutschland zu werkeln ist nur, in den USA zum Heimwerker zu werden. Denn dort sind die Baumärkte das Beste, was einem passieren kann. Dort werden mir meine kilo-schweren Einkäufe auch immer noch ins Auto verladen. Der reinste Luxus. Ich durfte in den letzten Jahren bei der Renovierung eines hundert Jahre alten Häusschens in Florida mithelfen. Und jedes Mal, wenn ich nach einem Jahr Renovierungspause das erste Mal einen Baumarkt betrat, hatte ich dieses Gefühl „ich bin zu Hause“. Und weil dieses Gefühl so wundervoll ist, habe ich mir zu meinem letzten Geburtstag auch kein Wellness-Wochenende gewünscht, sondern seinen Tischlerkurs. Dann werde ich mir mit Holz und Säge Lebensfreude schnitzen.


Was dich sonst noch glücklich machen kann – dazu findest Du Impulse in diesem Blog-Eintrag:

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.