Verschlechtert Alkohol unseren Schlaf und erhöht das Demenzrisiko?

Diese Woche lernte ich bei einer Coaching-Ausbildung zwei Frauen kennen. Ich weiß nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen, aber sie erzählten mir, dass die eine schon seit 8 Jahren keinen Alkohol mehr trinkt und die andere seit sechs Jahren. Und sie erzählten mir, wie ihre Mitmenschen darauf reagieren. Ich fand das Thema hochinteressant, denn ich bin Neu-Abstinenzlerin.

Alkohol und Schlaf – kein gutes Team

Es fing alles ganz harmlos an. Im Sommerurlaub tranken mein Mann und ich jeden Abend Alkohol. Nicht viel, aber jeden Abend ein oder zwei Gläser Bier. Das zweite Glas Bier spürte ich immer schon nachts, weil ich wesentlich schlechter schlief. Da fielen mir meine eigenen Recherchen für mein nächstes Buch „Am liebsten geht es mir gut – leichter leben auch an grauen Tagen“ wieder ein. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Alkohol den Schlaf massiv negativ beeinflusst. Und da ich ohnehin ein mieser Schläfer bin, tue ich mir mit einem Glas Bier oder Wein ganz viel Schlechtes an.

Der Feierabend wird schöner durch Alkohol

Ich habe noch nie viel Alkohol getrunken und nie Hochprozentiges. Aber ein paarmal in der Woche trank ich abends doch ein Glas Wein oder Bier. Und in den letzten Jahren hat sich zunehmend ein Gefühl eingeschlichen. Das Gefühl, dass der Feierabend noch ein bisschen schöner ist, wenn ich einen Hugo oder einen Aperol Spritz trinke. Bei mir hat das viel mit Atmosphäre und Lebensgefühl zu tun, denn mir geht es nicht nur um das Getränk, sondern auch darum, dass das Getränk stilvoll in einem schönen Glas serviert wird. Wein, der wie in Italien oft in Wassergläsern serviert wird, schmeckt nur halb so gut. Ein guter Tropfen in einem schönen Glas, der den Kopf so gang ganz leicht benebelt – wunderbar und der Feierabend ist gerettet. Und genau von diesem Gefühl wollte ich wegkommen, als ich im Flieger auf der Heimreise aus dem Urlaub beschloss, bis zum 1. Advent keinen Alkohol mehr zu trinken. Nicht total restriktiv. Wenn ich will, darf ich ein Glas Wein in der Woche trinken. Das Erstaunlich ist aber: ich will gar nicht.

Kein Alkohol – dafür ernte ich auch schon mal Mitleid

Noch viel Erstaunlicher sind die Reaktionen aus meiner Umgebung. Mein Nachbar meint, es sein schade, dass ich nichts mehr trinke, denn ich sei viel lustiger mit Alkohol. Ein Kollege hat mich geradezu bedauert und meinte, um zu überprüfen, ob ich ohne Alkohol wirklich besser schlafe, würden doch auch zwei oder drei Wochen „ohne“ reichen. Glücklicherweise bin ich aus dem Alter raus, wo der Satz „danke, keinen Alkohol für mich“ sofort Gerüchte um eine Schwangerschaft in Umlauf bringen.

Alkohol und Demenz – das eine fördert das andere

Kurz nach meinem Urlaub las ich dann auch noch in der Zeitung, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Demenzrisiko steigert. Da ich als Dauer-Schlechtschläfer ohnehin ein erhöhtes Demenzrisiko habe, gingen bei mir natürlich alle Alarmglocken an. In dem Zeitungsartikel wird Michael Schwarzinger von der Université Paris Diderot mit den Worten zitiert: „Sehr wahrscheinlich erhöht schon ein moderater Alkoholkonsum das Demenzrisiko.“ Und weiter: „Alkohol sollte als einer der Hauptrisikofaktoren für alle Arten von Demenz anerkannt werden.“ Schwarzinger ist Mitautor einer Studie, in der die Forscher die Krankenakten von mehr als 31 Millionen Franzosen auswerteten, die zwischen 2008 und 2013 in Krankenhäusern behandelt worden waren. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die regelmäßig viel Alkohol trinken, ein dreifach höheres Demenzrisiko haben. Von denjenigen, die vor dem 65. Lebensjahr erkrankten, tranken mehr als die Hälfte regelmäßig viel Alkohol.

Doch was versteht man denn nun unter „starkem Alkoholkonsum“? Dazu gibt es eindeutige Zahlen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Männer gelten als „chronisch starke“ Trinker, wenn sie täglich mindestens 0,6 Liter Wein oder 1,5 Liter Bier trinken. Bei Frauen liegt die Grenze bei 0,4 Liter Wein, also zwei Gläsern oder einem Liter Bier. Mal ganz ehrlich: wie ist das bei Dir? Zwei Gläser Wein am Abend kommen doch oft schnell zusammen, oder?

