Einsamkeit verkürzt das Leben

Eine meiner Lieblingsfreundinnen hat die letzten Jahre als Fernsehautorin gearbeitet. Sie macht tolle Filme und bekommt dafür sehr viel Lob. Dennoch hat sie sich jetzt einen anderen Job gesucht, der viel weniger Geld und Anerkennung mit sich bringt. Warum sie diesen Schritt gegangen ist? Weil sie als Autorin sehr viel allein arbeitet bzw. tageweise mit ständig wechselnden Teams zu tun hat. Sie aber wollte endlich wieder einen regelmäßigen Kontakt zu Kollegen, sie wollte nicht mehr länger den ganzen Tag allein am Schreibtisch sitzen, sie wollte ihre Mittagspause mit anderen verbringen.  Sie fühlte das, was Psychotherapeuten längst wissen: Einsamkeit macht krank. Sie verkürzt sogar das Leben. Doch leider sind immer mehr Menschen einsam. Über Einsamkeit und was man dagegen tun kann, geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Einsamkeit kennen Menschen jeden Alters

Immer mehr Menschen in Deutschland leben allein – die Zahl der Singles steigt – und damit nehmen auch Krankheiten zu. Denn Einsamkeit macht krank. Wer sozial schlecht eingebunden ist, kann Auswirkungen auf seine psychische und körperliche Gesundheit bemerken. Das Leben soll sich dadurch sogar verkürzen. Besonders betroffen sind natürlich ältere Menschen, aber auch Jugendliche berichten davon, dass sie sich manchmal einsam fühlten.

Helfen soziale Netzwerke gegen Einsamkeit?

Nun kann man Einsamkeit lange Zeit übertünchen. Weil man verdammt viel Zeit vor dem Fernseher tot schlagen kann. Aber auch die sozialen Netzwerke suggerieren einem, dass man ja durchaus Kontakt habe. Leider ersetzen Gespräche in den sozialen Netzwerken keine persönlichen Gespräche. Ein „in-den-Arm-nehmen“ oder „tröstendes-Hand-halten“ sind hier auch nicht möglich.

Was tun, um der Einsamkeit zu entkommen?

Was also tun, um der Einsamkeit zu entkommen bzw gar nicht erst einsam zu werden? Warten und Tee trinken ist hier die schlechteste Alternative. Denn Menschen zum quatschen, lachen und für gemeinsame Unternehmungen trifft man selten mal eben beim Bäcker. Das kann vorkommen, ist dann aber ein sehr großes Glück. Darauf sollte man nicht bauen. Wir müssen also mal wieder selbst aktiv werden. So wie es meine Freundin getan hat. Sie hat sich ganz bewusst einen neuen Job gesucht. Und das war wahrlich nicht leicht. Mit Anfang 50 in einer neuen Branche. Sie hat hunderte Absagen in den vergangenen Jahren bekommen. Oft mit der Begründung, sie sei überqualifiziert. Aber sie hat nicht aufgegeben, bis sie endlich eine Stelle bekommen hat.

Keiner muss Einsamkeit so hinnehmen

Keiner muss Einsamkeit so hinnehmen, jeder kann etwas dafür tun. Man darf nur nicht erwarten, dass die Einsamkeit von allein verfliegt, dass andere Menschen einen aus der Einsamkeit rausholen, dass andere auf einen zukommen. Die Initiative muss von einem selbst ausgehen. Ich bin seit ein paar Wochen Mitglied eines Fitnessstudios. Die Menschen, die dort mit mir vormittags trainieren, sind meistens im Rentenalter. Die kennen sich alle. Die quatschen alle miteinander. Zumindest während der Stunden, die sie dort verbringen, sind sie nicht einsam und tun gleichzeitig noch etwas für ihre körperliche Gesundheit. Neben der Mitgliedschaft in einem Verein ist ehrenamtliche Arbeit ein sehr guter Garant gegen Einsamkeit. Hier findet man immer Gleichgesinnte und man tut sich und anderen etwas Gutes.

Überall um uns herum sind Menschen. Vermutlich sind auch viele in Deiner nächsten Umgebung einsam. Warum soll man die nicht einfach mal ansprechen? Sich auf einen Kaffee verabreden? Ja, das kann mächtig in die Hose gehen. Aber es kann auch gut werden.

