Warum sind Rituale wichtig für uns?

Warum sind Rituale wichtig für uns?

Am Wochenende beginnt die Adventszeit. Mit vielen Ritualen wie Plätzchen backen, Adventskranz anzünden oder dem Besuch eines Weihnachtsmarkts. Doch nicht nur in der Vorweihnachtszeit begleiten uns Rituale. Und das ist gut so. Denn Rituale geben uns Sicherheit und helfen uns, unseren Alltag zu strukturieren. So ist das schon seit vielen tausend Jahren. Rituale gibt es seit Menschengedenken. Doch wozu benötigen wir heute noch Rituale? Diese Frage stelle ich in der morgigen Ausgabe der Sendung Landesart im SWR Fernsehen und heute schon in den Freutagsgedanken.

Was vereint die unterschiedlichsten Rituale?

Höhlenmalereien haben es an den Tag gebracht. Schon vor vielen tausend Jahren kannten die Menschen Tanzrituale. Jede große Weltreligion hat eigene Rituale. Genauso wie die Schamanen in Peru oder die Aborigines in Australien. So unterschiedlich die Kulturen sind, so unterschiedlich sind die Rituale. Was sie vereint? Rituale haben eine Wirkung. Die einen sorgen für Verbindung zwischen den Menschen, andere helfen etwas zu beenden, wieder andere strukturieren den Alltag und den Jahresablauf.

Wenn wir trauern, helfen uns Rituale besonders

Bei Trauerfeiern wird die Bedeutung von Ritualen besonders deutlich. In der aktuellen Ausgabe des Online-Magazins „Prinzip Apfelbaum“ geht es um das Thema Trauer und wie Rituale bei der Verarbeitung helfen können: „Eine große Hilfe bei der Bewältigung von Trauer können wir durch Riten und Traditionen erfahren. Sie geben in der Regel Halt und Orientierung. Wir wissen dann, was wir zu bestimmten Zeitpunkten tun können. Wie zum Beispiel der alte Brauch, ein Jahr lang zu trauern. Auch heute richten sich noch Menschen in Europa danach. Das Trauerjahr nimmt den Druck heraus, schnell wieder funktionieren zu müssen. „Wenn Rituale verloren gehen, fühlen sich auch die Trauernden verloren“, sagt die Psychologin Rosner. Wie wichtig Trauerrituale für die Menschheit waren und sind, zeigt die anthropologische Trauerforschung. Trauer ist ein universelles Gefühl. Aber je nach Kultur und Religion gehen Menschen ganz unterschiedlich mit Tod und Trauer um. Im Gegensatz zu unserem Trauerjahr trauern beispielsweise Navajo-Indianer in den USA traditionell nur vier Tage lang. Danach ist es verpönt, über den Verstorbenen zu sprechen. Die Toraja auf Sulawesi in Indonesien pflegen ein für westliche Menschen sehr ungewöhnliches Ritual. Die Toten werden einbalsamiert, neu angekleidet und wohnen mit im Hause bis zur Trauerfeier, die manchmal erst drei Jahre später stattfindet. Die Trauerfeier ist dann ein Fest der Freude, weil die Torajas an ein nächstes Leben glauben. So zeigt der Blick über den Tellerrand: Unsere Vorstellungen über Trauer und „normale“ Trauerprozesse sind nur mentale Konstrukte. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln.“

Rituale verbinden uns miteinander

Kirchliche Rituale waren dazu da, sich mit Gott zu verbinden. Diese Rituale nehmen heute an Bedeutung für uns ab. Was kommt stattdessen? Esoterische Gedanken nehmen zu, aber auch die Individualisierung. Denn kirchliche Rituale haben auch immer die Gemeinschaft gefördert. In Zeiten, in denen viele Freundschaften nur noch online bestehen, wiegt der Verlust von Ritualen doppelt schwer.

Rituale kannst Du jederzeit ins Leben rufen

Die gute Nachricht: Man kann jederzeit ein Ritual ins Leben bringen. Und sich damit mit anderen verbinden. Oder seinem Alltag Struktur und Sicherheit verleihen.
Mit meinem Sohn habe ich vor vielen Jahren ein kleines Ritual eingeführt: Jedes Jahr in der Adventszeit bekommt er auf dem Weihnachtsmarkt ein Teil zu seiner Krippe dazu. Mal ist es ein kleiner Stall für die Schafe, mal eine Feuerstelle, die leuchtet. Er liebt dieses Ritual und kann es kaum erwarten, seine Krippe aufbauen zu dürfen. Dieses Jahr hat er mich bereits Ende Oktober gefragt, ob er nun endlich die Krippe aufbauen dürfe. Durfte er übrigens nicht. Denn zu einem Ritual gehört auch ein wiederkehrender Ablauf und oft eben auch eine fest gesetzte Zeit.

Auf Rituale ist einfach Verlass

In meiner Kindheit lief Weihnachten immer nach den gleichen Ritualen ab. Ich habe es geliebt und liebe es bis heute. Vielleicht auch deswegen, weil es absolut vorhersehbar war. Und in Zeiten, in denen die Welt immer unübersichtlicher wird, können wir gar nicht genug Rituale haben. An denen wir uns wie Leitplanken orientieren können. Egal, ob es das abendliche Vorlesen ist, oder das große Sonntagsfrühstück mit der ganzen Familie oder das jährliche Treffen mit alten Freunden – auf Rituale ist Verlass und das ist ein gutes Gefühl.

Mehr über Rituale gibt es am Samstag, 01.12. um 18:15 Uhr in der Sendung Landesart im SWR Fernsehen.

Und hier geht es zum Online-Magazin „Prinzip Apfelbaum“:

 

 

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