So bekommst Du die Wertschätzung, die Du Dir wünscht

So bekommst Du die Wertschätzung, die Du Dir wünscht

In den letzten Freutagsgedanken habe ich darüber geschrieben, wie man sich selbst im Beruf glücklicher machen kann. Denn eine Studie der AOK Gesundheitskasse hatte herausgefunden, dass Menschen, die ihren Job als sinnvoll betrachten und sich wertgeschätzt fühlen, seltener krank werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei – so die Studie – der Chef. Doch wir können uns unsere Chefs nun einmal nicht backen. Also was tun, wenn er Dich nicht wertschätzt? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sich grämen. Oder kündigen. Oder sich selbst wertschätzen. Wie Wertschätzung sich selbst gegenüber geht, darum geht es in den heutigen Freutagsgedanken.

Mehr Wertschätzung vom Chef

Einer meiner vielen Chefs (ich habe für jede Sendung einen und dann noch einen Abteilungsleiter und einen Hauptabteilungsleiter uns so weiter) hat in dieser Woche meine regionale Kompetenz stark angezweifelt. Wenn man als Journalistin für ein bestimmtes Gebiet arbeitet, so wie ich für Rheinland-Pfalz, sollte man sich darin so gut wie möglich auskennen. Das liegt ja auf der Hand. Man sollte wissen, in welcher Region die größeren Städte und Gemeinde liegen und welche Besonderheiten unser Bundesland aufweist. Dass ich darin ein durchaus fundiertes Wissen habe, hat mein Chef stark bezweifelt. Das hat mich im Nachhinein ganz schön geärgert und ich dachte mir: „Der könnte mich echt mehr wertschätzen.“

Was Glaubenssätze mit uns machen

Kennst Du Gedanken wie diesen? Wir alle haben Glaubenssätze wie „Mein Chef sollte mich mehr wertschätzen“ oder „Meine Eltern hätten mich mehr lieben sollen“ oder „Die anderen sollten mich mehr wahrnehmen“. Glaubenssätze, die sich fest in unser Denken verankert haben. Das Problem an Glaubensätzen ist, dass wir uns damit von anderen im großen Maß abhängig machen. Denn wir wünschen uns, dass ein anderer sein Verhalten verändert. Der Chef soll sich wertschätzender verhalten. Die Eltern sollen uns mehr lieben. Die anderen sollen uns mehr wahrnehmen. Und so rackern und rudern wir, damit der andere sich so verhält, wie wir es uns wünschen. Typische Burnout-Kandidaten sind die Menschen, die ständig rackern und rudern, um vom anderen etwas zu bekommen. Doch mal ehrlich: wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der andere sein Verhalten tatsächlich verändert? Manchmal mag das vielleicht vorkommen, aber meistens rackern wir uns umsonst ab. Und auch das liegt auf der Hand, denn wir haben beim anderen keine Handlungsmacht. Wir können versuchen, das gewünschte Ergebnis beim anderen hervorzurufen, indem wir uns so oder anders verhalten, aber es gibt keinerlei Garantien dafür. Der einzige Mensch, bei dem wir wirklich Handlungsmacht haben, ist bei uns selbst.

Wie geht Wertschätzung sich selbst gegenüber?

Doch wie soll das gehen, sich selbst gegenüber Wertschätzung zu entwickeln? Vor Kurzem habe ich eine tolle Ausbildung gemacht. Sie heißt „The Work“ und wurde vor vielen Jahren von Byron Katie erfunden. Die Amerikanerin hat einen wirkungsvollen Weg gefunden, wie man Glaubenssätze nachhaltig auflösen kann. Bleiben wir beim Thema Wertschätzung. Wenn Du auch glaubst, dass Dich Dein Chef zu wenig wertschätzt und er Dich mehr wertschätzen sollte, dann stelle Dir selbst folgende Fragen:

1. Was macht der Gedanke, dass Dich Dein Chef mehr wertschätzen sollte, mit Dir?

Macht er Dich wütend oder traurig? Vermutlich macht er Dein Selbstbild kleiner als es wirklich ist. Dann stelle Dir als nächste diese Frage:

2. Was wäre ich ohne diesen Gedanken?

Was wärst Du ohne den Gedanken, dass Dein Chef Dich mehr wertschätzen sollte? Wie verändert sich Dein Selbstbild? Wird es größer und glänzender? Und nun stelle Dir noch eine Frage:

3. Kannst Du wirklich sicher sein, dass es besser für Dich wäre, wenn Dich Dein Chef mehr wertschätzen würde?

Die Frage kommt Dir vielleicht merkwürdig vor, aber beantworte sie dennoch. Kannst Du 100 Prozent sicher sein, dass es wirklich besser für Dich wäre? In den meisten Fällen muss man hier eingestehen, dass man nicht zu 100 Prozent sicher sein kann. Und nun verändere die Sätze. Sag Dir zuerst:

4. Ich sollte mich mehr wertschätzen.

Was macht dieser Satz mit Deinem Selbstbild? Wie fühlt sich das an? Stellt sich hier ein gutes Gefühl ein? Kommt da sowas wie Zufriedenheit auf? Wächst Dein Selbstbild dadurch? Und dann gehe noch einen Schritt weiter und verändere den Satz noch einmal:

5. Ich sollte meinen Chef mehr wertschätzen.

Bei diesem Satz steigen die meisten erstmal aus und sind empört. Dann hört man Aussagen wie „Was? Den soll ich wertschätzen? Sonst noch was?“ Und wenn man dann weiterfragt, ob man denn nun den Chef wertschätze, dann kommen Antworten wie „Nein, auf keinen Fall, das ist echt ein Arsch.“ Und hier liegt auch oft eine Ursache des Übels. Wie soll Dich Dein Chef wertschätzen, wenn Du ihn selbst nicht wertschätzt?

Mit Wertschätzung sich selbst gegenüber macht man sich unabhängig von anderen

Ich weiß, dass es oft nicht leicht ist, sich selbst das zu geben, was man doch von anderen erwartet oder erwünscht. Aber hey – das ist die beste Möglichkeit, das zu bekommen, was man will. Ich gebe es mir selbst. Ich mache mich unabhängig von anderen und sorge selbst gut für mich. Mein Chef will mich nicht wertschätzen? Dann tue ich es selbst. Ich weiß, wie gut ich mich im Land auskenne und dafür kann ich mir selbst auf die Schulter klopfen. Dafür brauche ich keinen anderen. Und wenn ich richtig gut darin geworden bin, mich selbst wertzuschätzen, dann fange ich an, meinen Chef wertzuschätzen. Denn wenn man will, findet man bei jedem Menschen etwas, was man wertschätzen kann. Und das mache ich nicht, meinem Chef zuliebe, sondern mir zuliebe. Weil es mein Leben erleichtert und verschönert.

Ich habe meine The Work-Ausbildung bei Ulrich Bührle gemacht. Hier könnt Ihr einen Eindruck gewinnen, welchen Beitrag The Work zu einem gesunden Selbstbild leistet.

Und in meinem neuen Buch gibt es viele weitere Impulse für ein selbstgemachtes gutes Leben.

Am liebsten geht es mir gut – leichter leben auch an grauen Tagen

Foto: Pixapay/ Geralt

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