Alkohol erhöht auf jeden Fall den Blutdruck

Ob das Risiko an Demenz zu erkranken auch größer ist, wenn man weniger trinkt, ist noch nicht klar. Es gibt Studien, die sogar positive Effekte auf die Hirnfunktion im Alter fanden, es gibt aber auch Studien, die zeigen, dass Hirnstrukturen bereits bei mäßigem Konsum geschädigt werden. Und natürlich darf man auch die persönlichen Rahmenbedingungen nicht außer Acht lassen. Auf gesunde Menschen, die nicht rauchen und Sport treiben, wirkt die gleiche Menge Alkohol anders als auf übergewichtige Raucher, die sich zu wenig bewegen. Doch davon abhängig, bleibt die Tatsache bestehen, dass Alkohol den Blutdruck erhöht und ein dauerhaft erhöhter Blutdrucke im mittleren Lebensalter ist ein ernst zunehmender Risikofaktor für eine spätere Demenzerkrankung. Diese Schlussfolgerung zieht Paul Unschuld, der Leiter des Zentrums für dementielle Erkrankungen und Altersgesundheit an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Kein Alkohol tut überhaupt nicht weh

Ob sich mein Schlaf in den letzten fünf Wochen wirklich verbessert hat, kann ich noch nicht sagen. Es war zu heiß in vielen Nächten. Aber ich weiß auch nicht, ob ich nicht noch schlechter geschlafen hätte mit Alkohol. Klar ist aber jetzt schon, dass es in den vergangenen Wochen einige Nächte gab, in denen ich erstaunlich tief und fest schlief. Was für mich aber noch viel Erstaunlicher ist: Ich kann ganz ohne Probleme auf Alkohol verzichten. Egal, ob abends mit meiner Familie oder im Freundeskreis bei einer Feier. Es macht mir nichts aus, Wasser oder Schorle zu trinken. Im Gegenteil. Ich genieße das Gefühl einen klaren Kopf zu haben. Ich gebe zu, dass man dadurch vielleicht tatsächlich etwas langweilig wird, weil man es nüchtern betrachtet viel schöner findet, um 22 Uhr ins Bett zu gehen als weiter Party zu machen. Dafür werde ich mit einer guten Nacht und einem klaren Kopf am nächsten Tag belohnt. Das ist mir mittlerweile viel wert.

Wasser im Sektglas

Und was die Stilfrage angeht: ich serviere mit mein Wasser oder meine Schorle jetzt im großen schönen Weinglas. Mit Zitrone und Pfefferminze drin. Auch auf Partys bitte ich um ein Glas Wasser im Sektglas. Dann sagt nämlich keiner mehr was und ich muss mich nicht bedauern lassen für etwas, was ich voll und ganz gut finde.

Ich werde Euch berichten, wie es mit meiner freiwilligen Abstinenz weitergeht. Ich bin selbst gespannt, ob ich ab dem 1. Advent in meine alten Gewohnheiten zurückfalle.
Mehr Impulse, wie Du gut für Dich sorgen kannst, gibt es in meinem Buch „Am liebsten geht es mir gut – leichter leben auch an grauen Tagen“, das ab dem 21. September auf dem Markt ist.
Hier kannst Du das Buch vorbestellen:

https://www.amazon.de/Am-liebsten-geht-mir-gut/dp/3958031439/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1534496375&sr=8-2&keywords=patricia+k%C3%BCll

2 Kommentare
  1. Jörg Kuhnert sagte:

    Hallo, Frau Küll,

    diese Freutagsgedanken haben mir wieder sehr gefallen. Abstinenz ist klar von Vorteil!

    Wer trinkt bei diesem momentanen Extremsommer seit dem April nicht gerne mal ein Weizenbier oder eine Weinschorle am Abend? Wird das aber zur Gewohnheit, haben wir mehr Schaden als Nutzen davon. Alkohol beeinflusst das zentrale Nervensystem, was zu einer Störung der Schlafstadien führt. Ein Leben ohne Alkohol ist ein besseres Leben. Und Schlafstörungen beeinträchtigen die seelische Stabilität und sollten auch behandelt werden. Unausgeglichenheit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen sind die Folge. Daraus resultiert natürlich weniger Lebensqualität.
    Ich freue mich schon auf Ihr neues Buch!

    Viele Grüße

    Jörg Kuhnert

    Antworten
    • Patricia Küll sagte:

      Lieber Herr Kuhnert,
      vielen Dank für Ihr Feedback. Sie haben das so passend in wenigen Worten zum Ausdruck gebracht. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir ein kurzes Feedback zum neuen buch geben.
      Ihnen eine gute Zeit und herzliche Grüße
      Patricia Küll

      Antworten

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