Was hilft gegen Stress und Kummer?

Was hilft gegen Stress und Kummer?

Eine Frage: wie hoch ist gerade Dein Stress-level? Und noch eine Frage: wie viele Minuten hast Du in dieser Woche Sport getrieben? Eigentlich müsste ich fragen, wie viele Stunden, aber das traue ich mich nicht. Denn laut Eurobarometer, das ist eine Umfrage der Europäischen Kommission, machen fast 40 Prozent der Deutschen nie Sport. Deswegen hat das EU-Parlament die Europäische Woche des Sports ausgerufen. Und die ist diese Woche bis einschließlich Sonntag. Ziel ist es, Couchpotatoes vom Sofa zu holen. Ich selbst war die meiste Zeit meines Lebens ein Bewegungsmuffel, mein Vater nannte mich sogar einen „faulen Strick“. Warum ich in meinen Freutagsgedanken trotzdem immer wieder über das Thema Sport schreibe, hat einen wichtigen Grund. Und der hat weniger mit der körperlichen Fitness zu tun.

Welche Verbindung gibt es zwischen Stress und Sport?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 2,5 Stunden Sport in der Woche. Denn Sport hält uns gesund. Das dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Regelmäßige Bewegung ist gut für den gesamten Organismus, für das Herz-,Kreislaufsystem, für das Immunsystem, für die Knochen (wenn man nicht gerade Hochleistungssportler ist), schlicht für alles. Das ist alles schön und gut, doch für mich gibt es einen viel wichtigeren Grund mich regelmäßig zu bewegen. Und das ist meine Seele.

Bei Stress und Kummer hilft Bewegung

Als Kind war ich vom Schulsport befreit. Wegen einer chronischen Kniegelenksentzündung. Ich war nie in einem Turnverein oder trieb sonst irgendeine Sportart. Erst mit Anfang 30 fing ich an, zu laufen. Nicht viel, aber zumindest regelmäßig Und dann kam ich mehr oder weniger zufällig zu dem SWR-Projekt „Von Null auf 42“. Bei diesem Projekt wurde man vom Nicht- oder Wenig-Läufer zum Marathonläufer – innerhalb eines Jahres. Und in diesem Jahr Training merkte ich, wie gut mir Bewegung tut – für meine Seele. Denn genau in diesem Jahr erkrankte meine Mutter an Gallengangkrebs. Monatelang war sie wegen Schmerzen und extremer Müdigkeit von einem Arzt zum anderen gerannt. Keiner konnte etwas diagnostizieren. Und als der Krebs endlich erkannt wurde, hatte er bereist flächendeckend gestreut. In diesen Monaten war ich oft völlig verzweifelt und sah kein Licht am Ende des langen, dunklen Tunnels. Doch wenn ich mich dann aufmachte, meine mir vorgegebenen Trainingszeiten für das Marathonprogramm zu laufen, kam ich nach einer Stunde mit klaren Gedanken und viel Hoffnung zurück. Man kann vor seinen Sorgen nicht davon laufen, aber man kann sie sich buchstäblich weglaufen. Heute laufe ich keine Marathons mehr – aus verschiedenen Gründen, aber eines ist aus dieser Zeit geblieben: wenn ich seelisch nicht stabil bin, wenn ich merke, dass ich ausgepowert, meinen Liebsten gegenüber ungerecht oder übermäßig besorgt bin, dann ziehe ich meine Laufklamotten an und laufe los. Ob ich Lust habe oder nicht. Ob es regnet oder die Sonne scheint. Ob ich müde bin oder hellwach. Ich laufe. Nicht lange. Meistens nur 30 Minuten. Aber danach geht es mir so viel besser. Körperlich. Aber vor allem seelisch. Danach bin ich im Gleichgewicht. Mit mir, meinen Liebsten und dem Leben.

Bei Stress auf die Couch und Chips futtern?

