Willst Du Dich wieder so unbeschwert wie zu Deiner Kindheit fühlen?

Warst Du in Deiner Jugend mal in einem Zeltlager? Vermutlich. Die meisten Jugendlichen haben irgendwann einmal irgendwo ihre Ferien in einem Zeltlager verbracht. Ich habe daran die süßesten Erinnerungen. So hat mich ein Artikel – zufällig bei meiner letzten Reise mit der Deutschen Bahn im DB-Heft gelesen – sofort angesprochen. Darin ging es um eine – naja von Trend kann man noch nicht reden, – aber doch von einer Idee, die um sich greift. Zeltlager für Erwachsene. Die gibt es tatsächlich bereits. Dort können sich Menschen, die schon lange nicht mehr als „Jugendliche“ gelten, ein Wochenende lang wie Kinder benehmen – inklusive Nachtwandern, am Lagerfeuer sitzen, Sterne gucken und Nixenschwimmen.

Was steckt hinter der Lagerfeuerromantik Erwachsener?

Ein Zeltlager gibt es in Niedersachen. In der Nähe von Walsrode. Mitten in der Natur. Vor dem Zelt ein See. Hinter dem Zelt der Wald. Dazwischen Menschen, die Spiel, Sport und Spannung wollen. Bislang werden die Angebote vor allem von den 30-jährigen angenommen. Sie wollen sich noch einmal fühlen wie Kinder – beim Gitarre spielen am Lagerfeuer und Stockbrot backen. Was steckt hinter dieser Lagerfeuerromantik in diesem Alter? Ist das das gute alte Peter-Pan-Syndrom? Eine Generation, die nicht erwachsen und schon gar nicht alt werden will?

Zeltlager – dahinter stecken Tage voller Unbeschwertheit

Ich kann die Menschen, die Spaß haben wollen wie die Kinder, gut verstehen. Gäbe es ein Zeltlager für Fünfzigjährige – ich wär sofort dabei. Denn ich habe nur die besten Erinnerungen an meine Zeit im Zeltlager. Als 15-jährige. Als man trunken wurde vom in-den-Sternenhimmel-gucken. Je länger man schaute, desto mehr Sterne sah man. Damals waren die Nächte an einen der Kärntner Seen bei Klagenfurt auch noch wirklich dunkel, sodass man die Sterne wirklich leuchten sehen konnte. An die Tage, an denen man den ganzen Tag am und im See tobte. Die Haut bräunte sich, die Haare hellten auf. An den ersten Kuss. Den Namen des Jungen habe ich vergessen, aber an das glitschige Gefühl, das eher unangenehm war, erinnere ich mich genau. Am nächsten Tag küsste er eine andere. Und ich war mehr als erleichtert. Es waren Tage voller Unbeschwertheit. Ohne Pflichten. Ohne Eltern. Ohne Zwang. Nur Spaß und Leichtigkeit.

Es ist so leicht, die Leichtigkeit zu verlieren

Und genau das ist der Punkt. Wenn man älter wird, ist es so leicht, die Leichtigkeit zu verlieren. Wir sind nicht mehr neugierig wie die Kinder und auch nicht mehr so unbeschwert. Unsere Tage bestehen aus Pflichten, Zwängen und nun sind wir auch noch selbst die Eltern. Die Unbeschwertheit lässt sich die meiste Zeit nicht blicken.

Ich glaube, es geht den Menschen, die ein Zeltlager für Erwachsene besuchen nicht in erster Linie darum, nicht erwachsen werden zu wollen. Aber es ist ein Versuch, für wenige Stunden wieder zu werden wie die Kinder. Die Leichtigkeit wiederzufinden. Da hilft es, das Handy und den Terminkalender aus der Hand zu legen und stattdessen Bogenschießen auszuprobieren oder nachts durch den Wald zu wandern.

Um sich zu fühlen wie ein Kind, musst Du Dich einfach mal trauen

Doch wenn es so einfach ist, warum holen wir uns die Leichtigkeit auf die Weise nicht in den Alltag zurück? Das geht. Wir müssen uns nur mal trauen. Schlag Dein Zelt am Wochenende im Garten auf. Ich bin bei diesen Temperaturen ab und an morgens um halb fünf auf die Liege im Garten gewechselt, weil es im Schlafzimmer zu warm war. Schon das war ein ganz anderer Tagesbeginn, wenn die Vögel direkt neben einem zwitschern und man als erstes die Wolken am Himmel beobachtet, bevor man sich in den Wahnsinn des Alltags wirft.

Dieser Sommer lädt geradewegs dazu ein, sich mit Wasserschlachten die Freude der Kindheit zurückzuholen. Statt einfach nur Blumen gießen, auch mal den Partner oder die Kinder mitgießen. Bei uns dauert so eine Wasserschlacht nur ein paar Minuten und das Geschrei im Garten ist immer heftig, aber dabei wird so viel gelacht, dass die Lebensfreude ganz schnell zum Riesen anwächst.

Oft trauen wir uns nicht mehr, albern zu sein. Vieles empfinden wir als peinlich und der Gedanke, was werden wohl andere sagen, begleitet uns. Wenn man darauf pfeifen kann, ist ein erster Schritt zum unbeschwerten sich-wieder-häufiger-wie-ein-Kind-fühlen getan.

Einfach mal über die Schamgrenze klettern

Ob Matratzenlager im Wohnzimmer, weil die Schlafzimmer zu warm sind oder eine gemeinsame Nachtwanderung mit Freunden im Wald – solche ungewöhnlichen Aktivitäten bringen die Leichtigkeit zurück. Der einzige Unterschied zu früher: wir müssen mehr Aufwand betreiben, damit sich das Gefühl einstellt und wir müssen über die eine oder andere gewachsene Schamgrenze klettern. Aber das lohnt sich. Probiere es einfach mal aus.

Foto: pixabay/Natalia_Kollegova

2 Kommentare
  1. Norbert Matt sagte:

    Hallo Frau Küll,
    Ihr Zeltlager erleben wir fast jedes Wochenende. Wir haben eine Jagd in der Eifel und an solchen Tagen wie heute ist es wie vor 50 Jahren. Nebel zieht auf und die Sonne erwacht. Wir verbringen viele Nächte draußen und erleben das von Ihnen beschriebene Gefühl. Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden Mondnächte. Wenn Sie an so etwas Spaß und Freude haben können sind Sie herzlich eingeladen so etwas in der Eifel zu erleben.
    Mit fröhlichen Grüßen mit einem herrlichen Sonnenaufgang
    Norbert Matt

    PS unter der Dusche wird immer noch gesungen

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    • Patricia Küll sagte:

      Lieber Herr Matt,
      das hört sich wundervoll an und ich finde es großartig, wie bewusst und mit wieviel Freuden Sie diese Momente genießen. Vielen Dank, dass Sie diese Eindrücke mit uns teilen.
      Herzliche Grüße
      Patricia Küll

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