Warum ich mich einmische

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte einmal zu mir, dass sie jeden Tag an sich arbeite – immer mit dem Gedanken „welcher Mensch willst du sein?“ Ich würde diesen Gedanken gern erweitern um den Aspekt „welcher Mensch willst du sein und in welcher Welt willst du leben?“ Das ist der Grund, warum ich mich einmische. In meinem Alltag, in meinem Umfeld, bei lieben Freunden, aber auch bei völlig Unbekannten – oft zum Leidwesen meiner Kinder, die mich dann furchtbar peinlich finden. In welcher Welt willst Du leben und was kannst Du dafür tun? Ein lästiges Thema – ich weiß. Es ist Graubrot und keine Sahneschnitte. Aber es ist so wichtig – für Deine Zukunft und für uns alle. Die Freutagsgedanken heute – mischen sich ein.

Warum ich mich einmische? Weil es miteinander besser geht.

Wenn ich sage, „ich mische mich ein“, dann meine ich nicht die so beliebten Posts in den sozialen Netzwerken, in denen der Eine dem Anderen öffentlich seine Meinung vorkotzt. Meistens in wenigen und wenig netten Worten. Wenn ich sage „ich mische mich ein“, meine ich, dass ich auf der Straße Menschen frage, ob alles ok ist, ob sie Hilfe benötigen, wenn ich den Eindruck habe, hier kollabiert gleich einer. Wenn ich sage „ich mische mich ein“, dann meine ich, dass ich mich nicht blind stelle, wenn ich das Gefühl habe, dass gerade jemand Unterstützung benötigt. Ja, das ist manchmal anstrengend und kommt oft ungelegen. Aber was ist die Alternative? Dass wir alle nur noch an den eigenen Belangen interessiert sind. Und in einer solchen Welt möchte ich nicht leben.

Warum ich mich einmische? Weil ich anderen damit helfen kann.

Ich musste in den letzten Jahren auch lernen, dass Einmischung gerade bei Menschen mit Handicap wichtig und sogar erwünscht ist. Hier ist es oft kein Egoismus, dass man Menschen mit Handicap aus dem Weg geht, sondern Unsicherheit. Viele sind so unsicher, wie man mit Menschen mit Handicap umgehen soll. Seitdem ich einen 100 Prozent behinderten Schwager habe, weiß ich, dass ich mich bei ihm so verhalten soll wie bei anderen auch. Zugegeben: das ist schwierig, weil mein Schwager nach einem Schlaganfall nicht mehr reden kann. Und in der Anfangszeit bin ich nach wenigen Minuten immer geflüchtet. Heute weiß ich, dass er sich sehr freut, wenn ich neben ihm sitze, seine Hand halte und einfach nur erzähle. Sein Schlaganfall ist 18 Jahre her – von den alten Freunden hat ihn seit Jahren keiner mehr besucht. Sicherlich aus Unsicherheit und nicht aus Ignoranz. Aber das hilft ihm auch nicht weiter.

Warum ich mich einmische? Weil unsere Welt Einmischer braucht.

Ich werde mich auch am Sonntag einmischen, denn natürlich werde ich zur Wahl gehen. Ich habe noch nie eine Wahl versäumt. Denn ich möchte auch weiterhin in einer Welt leben, in der Werte wie Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Reisefreiheit, Frieden, Demokratie und soziale Marktwirtschaft unantastbar sind. Bevor ich am Sonntag beim Bäcker die Brötchen fürs Sonntagsfrühstück hole, mache ich einen Abstecher in die Turnhalle, um meine Stimme abzugeben. Ich mische mich gern ein – aber nicht, um anderen meine Meinung aufzudrücken, sondern um diese Welt ein bisschen netter, gerechter und liebenswerter zu machen. Und dafür nehme ich auch in Kauf, dass mich meine Kinder totpeinlich finden.

Hast Du schon etwas von der Aktion #makeacross gehört? Interessant für alle, die am Sonntag ihr Kreuz machen.

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Foto: pixabay/geralt

2 Kommentare
  1. Bernhard Simon sagte:

    Liebe Patricia,
    ich finde es toll, dass Du das in Deinen Möglichkeiten stehende tust, um die Menschen am kommenden Sonntag zur Wahlurne zu bewegen. Jawohl es geht um unsere Zukunft und wir dürfen nicht den Extremisten von rechts und links das Feld überlassen. Heute sehen wir in Österreich, Italien und auch in UK, was diese Parteien anrichten. Sie spalten die Gesellschaft und bringen unsere Demokratie in Gefahr, welche unsere Mütter und Väter nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg mit viel Einsatz aufgebaut haben. Momentan gehören wir vielleicht noch zu der sogenannten “Schweigenden Mehrheit”. Wenn wir wirkungsvoll unsere demokratischen Errungenschaften verteidigen wollen, müssen wir nicht nur zur Europawahl gehen, sondern uns täglich bewusst machen, dass man die Demokratie nicht vom Fernsehsessel aus verteidigen kann. Hier ist also jeder gefragt und der Gang zur Wahlurne ist der erste Schritt.
    Danke für Deine schönen Freutagsgedanken!!
    Herzliche Grüße
    Bernhard Simon

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