Endlich wieder richtig schlafen

Über das Thema „Schlaf“ habe ich an dieser Stelle schon häufiger geschrieben – auch deswegen, weil mich das Thema persönlich umtreibt – bin ich doch selbst eine denkbar schlechte Schläferin. In meinem neuen Buch „Am liebsten geht es mir gut – leichter leben auch an grauen Tagen“ habe ich dem Schlaf ebenfalls einige Seiten gewidmet, denn die Aussage „Nimmst du mir den Schlaf, so nimmst du mir mein Leben“ bringt es auf den Punkt, wie wichtig guter Schlaf für uns ist. Leider hat Schlaf eine geringe Bedeutung für uns – das sagt der Schlafmediziner Dr. Hans-Günther Weeß. Ihn zitiere ich u.a. in meinem Buch, denn er ist Experte und weiß, was wichtig ist für guten Schlaf. Für die heutigen Freutagsgedanken durfte ich mit ihm ein Gespräch führen, in dem er wichtige Infos und Impulse rund um das Thema gibt.

Herr Dr. Weeß, von Ihnen erschien gerade ein neues Buch mit dem Titel „Schlaf wirkt Wunder“. Kann Schlaf tatsächlich so etwas großartiges wie Wunder vollziehen?

Der Schlaf ist ein elementarer biologischer Prozess, wenn wir nicht essen, nicht trinken und nicht schlafen, werden wir sterben. Aber auch schon zu wenig Schlaf erhöht das Risiko für vielerlei Erkrankungen. Schlaf ist das wichtigste Reparatur- und Regenerationsprogramm des Menschen, deswegen ist er oft die beste Medizin. In diesem Sinne kann tiefer und erholsamer Schlaf wirklich Wunder bewirken und zu einem gesunden und langen Leben beitragen.

Macht ausreichend Schlaf also tatsächlich schön, schlank und sexy?

Ja, das stimmt. Ausgeschlafene Menschen werden als attraktiver eingeschätzt, sie wirken gesünder. Ein gesunder Partner stand schon in der Steinzeit für Attraktivität, versprach er doch gesunden Nachwuchs. Darüber hinaus wird im Schlaf Leptin ausgeschüttet. Es ist ein Sättigungshormon. Wenn Sie abends also nochmals Hunger bekommen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können nochmal an den Kühlschrank gehen – oder ins Bett. Beides macht satt! Wer ausausreichend schläft, nimmt weniger Kalorien zu sich.

Leider schlafen aber viele Menschen schlecht. Schlaflosigkeit ist eine Volkskrankheit geworden. Was sind denn die wichtigsten Gründe, warum wir so schlecht schlafen?

Schlafstörungen können mannigfaltige Ursachen haben. Sie können durch situative Faktoren, wie Lärm oder Helligkeit ausgelöst werden. Erkrankungen sind ebenso ein Quell für schlechten Schlaf, aber nicht selten sind es auch die Nebenwirkungen von Medikamenten. Die häufigste Ursache ist aber das nächtliche Gedankenkarussell. Viele Menschen können nicht abschalten, nehmen die großen und kleinen Probleme des Alltags mit ins Bett und sind die ganze Nacht angespannt. Aber Anspannung ist der Feind des Schlafes! Nur wer sich abends entpflichten kann, sich in sein Kissen kuschelt und sich schöne und angenehme Gedanken bereitet, der rollt mit seiner Entspannung dem Schlaf den roten Teppich aus. Aber eines ist noch wichtig: Wer schlafen will, bleibt wach! Viele Menschen mit Schlafproblemen ringen nachts mit ihrem Kissen, wälzen sich von links nach rechts, das erzeugt ebenfalls schlafstörende Anspannung und hält wach!

Und was passiert, wenn wir häufiger zu wenig oder schlecht schlafen?

Wer nicht ausreichend schläft, hat ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Darüber hinaus erhöht er sein Risiko für psychische Störungen, wie Depressionen. Aber fehlender Schlaf führt auch zu Gedächtniseinschränkungen und die Müdigkeit am Tage erhöht das Risiko für Unfälle im Straßenverkehr oder an der Arbeit.

Von wieviel Schlaf reden wir eigentlich – was ist gesund – wieviel Schlaf brauchen wir?

Jeder sollte so viel schlafen, wie es ihm seine Gene vorgeben. Es gibt nicht die für alle geltende Stundenzahl. Bei den meisten Menschen liegt das genetische Schlafbedürfnis zwischen 6 und 8 Stunden. Wichtig ist, dass wir nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel schlafen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass auch zu viel Schlaf krank machen kann. Es kommt also – wie so oft im Leben – auf die richtige Dosis an.

In Ihrem Buch reden Sie vom „1×1 des Schlafens“. Was sind denn die wichtigsten Regeln für einen guten Schlaf?

Entspannung, Entspannung und nochmals Entspannung! Und bitte nicht ins Bett gehen und schlafen wollen. So kann man manch andere Malaise, welche ebenfalls geeignet ist, den Schlaf zu rauben, kompensieren. Natürlich sollten wir auf ein schlafförderliches Verhalten am Abend achten: Rechtzeitig essen, nicht zu fett oder zu schwer. Wenig Alkohol, kein Schlaf vor dem Fernseher, rechtzeitig alle Blaulichtquellen wie LED-Bildschirme, Neonröhren und auch manche Energiesparlampe ausschalten oder stark dimmen. Darüber hinaus kann ein Zubettgeh-Ritual Wunder bewirken: Was war heute gut, was blieb liegen und muss morgen erledigt werden. Schließen Sie mithilfe eines Tagebuches den Tag gedanklich ab.

Viele Menschen schlafen aber schon seit Jahren schlecht. Leiden unter Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten oder unter beidem. Denen hilft ein Abendritual eher nicht mehr. Was können Sie diesen Menschen raten?

Wer an chronischen Schlafstörungen leidet, sollte einen Schlafspezialisten konsultieren.

In Ihrem Buch gibt es außerdem ein 3-Wochen-Programm, um wieder schlafen zu lernen. Für wen ist das das richtige Programm?

Für alle Menschen, denen es bislang nicht selbstständig gelungen ist, abends in die schlafförderliche Ruhe und Entspannung zu finden. In meinem 3-Wochen-Programm für einen guten Schlaf habe ich alle Erfahrungen von über 20 Jahren Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen zusammengetragen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei aber, dass der Leser, wie im Buch mehrmals erwähnt, mit dem „Bauch“ das entsprechende Kapitel liest, bearbeitet und dabei seine inneren Haltungen zum Schlaf und zur Nacht – wie beschrieben – kritisch reflektiert und überdenkt. Dann sollte es gelingen, bald wieder zu einem besseren Schlaf zu finden.

Kann denn tatsächlich jeder wieder schlafen lernen?

Fast jeder! Allerdings sind uns da Grenzen gesetzt, wo Menschen keinen Zugang zu sich selbst, ihrer eigenen Erlebnis- und Gefühlswelt haben.

Schlafen Sie als Schlafforscher eigentlich auch mal schlecht?

In der Regel schlafe ich gut. Ich weiß ja, wie es geht! Grins! Aber Spaß bei Seite. In Lebenskrisen schlafe ich auch einmal schlecht. Das gehört dazu. Ich bleibe dann aber ruhig und gelassen, da ich weiß, wenn die Lebenskrise bewältigt ist, dass sich dann mein guter Schlaf wieder ganz von alleine einstellt.

Hier kannst Du das Buch direkt bestellen:

Und hier noch ein paar persönliche Schlafimpulse von mir:

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