Warum Modedesignerin Anja Gockel bei ihren Schauen hinter der Bühne tanzt.

Wenn die Mainzer  Modedesignerin Anja Gockel ihre aktuelle Kollektion auf den Laufstegen in Berlin zeigt, was macht sie selbst dann wohl hinter der Bühne? Darüber haben wir diese Woche gesprochen, als ich sie zum Thema „Lebensfreude“ befragte. Früher, so erzählte sie mir, war sie in diesen 20 Minuten immer ungeheuer angespannt. Checkte alles ab, ob auch die Kleider und die Frisuren wirklich exakt so saßen, wie sie es geplant hatte. Freude hatte sie in dieser Zeit keine. Obwohl es ja das Ergebnis von monatelanger Arbeit war. Den Moment, wo ihre neuen Kleider und Röcke der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, konnte sie nicht genießen. Heute ist das anders. Heute tanzt Anja Gockel in diesen 20 Minuten hinter der Bühne. Sie feiert, dass sie und ihr Team es wieder einmal geschafft haben, eine Kollektion zu entwerfen und bei einer der großen Schauen dabei sein zu können. Sie genießt diese 20 Minuten, denn es ist der Höhepunkt jeder Saison. Sie weiß in diesem Moment noch nicht, ob die Kollektion ankommt. Ob sie gekauft wird. Aber für diesen Moment, wenn die Models ihre Mode auf dem Laufsteg vorführen, hat sie viel investiert. Zeit. Schlaflose Nächte. Und natürlich auch Geld.

Erfolge feiern? Warum das denn?

In unserem Interview erzählte ich ihr von Hans-Uwe L. Köhler, einem sehr erfolgreichen Trainer und Vortragsredner. Der erzählte mir  – nach seinem Erfolgsrezept gefragt, warum er ein so zufriedener Mensch sei – , wie wichtig es sei, seine Erfolge zu feiern. Dass die meisten das viel zu wenig tun. Doch mit dem Feiern würdigen wir unseren Erfolg und wertschätzen unsere Arbeit. Und das bringt Lebensfreude und Energie.

Und Sie? Feiern Sie schon oder jammern Sie noch?

Wann haben Sie das letzte Mal einen Erfolg gefeiert? Wir feiern unsere Geburtstage (manchmal) und Weihnachten. Aber feiern wir unsere Erfolge? Machen wir eine Flasche Sekt auf, wenn wir einen neuen Kunden gewonnen haben? Oder wenn wir ein langes, aufwändiges Projekt beendet haben? Oder wenn wir ein Seminar oder einen Workshop oder einen Vortrag erfolgreich durchgeführt haben? Feiern wir es, wenn die Kinder in einem sportlichen Wettkampf eine gute Figur abgegeben haben? Oder wenn sie in einem Theaterstück in der Schule geglänzt haben?

Sicherlich werden die einen oder anderen den einen oder anderen Erfolg feiern! Aber auch den eigenen? Und immer?

Erstaunlicherweise haben wir immer Zeit zum Jammern, wenn was nicht geklappt hat. Und was können wir uns selbst runter machen, wenn was nicht so läuft, wie wir es wollen. Aber haben Sie sich schon mal extra belohnt, weil sie was – und sei es nur in Ihren Augen – richtig gut gemacht haben?

Und so habe ich meinen letzten Erfolg gefeiert!

In dieser Woche habe ich das letzte Interview für meine „Lebensfreude-Tour 2016“ geführt. Es war ein tolles Interview mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Erst vor zwei Monaten hatte ich die Idee dazu und in dieser Woche hatte ich bereits alle 9 Interviews „im Kasten“ (wir haben die Gespräche auf Video aufgezeichnet).  Das hat mich so froh gemacht, dass ich nach der Aufzeichnung mit Malu Dreyer nicht in mein Büro zurückkehrte um weiterzuarbeiten (mit einem Brötchen als Mittagessen vor dem Computer), sondern in ein Restaurant ging und mir ein feines Essen samt Dessert schmecken ließ. Einfach nur so. Als kleine Belohnung für die viele zusätzliche Arbeit in den letzten zwei Monaten. Ich habe mir eine kleine Auszeit gegönnt, habe mich selbst belohnt und meine Arbeit gewürdigt. Und allein diese Kleinigkeit gibt mir Kraft um weiterzumachen.

„Ein Leben ohne Feste ist wie eine lange Wanderung ohne Rast“. Hat mein Vater immer zitiert. Und es müssen nicht immer große Feste sein. Feiern Sie kleine Gelegenheiten. Machen Sie öfter mal eine Flasche Sekt auf. Oder laden Sie Ihren Partner, Ihre Freundin, Ihre Kollegen oder einfach nur sich selbst auf eine Pizza und ein Glas Wein ein. Mitten unter der Woche. Das tut gut.

Auch gute Nachrichten sind eine Feier wert.

Gerade eben schickte mir ein guter Bekannter die Nachricht, dass seine Darmspiegelung, der er seit Wochen mit Furcht entgegenblickt, keinen Befund brachte. Also alles gut. Ich habe ihm geantwortet, dass er den guten Befund feiern soll. Auch eine solche Nachricht ist es wert, gefeiert zu werden. Denn mit dem Feiern verbinden wir ja auch immer ein „Danke-schön“. Danke, dass es keinen Befund gab. Danke, dass das Projekt so gut lief. Danke, dass dieses Quartal geschäftlich gut lief. Danke Schicksal. Danke ans Team. Danke an sich selbst.

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