Wieviel Gehalt bin ich wert?

Wieviel Gehalt bin ich wert?

Eine meiner Lieblings-Lebensfreuderegeln ist ja „Feiere Deine Erfolge“. Das habe ich gestern beherzigt. Denn gestern war ich ziemlich stolz auf mich. Ich habe meine Steuererklärung abgegeben. Die für 2017. Und das Mitte Juni und nicht erst – wie sonst immer – auf den letzten Drücker Ende des Jahres. Wie so viele beschäftige ich mich nicht gern mit dem Thema Geld – so lange genug vorhanden ist. Aber ab und an macht es durchaus Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, welche Glaubenssätze man zu dem Thema hat. Meine Glaubenssätze führten in dieser Woche dazu, dass ich mich selbst (mal wieder) ziemlich schlecht verkauft habe.

Wieviel Gehalt bin ich MIR wert?

Ich hatte einen Termin bei einem mittelständischen Unternehmer, bei dem ich einen Vortrag zum Thema „Selbstführung und Lebensfreude“ halten soll. Das Unternehmen ist noch recht jung und hat noch keine großen Erfahrungen, wie viele Menschen sich wohl zu einem solchen Vortrag anmelden. Es war ein sehr nettes Gespräch, der junge Unternehmer war ein wenig ratlos und am Ende hatte ich ein durchschnittliches Honorar ausgehandelt, wenn ausreichend Teilnehmer kommen sollten. Wenn nicht, dann – so mein Angebot – würde ich mein Honorar nach unten korrigieren. Sollte es mehr Anmeldungen geben als erwartet, würde ich am größeren Gewinn nicht beteiligt. So trage ich das gesamte Risiko für den Abend und der Unternehmer keins. Das hatte ich wieder ganz toll hinbekommen. Ich mag ja vieles können, Verhandlungsgeschick ist aber definitiv nicht meine Stärke.

Über Geld rede ich lieber nicht

Woran mag das liegen, dass ich bei finanziellen Verhandlungen oft den Kürzeren ziehe? Dass es mir schon peinlich ist, überhaupt nach der Höhe des Honorars zu fragen? Ich bin selbständig. Diese Frage ist bei mir eigentlich existenziell. So wie mir geht es vielen Menschen. Ich kenne viele – vor allem Frauen -, die wirklich lächerliche Gagen aufrufen für sehr viel Arbeit. Sie können davon kaum leben und dennoch wagen sie es nicht, die Preise anzuheben. Auf der anderen Seite kenne ich Menschen, die Preise aufrufen, dass ich Schnappatmung bekomme. Das Erstaunliche ist nur: Horrende Summen werden oft bezahlt, weil die Käufer das Gefühl damit bekommen, was teuer ist, muss auch gut sein. Während bei niedrigen Honoraren oft genug noch gehandelt wird.

Wie ist Deine Einstellung zum Thema Geld?

Ich habe mich zu dem Thema mit Finanzmentorin Carmen Stephan aus Frankfurt unterhalten. Sie ist der Meinung, dass es bei vielen an der inneren Einstellung liegt, dass sie finanziell nie auf einen grünen Zweig kommen. Wir sind tief in unserem Inneren davon überzeugt, dass wir ein höheres Gehalt nicht wert sind oder glauben, Geld verderbe den Charakter oder sind der Meinung, reiche Menschen seien alles Gauner. Diese Glaubenssätze sind seit unserer Kindheit tief in uns verankert.

Wie dachten Deine Eltern über Geld?

Überlege doch mal, welche Bedeutung das Thema Geld in Deiner Ursprungsfamilie hatte. War es ausreichend vorhanden? Oder musste Deine Familie sehr sparsam leben und Ihr konntet Euch wenig leisten? Haben Deine Eltern oft auf die „Großkotzigen“ der Stadt geschimpft?

Wenn Du weißt, welche Glaubenssätze Dich zum Thema Geld geprägt haben, kannst Du Dir überlegen, ob diese heute noch für Dich stimmen. Ist es wirklich so, dass Du nicht mehr Gehalt wert bist? Gehört diese Einstellung wirklich zu Dir oder zu ist es eine Einstellung, die Du in Deiner Jugend gelernt hast, jetzt aber loslassen kannst? Überprüfe die Einstellung, die Du zum Thema Geld hast, auf Deine Wahrheit. Ist es wirklich Deine Einstellung oder die eines anderen?

Kehre Glaubenssätze um

Eine gute Freundin von mir kann – wie man so schön sagt – überhaupt nicht mit Geld umgehen. Ihr Konto ist dauernd in den Miesen. Bis wir bei einem Gespräch etwas sehr Interessantes festgestellt haben. Ihr Vater hatte zu Lebezeiten sehr viel Geld verdient, dieses aber auch mit vollen Händen ausgegeben. Als er überraschend mit 60 Jahren starb, hinterließ er ihre Mutter ziemlich mittellos. Eigentlich hätte ihr das eine Lehre sein können. Dennoch gab auch sie das Geld aus, so wie es rein kam. Dahinter steckte ihre Liebe zu ihrem Vater. Sie wollte ihrem Vater nicht unähnlich werden (diese Motivation kommt in Familiensystemen häufig vor. Darüber schreibe ich anderer Stelle mal ausführlicher) und hätte es als Verrat an ihm angesehen, wenn sie nun plötzlich anders mit Geld umgegangen wäre. Erst seitdem wir geklärt haben, dass sie ihrem Vater nicht unähnlich wird, wenn sie anders mit ihrem Geld umgeht, hat sie angefangen, ein Haushaltsbuch zu führen und monatlich eine Summe zu sparen.

Lass neue Glaubenssätze in dein Leben kommen

Wieviel Gehalt bin ich wert? Wenn Du Dir diese Frage stellst, dann kläre erst einmal für Dich ab, welche Glaubenssätze Dich seit Deiner Kindheit begleiten. Wenn Du die ausgemacht hast, kannst Du neue Glaubenssätze für Dich bestimmen. Wenn Du bislang dachtest, Du seist nicht mehr Honorar wert, dann formuliere einen Satz, der heißen könnte „Ich bin genauso gut wie andere und kann auch soviel verlangen wie die.“ Formuliere Deinen neuen Glaubenssatz so lange um, bis er sich stimmig für Dich anfühlt. Und dann arbeite mit ihm. Schreibe ihn auf Post-its und hänge diese auf, damit Du möglichst oft daran erinnert wirst. Dein alter Glaubenssatz wird nicht von allein verschwinden. Du musst ihn immer wieder ganz bewusst aus Deinem Hirn verbannen und Dir den neuen Satz vorsagen. So lange bis er Dir in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Wieviel Gehalt bin ich wert?

Und dann wage es einmal, bei der nächsten Frage nach deinem Honorar oder bei der nächsten Gehaltsverhandlung deutlich mehr zu fordern als Du es eigentlich tun würdest. Wenn Du selbst der Überzeugung bist, dass Du es wert bist, dann wirst Du garantiert auch dein Gegenüber davon überzeugen.

Ich selbst übe mich auch darin. Diese Woche war mal wieder ein Rückschritt, aber das gehört im Leben dazu. Aber mittlerweile habe ich auch bereits Verhandlungen geführt, die mehr als zufriedenstellend endeten. Nicht nur für mein Gegenüber.

Hier der Link zu Carmen Stephan. Ihren Newsletter kann ich Dir sehr empfehlen.

http://www.finanzmentoring.de

Foto: Pixabay/luxstorm

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