Was ist der Unterschied zwischen glücklichen und unglücklichen Menschen? Wenn ich es einmal ganz eindimensional beantworten darf: Unglückliche Menschen laufen vor ihren Problemen davon. Glückliche Menschen laufen sich Probleme weg. Oder anders ausgedrückt: man kann seine Lebensfreude „laufend“ vermehren.

Ich habe gerade Sport gemacht. Ich hasse Sport. Ich habe Sport schon immer gehasst. Bereits als Schulkind war ich vom Sport befreit. Wegen einer chronischen Kniegelenksentzündung. Damals stellte man bei einem solchen Befund den ganzen Menschen ruhig. Sogar Zehnjährige. Mir war das nur Recht. Ich lag eh lieber im Bett und las ein Buch nach dem anderen als irgendwo rumzuspringen.

Vom Sportmuffel zur Marathonläuferin

Sportlich wurde ich erst vor 12 Jahren als ich in einem Anfall geistiger Umnachtung das SWR-Projekt „Von 0 auf 42“ zusagte. Innerhalb eines Jahres wurde ich zur Marathonläuferin. Seitdem laufe ich. Nicht viel, aber regelmäßig. Das klappt vor allem deswegen, weil ich eine Laufpartnerin habe. Einem anderen Menschen sagt man seltener ab als sich selbst.

In den letzten Osterferien  trieb ich das erste mal jeden Tag Sport, ohne dass ich mich jemand dazu anmahnte. Freiwillig sozusagen. Das hatte zwei Gründe: zum einen gab es dort, wo ich war, unglaublich viel und sehr gutes Essen. Zum anderen hatte ich Zeit. Nach einer Woche mit viel Essen und viel Bewegung hatte ich gerade mal ein Kilo zugenommen. Das ist wenig für mich. Das gefiel mir. Denn ich esse sehr gern. Nehme aber nicht gerne zu.

Seitdem ich wieder zu Hause bin, mache ich nun fast jeden Tag Sport. Nicht lange. Nur 20 bis 30 Minuten. Aber sehr intensiv. Und ich freue mich jeden Morgen, wenn ich mich auf die Waage stelle. Denn ich muss nicht auf viel beim Essen verzichten, bekomme aber dennoch die Pfunde, die ich im letzten Jahr ansammelte, weil ich nach einem Unfall lange gar keinen Sport treiben durfte, langsam wieder runter.

Bewegung bewegt auch die Seele

Und noch etwas anderes bemerke ich: Sport tut der Seele gut. Auch das weiß ich eigentlich schon lange. Als ich vor 12 Jahren für den Marathon trainierte, gab es in meinem Leben einiges, was mich herausforderte. Unter anderem eine Krebsdiagnose bei meiner Mutter. Da geschah es oft, dass ich mit einem Kopf voller Probleme anfing zu trainieren und mit klarem Kopf und vielen Lösungen nach einer Stunde zurück kam. Meine Tante – sie ist 80 mittlerweile – läuft sich ebenfalls viele Herausforderungen weg. Sie geht zügig spazieren und findet dabei immer wieder ihr seelisches Gleichgewicht.

Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass auch bei Menschen, die mit Depressionen zu kämpfen haben, der seelische Zustand durch Sport verbessert werden kann.

Bewegung schafft Lebensfreude

Lebensfreude bedeutet für mich meine Familie, schöne Treffen mit Freunden, gutes Essen. Aber Lebensfreude heißt auch Sport. Denn was auch immer dadurch in meinem Körper passiert: es hat positive Wirkung auf meine Seele. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich kann es unmöglich schaffen, was da alles an Aufgaben getan werden muss. Nach einer halben Stunde Sport bin ich ganz anderer Meinung.

Deswegen: wenn es Ihnen gut geht, aber vor allem, wenn es Ihnen nicht gut geht: bewegen Sie Ihre Sorgen und Ängste nicht nur im Kopf, sondern bewegen Sie sich mit. Sie werden merken, dass Sie beim Laufen, Yoga, Radfahren, Walken einen freien Kopf bekommen, der dann wieder genügend Platz hat, um Lösungen zu finden.

Es ist jetzt Freitagmorgen, 7:28 Uhr, ich habe meine Sportsachen schon unter den Kuschelsachen an, die ich immer zu Hause trage. Gleich werde ich frühstücken und die Zeitung lesen, meine Kinder haben heute schulfrei und es gibt heute Vormittag noch einiges zu tun bevor ich um 12 Uhr meinen Dienst im SWR beginne. Aber eines ist nicht mehr verhandelbar: die halbe Stunde Sport. Ganz ehrlich: es ist immer noch mehr Pflicht als Vergnügen, aber ich weiß, danach läuft der Tag leichter. Und für einen ganzen leichten Tag, lohnt sich die halbe Stunde Schwitzen.

2 Kommentare
  1. Ruth Mattes sagte:

    Liebe Patricia,
    danke für diesen wunderbaren Artikel, du sprichst mir aus der Seele! Hierzu ein Buchtip, der mir schon 2009 den Blick auf alternativen Methoden zum Thema psychische Erkrankungen, Depressionen bis hin zum “Burn-Out” geöffnet und erweitert hat:
    “Die neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: Gesund werden ohne Medikamente” vom wundervollen David Servan Schreiber, der inzwischen leider schon verstorben ist. Ein wunderbares Wochenende und sonnige Grüße Ruth

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