Es gibt bestimmt viele medizinischen Erklärungen, warum das so ist. Das interessiert mich gar nicht. Ich merke nur, dass mir Sport hilft. Und ich finde es deswegen so bemerkenswert, weil ich eben nicht von Geburt an ein Bewegungs-Junkie war. Ich lag am liebsten im oberen Teil des Stockbettes, das ich mir mit meiner Schwester teilte, las, futterte Bonbons und ließ die Bonbonpapiere von oben aus dem Bett fallen. Meine Schwester nervte das so sehr, dass sie immer alles aufräumte. Noch heute zieht mich mein Naturell eher mit Chips auf die Couch. Aber ich weiß ganz genau, dass mich das nur in diesem kurzen Moment tröstet. Wenn die Chipstüte leer ist, fühle ich mich noch schlechter als vorher. Deswegen wähle ich meistens tatsächlich die Sportschuhe und nicht die Chipstüte. Meiner Seele zuliebe.

Statt Stress-Futtern lieber Sport machen

Wenn Du also mit Stress, vielen Belastungen und Ärger, kurz gesagt mit grauen Tagen zu tun hast, dann bewege Dich. Denn das wird Dir helfen, die grauen Tagen leichter zu meistern. Es ist völlig egal, was Du machst. Hauptsache, Du bist in Bewegung. Wenn ich keine Lust zum Laufen habe, dann mache ich Yoga. Mit einer DVD. Nur eine Viertelstunde, aber das reicht schon aus.

Stress verschwindet in der Natur noch schneller

Noch besser ist es, wenn Du Dich draußen bewegst. Ein Spaziergang im Freien wirkt Wunder. Und wenn Du nur um den Block läufst, ist das allemal besser, als wenn Du es nicht tust. Wenn ich abends Spazieren gehe, ist mein Nachtschlaf so viel besser als wenn ich es nicht mache. Und wenn Du ganz schnell etwas gegen Stress tun willst, dann gehe für eine viertel Stunde in einen Park oder in den Wald. Studien haben belegt, dass bereits eine kleine Dosis Natur das Level des Stresshormons Cortison senkt. Es geht hier auch nicht um Schnelligkeit. Im Gegenteil. Wenn Du ungeübt plötzlich losrast, kann die positive Wirkung der Natur nicht wirken. Also fang langsam an, aber bewege Dich regelmäßig. Lieber jeden zweiten Tag eine Viertelstunde, als einmal im Monat zwei Stunden. Die frische Luft, die Stille, der Geruch werden Dich ganz schnell buchstäblich aufatmen lassen. Nicht umsonst gibt es jetzt den Trend „Waldbaden“. Eine Tradition, die aus Japan kommt und auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Dabei bummeln die Teilnehmer eines Kurses durch den Wald. Sie legen ganz bewusst Pausen ein, nehmen den Geruch, die Farben und die Geräusche des Waldes auf. Dazu gibt es angeleitete Achtsamkeitsübungen. Ein bisschen verrückt finde ich es ja schon, dass wir für so etwas Natürliches wie einen Waldspaziergang heutzutage einen Kurs belegen. Aber wenn es hilft….

Laufe Stress einfach weg

Also beweg Dich – so oft Du kannst. Vor allem, wenn Dich Stress, Ärger oder Kummer plagen. Gehe raus in die Natur. Auch bei Wind und Wetter. Du wirst gestärkt und gesundet zurückkehren. Manchmal ist es wirklich einfach, sich selbst viel Gutes zu tun. Du musst nur den inneren Schweinehund überwinden und loslegen. Dann wirst Du belohnt.
Anregungen, wie Du in nur einer Viertelstunde Bewegung Deiner Seele und Deinem Körper etwas Gutes tust, gibt es in den Freutagsgedanken der nächsten Woche. Ich habe mit dem Personal Trainer Jan Markus Adams aus Mainz eine Bewegungs-Sequenz auf Video aufgenommen, die ich nächste Woche an dieser Stelle poste. Dann gilt die Ausrede „Ich habe keine Zeit für Sport“ nicht mehr.

Wie Du an grauen Tagen außerdem gut für Dich sorgen kannst, siehst Du hier in diesem Video:

 

Über die Europäische Woche des Sports erfährst Du hier mehr:

Europäische Woche des Sports

Foto:pixabay/ PhotoGranary

2 Kommentare
  1. Christof Walter sagte:

    Liebe Patricia.
    Du hast ja so recht. Du sprichst mir aus der Seele in die Seele. Lg vom Morgen walken im Rheingau.
    Christof

    Antworten

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