Es ist wie so oft. Ein gelingendes Leben passiert nicht einfach so. Wir selbst müssen eine ganze Menge dafür tun. Es liegt in unserer Hand. Nicht immer. Aber oft.

Pläne gegen Einsamkeit im Alter

Ich selbst bin glücklicherweise nie einsam. Dennoch denke ich darüber nach, wie ich es verhindern kann, im Alter einsam zu werden. Was, wenn mein 11 Jahre älterer Mann deutlich vor mir gehen muss? Was, wenn unsere Kinder irgendwo in der Welt ein Zuhause finden und nicht einmal zu Weihnachten kommen können? Dafür habe ich bereits einen Plan. Zusammen mit zwei anderen Paaren, mit denen wir schon sehr lange befreundet sind, suchen wir ein Haus oder ein Grundstück in der Pfalz, in dem wir alle zusammen unser Alter verbringen wollen. Jeder in einer eigenen Wohnung, aber dennoch zusammen. Solche Pläne muss man langfristig angehen. Zehn Jahre Vorlauf sollte man schon haben. Denn um alle Ideen und Wünsche unter einen Hut zu bringen, braucht man Zeit.

Ein Rezept gegen Einsamkeit

Und Toleranz. An der mangelt es aber häufig. In Zeiten der Individualisierung geht es vielen nur noch darum, die eigenen Vorstellungen umzusetzen. Das ist in meinen Augen auch ein Grund, warum so viele einsam sind. Weil es immer nur nach den eigenen Vorstellungen gehen soll, weil man die anderen nicht so nehmen kann und will, wie sie sind, weil man sich nicht mehr anpassen möchte. Das gehört aber in einer Gesellschaft, die miteinander und nicht nur nebeneinander lebt, dazu. So wie man in einer Familie aufeinander Rücksicht nimmt und Nachsicht übt, so erleichtern Rücksicht und Nachsicht auch im Kollegenkreis oder mit den Nachbarn das Miteinander. In meiner Coachingausbildung habe ich eine wundervolle Grundeinstellung anderen Menschen gegenüber gelernt: Jeder gibt das Beste, das er hat. Davon gehe ich bei jedem Menschen, dem ich begegne, aus. Auch wenn es manchmal in meinen Augen nicht genug ist, so entspannt mich doch der Gedanke, dass der andere gerade nicht mehr geben kann.

Erich Kästner sagte einmal: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das gilt auch für Gutes, das wir uns selbst tun können. Wer nicht einsam sein möchte, muss aktiv werden. In einem Chor mitsingen. Sich Umweltaktivisten anschließen. Einen Lesekreis gründen. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten. Man muss sie nur nutzen.

Und hier noch einige Impulse für eine gelingende Beziehung:

Bild: pixabay/truthseeker08

4 Kommentare
  1. Mustermeier sagte:

    Grüezi,

    es sehr viele Menschen die viel allein arbeiten bzw. staendig in wechselnden Teams arbeiten, denn das ist typisch im Projektgeschaeft. Hat sie sich vielleicht den falschen Job gesucht oder hat sie die falsche Einstellung zu Ihrem Job? Sie sollte 10mal am Tag sagen, das ist ein wunderbarer Job, das ist exzellent und dann wird es nach einer gewissen Zeit zumindest als ganz passabel betrachten und wenn sie dann noch das ist wunderbar, min. 10mal am Tag, dann wird sie ganz zufrieden sein. Mehr sollte sie nicht verlangen. Das gleiche gilt fuer Einsamkeit. Alleinsein hat sehr grosse Vorteile und die muss man dann nur suchen und dann wird man feststellen, dass der alleinlebende Mensch viel gluecklicher ist, als andere Menschen. Man sollte nie nur das negative suchen sondern in der gegebenen Situation das beste draus machen und mir ihr gluecklichsein. Das ist manchmal sehr schwierig, aber immer moeglich. Wenn man anders denkt/fuehlt/empfindet, dann muss man sein Denken/Fuehlen/Empfinden aendern bzw. seine Einstellung aendern. Ihre Freundin sollte Ihre Einstellung aendern und nicht den Job. Das ist natuerlich viel schwerer als den Job anedern. Zu fliehen ist nur kurzfristig eine Loesung. Seine Einstellung zu anednern ist sehr schwer und harte Arbeit und dauert sehr lang. Viel spass beim harten Arbeiten von einem pragmatiker

