Verbundenheit mit Dir und anderen – was bringt das?

Verbundenheit mit Dir und anderen – was bringt das?

„Ich verbinde Sie“. Das sagte gestern eine Assistentin am Telefon zu mir. Anschließend hatte ich mit ihrer Chefin ein sehr verbindliches Telefonat, das hier aber keine Rolle spielt. Mich hat dieses „ich verbinde Sie“ gedanklich auf ganz andere Gleise gebracht. Wir können technisch verbunden werden, aber wie sieht es denn mit der persönlichen Verbindung zu Dir und anderen aus? Das kann uns die Technik leider nicht abnehmen, das müssen wir – wieder einmal – selber machen. Wie das gehen kann und warum das wichtig ist – darum geht es heute in den Freutagsgedanken.

Schaffe ich Verbundenheit, indem ich viel gebe?

Vor wenigen Wochen habe ich eine Ausbildung zum „The Work“-Coach gemacht. Bei einer solchen Ausbildung coachen sich die Teilnehmer gegenseitig, um zu üben. Und damit der angehende Coach es richtig lernen kann, sollen möglichst echte und reale Anliegen und Themen bearbeitet werden. So kam es, dass ich als Klient ein Thema bearbeitete, das mich aktuell eigentlich nicht sonderlich beschäftigt, dessen Ergebnis mir aber dennoch die Augen öffnete.

Die Ausgangsfrage war, warum ich des Öfteren meine eigenen Interessen hinten anstelle. Während des Coachingprozesses erkannte ich, dass ich das aus der Furcht heraus mache, von anderen weniger akzeptiert oder geliebt zu werden. Und auch, weil ich dachte, die Verbundenheit zu meinen Mitmenschen würde Schaden nehmen, wenn ich meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu sehr in den Vordergrund stelle. Am Ende des Coaching-Prozesses wusste ich, dass ich sowieso mit den Menschen, die mir nahe stehen, verbunden bin – unabhängig davon, wie ich mich verhalte. Denn die unsichtbaren Fäden zwischen Menschen, die sich mögen, sind sehr stark und halten einiges aus.

Verbundenheit mit sich selbst? Lieber nicht!

Doch um mit anderen verbunden zu sein, muss ich zuerst einmal mit mir selbst verbunden sein. Ich muss meine Bedürfnisse erkennen und – wenn es möglich ist – auch erfüllen. Als Kind konnten wir das alle in der Regel ganz wunderbar, aber viele haben das im Laufe der Jahrzehnte verlernt. Und viele tun auch eine ganze Menge, um die Stimme, die in einem ist und die einem eigentlich zuverlässig sagt, was einem gut tut und was nicht, nicht zu laut werden zu lassen. Denn diese Stimme könnte einem auch sagen, dass man auf dem falschen Dampfer ist mit seinem Leben. Dass das, was man da tut, sich nicht gut anfühlt. Also laufen viele ganz schnell im Hamsterrad, um nicht zuhören zu müssen. Je schneller man läuft und je weniger man inne hält, desto weniger ist man mit sich verbunden und desto weniger kann man auf die innere Stimme hören. Deswegen: wenn Du wissen möchtest, was Dir gut tut und was Dich in Deinem Leben erfüllt, dann verbinde Dich mit Dir selbst, indem Du einfach mal ganz mit Dir allein bist. Dieses Wort „allein“ macht vielen Angst. Sie sind (noch) nicht mit sich selbst verbunden, und fühlen sich dann auch noch von anderen abgeschnitten. Dabei kann man das Wort aber auch anders verstehen: all-ein. Alles eins, mit allem eins sein. Das bedeutet auch, gesund, stark und unabhängig zu sein.

Allein sein ist der direkte Weg zur Verbundenheit

„All-ein sein“ und zu sich finden, passiert übrigens nicht, wenn Du ohne Freundin zum Shoppen gehst oder ohne Freund in die Kneipe. Überall dort, wo Du von Dir selbst abgelenkt werden kannst, bist Du vielleicht allein, aber nicht „all-ein“. Erst wenn Du die Ruhe um Dich zulassen kannst, wirst sich der Weg zu Deinem Inneren finden lassen und erst dann wirst Du die Stimme hören können, die Dir sagt, was Du brauchst und was Dir fehlt, um glücklich zu sein. In diesen stillen Momenten kann es vorkommen, dass alte Erinnerungen wach werden, die Du ganz bewusst lange verdrängt hast, weil sie sehr schmerzen. Wenn Du sie zulassen kannst, kannst Du sie verarbeiten. Nur so werden sie irgendwann einmal nicht mehr schmerzen. Das gilt für alte wie für neue Verletzungen.

Wir Menschen sind erstaunlich, wie tief und lange wir den Kopf in den Sand stecken können, weil wir zwar schon längst merken, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber zu viel Furcht haben, der Sache ins Auge zu sehen. Damit der Kopf möglichst ungestört im Sand stecken bleiben kann, müssen wir die Verbindung zu uns selbst unterbrechen. Dann können wir weitermachen wie bisher. In manchen Ausnahmesituationen mag das durchaus seine Berechtigung haben, aber in vielen Fällen frage ich mich, warum wir so lange leiden und nichts ändern?

Wenn Du also spürst, dass Dich Dein Leben nicht erfüllt, dann beginne eine Freundschaft mit Dir selbst, indem Du Dir selbst zuhörst. Sorge für Momente der Stille, in denen Du Dich ganz auf Dich konzentrieren kannst. Und dann sprich mit Dir, frage Dich, was Dir und fehlt und was Du brauchst. Lass alle Gefühle hochkommen. Auch Trauer, Schmerz und Wut. Nur wenn Du verbunden bist mit Dir selbst, kannst Du erst erkennen, was Du brauchst und es Dir dann geben. Vieles wird nicht sofort gehen, aber auch mit kleinen Schritten kommt man ans Ziel – aber eben nur, wenn man das Ziel kennt. Und wenn Du gut mit Dir selbst verbunden bist, dann kannst Du Dich wirklich mit anderen verbinden.

Verbundenheit mit mir und anderen bringt tiefe Erfüllung

Ich habe für mich gespürt: Erst wenn ich mir selbst Gutes geben kann, kann ich auch anderen aus der richtigen Haltung heraus Gutes geben. Was meine ich damit? Wenn ich aus dem Mangel heraus, also in der Hoffnung von anderen geliebt zu werden, die Wünsche anderer erfülle, dann wird das bei mir immer einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Ich gebe nicht, weil ich geben möchte, sondern weil ich dafür etwas bekommen möchte – Liebe oder Wertschätzung oder Aufmerksamkeit. Dem anderen gegenüber ist das eigentlich ein ziemlich unehrliches Verhalten. Wenn ich aber aus der Fülle heraus gebe, wenn ich gebe, weil ich ohne Gegenleistung wirklich geben möchte, dann erst ist es ein ehrliches, offenes Miteinander. Doch um aus der Fülle heraus zu geben, darf ich selbst mit meinen Bedürfnissen nicht im Mangel sein, sprich: ich muss auch meine Bedürfnisse erfüllen. Zuerst muss ich also mit mir verbunden sein, dann klappt es auch mit der Verbundenheit mit allen anderen.

Wie Du Dich selbst noch besser kennenlernen kannst, erfährst Du auch in diesem Video:

 

Foto: Pixabay/geralt

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