Kündigen oder nicht?

Kündigen oder nicht?

Wenn Du keinen Spaß an Deiner Arbeit hast, dann kündige doch. Diesen Rat von Experten, Trainern und Coaches hört man immer wieder. Und immer wieder denke ich „leichter gesagt als getan“. Denn wenn man keine 25 mehr ist, eine Familie ernähren muss und Eigentum abbezahlt, dann ist das mit dem kündigen gar nicht so einfach. Dennoch sollte man ab und an einmal darüber nachdenken, ob man wirklich die zehn oder zwanzig oder dreißig Jahre, die man noch bis zur Rente hat, in dem Betrieb oder dem Beruf bleiben will, in dem man gerade ist. Die Freutagsgedanken heute mit existenziellen Fragen, die ganz gut zum Ende des Jahres passen.

Kündigen und einen „ausgezeichneten“ Arbeitgeber suchen

Am Mittwoch dieser Woche wurde in Mainz der Preis für „Attraktive Arbeitgeber“ verliehen. Acht Arbeitgeber aus Rheinland-Pfalz durften diesen Preis für ihr Engagement in Empfang nehmen. Ich durfte diese Veranstaltung moderieren und bekam daher bei den Interviews mit den Gewinnern hautnah mit, was diesen Arbeitgebern wichtig ist: ihre Mitarbeiter und dass es ihnen gut geht. Dafür sorgen die Arbeitgeber ganz unterschiedlich: mit maßgeschneiderten Teilzeitmodellen oder auch mal kleinen Aufmerksamkeiten. Sicherlich ist auch in diesen Unternehmen nicht immer alles eitel Sonnenschein, aber respektvoller, achtsamer Umgang steht dort bestimmt auf der Tagesordnung.

Zufriedene Mitarbeiter sind kein Hexenwerk

Marcus Smola, CEO der Best Western Hotel Central Europe hat passend zum Thema einen sehr mitreißenden Vortrag gehalten. Sein Unternehmen hat bei Umfragen unter Gästen festgestellt, dass 70 Prozent der Gäste, die nicht wiederkommen, fern bleiben, weil ihnen das Verhalten der Mitarbeiter missfallen hat. Marcus Smola und sein Team zogen daraus die Konsequenz, dass man sehr viel mehr für die Zufriedenheit der Mitarbeiter tun müsse, denn das hätte direkt Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Gäste. Wie stellt man nun Mitarbeiter zufrieden? Laut Marcus Smola ist das kein Hexenwerk. Man muss nicht einmal viel Geld dafür in die Hand nehmen. Seine Liste für zufriedene Mitarbeiter beinhaltet folgende Punkte:

  • Der Mitarbeiter soll stolz auf sein Unternehmen und seine Arbeit sein
  • Dank und Lob setzen ganz viele positive Emotionen frei
  • Auch der Chef kann von seinen Mitarbeitern lernen
  • Einfach mal dem Mitarbeiter zuhören und sich für ihn und seine persönliche Geschichte interessieren
  • Verantwortung übergeben
  • Und Leidenschaft entfachen.

Statt kündigen mehr loben und danken

Die Punkte „Dank“, „Lob“ und „sich für den anderen interessieren“ sind eigentlich Grundpfeiler einer humanistischen Gesellschaft. Und in vielen Bereichen werden sie sicherlich auch gelebt. Aber in vielen eben nicht. „Dank“, „Lob“ und „sich füreinander interessieren“ sind leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Respektieren statt kündigen

Mein sehr geschätzter Speakerkollege Rene Borbonus erinnert in seinen „Respekt-Vorträgen“ immer wieder daran, dass wir Respekt – wenn wir ihn von anderen erwarten – auch selber geben müssen. Hast Du auch schon gedacht, dein Chef oder dein Kollege sollte dir mehr Respekt entgegenbringen? Dann überlege mal, wie viel Respekt Du diesen Menschen entgegenbringst.

So kannst Du Dir kündigen sparen

Und genauso verhält es sich mit „Dank“, „Lob“ und „sich füreinander interessieren“. Wir hätten es alle gern, wenn andere ehrlich interessier an unserer Meinung und unseren Lebensumständen wären. Wenn uns andere häufiger loben und danken würden. Aber wie sieht es im Umkehrschluss aus? Wie häufig hörst Du anderen wirklich interessiert zu und stellst Fragen? Viele warten während eines Gesprächs eigentlich nur auf eine Atempause des anderen, um übergangslos von sich selbst zu erzählen. Und wie oft bedankst Du Dich bei anderen oder sagst anderen, dass sie etwas gut gemacht haben? Dank und Lob ist keine Einbahnstraße – nicht mal vom Chef zum Mitarbeiter.

Innerlich kündigen ist keine Dauerlösung

Fehlender Dank, fehlende Anerkennung, das Gefühl, nicht gesehen zu werden, falsche Kommunikation und noch manch andere „Basics des Miteinander“ fehlen leider in vielen Unternehmen und führen bei den Mitarbeitern zur inneren Kündigung. Zu „richtigen“ Kündigung aber aus oben genannten Gründen oft nicht. Aber vielleicht sollte man, wenn man schon länger innerlich gekündigt hat, anfangen, darüber nachzudenken, ob man nicht wirklich einen mutigen Schritt geht.

In der Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Emotion“ habe ich zum Thema „Bin ich hier noch richtig?“ einige Fragen gefunden, die einen ins Nachdenken bringen. Fragen wie

  • Habe ich noch manchmal Flow-Erlebnisse bei der Arbeit?
  • Entspricht das Anforderungsprofil meinen Stärken und Schwächen – meiner Persönlichkeit?
  • Wie geht es mir mit den Kollegen? Unternehme ich auch mal privat etwas mit ihnen?
  • Wie geht es mir mit meinem Chef?
  • Stimmen die Werte, die in meiner Firma gelebt werden?

Lieber aus neuen Wegen stolpern, als auf alten auf der Stelle treten

Vielleicht magst Du über diese Fragen in der Zeit, die jetzt kommt und in der wir uns traditionell so manche weichenstellenden Gedanken machen, nachdenken. Ich finde, diese Fragen zeigen sehr gut, wie sehr Du Dich in deinem Unternehmen zu Hause fühlst. Vielleicht stellst Du aber (mal wieder) fest, dass es nicht mehr Deine Firma ist. Dann musst Du ja nicht gleich faktisch kündigen. Aber Du könntest anfangen, ernsthaft über Alternativen nachzudenken. Was würdest Du gerne tun? Was ist realistisch? Gibt es ein Unternehmen, bei dem Du gerne arbeiten würdest? Das Leben ist zu kurz, um lange Zeit am falschen Platz zu arbeiten. Doch ich verstehe jeden, dem der Mut fehlt, zu kündigen. Aber man kann jederzeit aufhören zu jammern und stattdessen anfangen, Pläne zu schmieden und diese immer konkreter werden zu lassen. Jedes Projekt beginnt mit einem ersten Schritt. Wie wäre es, wenn Du diesen ersten Schritt noch in diesem Jahr machst? Überlege Dir, wo Du stehst. Und wenn Du feststellst, es ist der falsche Platz, dann gehe den nächsten Schritt. Die Zeit zwischen den Jahren ist genau die richtige, um die Weichen für neue Wege zu stellen. Ganz nach dem Motto: Lieber aus neuen Wegen stolpern, als auf alten auf der Stelle treten.

Und hier ein paar Gedanken dazu von René Borbonus:

Foto: pixabay/ Geralt/ 18861 Bilder

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