Bauchgefühle

Was kommt jetzt noch?

Gestern traf ich eine liebe Freundin zum Abendessen. Im Laufe des Essens kamen wir auf ein Thema, das in der Hektik des „wir müssen uns auf den neusten Stand bringen, was alles die letzten Wochen, in denen wir uns nicht gesehen haben, passiert ist“ oft untergeht: wir sprachen über Wünsche, die in uns schlummern und über Träume, die wir uns noch erfüllen wollen. Lustigerweise war genau dieses Thema bestimmend am Abend zuvor, als ich einen Freund, den ich nur ein paarmal im Jahr sehe, traf. Was kommt jetzt noch? Mit Anfang, Mitte, Ende fünfzig? Über den Wunsch, noch einmal „einen Berg zu besteigen“ – beruflich oder privat – geht es heute in meinen Freutagsgedanken.

Was kommt jetzt noch? Der Aufstieg auf den Berg oder die Ruhe im Tal?

Fast aus dem Nichts kam meine Freundin gestern mit der Geschichte, dass sie tief in sich dieses Gefühl trage, noch einmal etwas anderes machen zu wollen. Sie wisse leider gar nicht, was das sein könne, aber in ihr sei diese Gewissheit, dass es das noch nicht war. Ziemlich genau das Gegenteil hörte ich am Abend zuvor von einem Freund. Er würde mit seiner Frau wohl nochmal umziehen – aus dem Haus auf dem Land in eine Wohnung in der Stadt, weil das im Alter bequemer sei, aber das wäre es dann. Mehr an Veränderung würde wohl nicht mehr kommen. Zwei Menschen in meinem Freundeskreis mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen. Zu welcher Gruppe gehörst Du? Willst Du noch einen Berg besteigen, bist Du bereit, nochmal ein Abenteuer einzugehen oder sitzt Du gedanklich schon im Tal und freust Dich auf Ruhe und Beschaulichkeit?

Was kommt jetzt noch? Der Sehnsucht folgen!

Wenn Du das Gefühl in Dir hast, dass da noch etwas kommen müsse, dann möchte ich Dich ermutigen, dem nachzuspüren. Solche Gefühle sind unerfüllte Sehnsüchte. Finde heraus, was es ist und wenn es irgendwie geht, stille die Sehnsucht. Denn am Ende des Lebens bereuen die Menschen meistens nicht das, was sie getan haben, sondern das, was sie nicht getan haben.

Ich spüre dieses Gefühl, noch einmal „unentdecktes Land erkunden“ zu wollen, auch in mir. Dabei habe ich beruflich in den vergangenen zehn Jahren einen Berg bestiegen, der mich sehr glücklich macht. Neben meinem Fernsehjob, den ich immer noch mit Begeisterung mache, habe ich inhaltlich Neuland als LebensWandlerin betreten. Ganz andere Themen, eine ganz neue Herangehensweise an Herausforderungen (die ich als Journalistin immer als Problem bezeichnen würde), Perspektivenwechsel von problemorientiert zu lösungsorientiert, neben den Moderationen im Minutentakt nun auch Bücher, die in die Tiefe gehen. Ich schätze es sehr, dass ich nun auf zwei Hochzeiten tanzen darf. Und dennoch ist diese Sehnsucht in mir.

Was kommt jetzt noch? Ich weiß es nicht, aber…..

Ich weiß noch nicht, wohin mich dieses Gefühl bringen wird. Vielleicht auf eine Reise in ein Land, das ich bislang noch gar nicht auf dem Zettel habe. Vielleicht zu einem neuen Hobby oder einer neuen Sportart. Ich weiß nur, dass ich dieses Gefühl aufmerksam beobachten werde und es nicht verdrängen werde. Ich werde es nicht zur Seite schieben mit dem Gedanken, dass ich keinen Raum/ keine Nerven/ keine Zeit/ kein Geld für etwas Neues habe. Ich werde es aufmerksam beobachten und es wachsen lassen. Und wenn ich mehr darüber weiß, wohin mich diese Sehnsucht führen möchte, dann werde ich sondieren, ob ich mir den Wunsch erfüllen kann.

Was kommt jetzt noch? Vielleicht Gesundheit und Glück.

Ich glaube nämlich, dass wir alle viel gesünder und zufriedener wären, wenn wir unseren Bauchgefühlen mehr Raum einräumen würden. Wenn wir nicht immer nur den logischen Schlussfolgerungen unseres Kopfes folgten, sondern bevorzugt den (durchaus auch mal unlogischen) Stimmen unseres Bauches.

Was kommt jetzt noch? Das entscheidest Du.

Ein anderer Freund von mir hat es getan. Er ist seinem Herzen gefolgt und hat seine Festanstellung als Vertriebsdirektor einer Bausparkasse gekündigt und sich als Coach selbständig gemacht. Es ist kein einfacher Weg, denn die Aufträge flattern nicht wie verrückt ins Haus. Er muss viel mehr arbeiten als früher, dennoch ist er viel zufriedener. In seinem Fall konnte er diese Herzensentscheidung treffen, weil er als Single nur sich selbst versorgen muss. Wenn eine Familie ernährt werden muss, spielen oft andere Faktoren eine Rolle. Dennoch sollten wir sehr hellhörig sein für die Wünsche und Sehnsüchte in uns. Denn sie sind der Wegweiser zu einem glücklichen Leben. Und auch wenn wir manchmal nicht die ganz große Entscheidung zu unseren Gunsten treffen können, so ist doch jeder Schritt in die von uns gewünschte Richtung ein Schritt ins Glück.

Foto: pixabay/Pexels

2 Kommentare
  1. Markus Weidner sagte:

    Ob es neue Gipfel oder trockene Täler sind, das entscheidet jeder selbst. Ich habe fast 20 Jahre Geduld gebraucht, um ein Lebensprojekt, von dem ich (57 Jahre alt) lange geträumt habe, in die Tat umzusetzen. Und in 5 Wochen ist es soweit: Ich starte am 20.06.2019 meine Reise zu Fuß von München nach Venedig und zurück. Begleitet werde ich tageweise von einigen meiner Kunden, die gerne persönliche Themen klären wollen. So ist es mir gelungen viele Maximen miteinander zu verbinden und die Dinge, die ich am liebsten mache zu kombinieren. Und das ist erst der Anfang. Wie heißt es: Jeder ist seines Glückes Schmied.

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    • Patricia Küll sagte:

      Lieber Markus,
      da hast Du aber Geduld bewiesen. Ich wünsche Dir eine gute Reise, keine Blasen an den Füßen, wundervolle Gespräche und alles, was Du für dieses Abenteuer brauchst. Sei Deines Glückes Schmied.
      Herzlich
      Patricia

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