    Antworten
    • Patricia Küll sagte:

      Hallo Pragmatiker,
      vielen Dank für ihre Mail.
      Die eigene Einstellung zu ändern, ist in der tat schwierig, aber immer dann wichtig, wenn ich die Situation nicht ändern kann.
      Aber warum sollte man die Situation ertragen, wenn man doch etwas ändern kann? Ich finde nicht, dass man alles ertragen muss.
      Es gibt diesen schönen Ausdruck: Chance it, love it or leave it. Diese drei Optionen hat man doch auf jeden Fall und nicht nur
      “love it”.
      Und beim Thema Einsamkeit würde ich zwischen Alleinsein und Einsamkeit unterscheiden. Alleinsein ist etwas Wundervolles, aber nur,
      wenn man sich nicht einsam fühlt.
      Herzlich
      Patricia Küll

      Antworten
  2. Bernhard Simon sagte:

    Liebe Patricia,
    wie immer folge ich Deinen Freutagsgedanken mit großer Aufmerksamkeit.
    Das Thema Einsamkeit ist aus meiner Sicht ein ganz besonderes Problem.
    Einige meiner Bekannten und Verwandten haben in den letzten Jahren Ihre Partner verloren.
    Mit einer meiner Schwägerinnen, die auch dieses Schicksal ereilt hat, haben wir das Problem, dass es keinen Zugang mehr zu ihr gibt.
    Sie neigt dazu, für ihren Zustand ihr direktes Umfeld und die Familie verantwortlich zu machen. Sie tut von sich aus aber nichts dazu, um diesen Zustand zu verändern.
    Meistens zieht sie sich in die „Schmollecke“ zurück.
    Jetzt ist vor kurzer Zeit auch noch ihr Bruder gestorben, der eigentlich so ein wenig ihr letzter Halt war.
    Zwischenzeitlich ist sie so verbiestert, dass sie sowohl bei Geburtstagen wie auch auf Kurzreisen immer teilnahmslos und mit einem vorwurfsvollen Blick
    dasitzt und sich meistens nach kurzer Zeit wieder verabschiedet. Das Resultat aus dieser Verhaltensweise ist nun, dass niemand mehr mit ihr zusammen sein möchte und
    jeder freut sich, wenn sie an geplanten Reisen nicht teilnimmt. Sie zieht mit ihrer Art sowohl die Familie wie auch Freunde und Bekannte voll runter.
    Sobald man sie auf das Thema anspricht, wird sie aggressiv und stellt direkt auf stur und beendet die Diskussion mit dem Satz: „Ihr wisst ja nicht wie es ist, wenn man alleine ist“.
    Hast Du vielleicht einen Tipp, wie man sich an so eine Person wieder herantasten kann?
    Unser Vorschlag, mal einen Termin beim Psychologen zu organisieren lehnt sie barsch ab.
    Ich bin sicher, dass viele Deiner „Freutagsgedanken“ Abonnenten solche oder ähnliche Probleme im Umfeld haben.

    Herzliche Grüße
    Bernhard Simon

    Antworten
    • Patricia Küll sagte:

      Lieber Bernhard,
      ich meiner Coachingausbildung habe ich etwas sehr Wichtiges gelernt: man kann niemanden zum Jagen tragen.
      Wenn ich keine Erlaubnis zum Coachen habe, wird das auch nichts. Das gilt im professionellen Umgang genauso wie im privaten.
      Das ist schwer zu akzeptieren, aber nicht zu ändern. Wenn Deine Bekannte keine Hilfe annehmen will, kann man nur da sein, wenn
      sie Hilfe einfordert, man kann es ihr aber nicht aufdrücken. Mein Vater sagte immer: “Jeder muss verschlissen werden, wie er ist.”
      So ist es leider. Seid weiterhin für sie da, machte Gesprächsangebote, wenn sie nicht will, ist es ihre Entscheidung.
      Herzlich
      Patricia

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